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Islam

Eine Trennung von Politik, Islam und Länderkunde ist nicht so einfach möglich. Deshalb auch mal nachsehen unter:

– Arabische Einzelländer Länder (Darstellung, Problematiken, Politik etc.).


pfeil2 Gesamtdarstellungen

pfeil2Politscher Islam

pfeil2Islam im Westen / Deutschland

pfeil2 Koran

pfeil2 Einzelprobleme / Einzeldarstellungen


Gesamtdarstellungen

 henrylaurenes Andre Miquel, Henry Laurens
Der IslamPalmyra
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
ISBN: 3930378574
Rezensionen Amazon:

„Kopftuchstreit“ – „Terroranschläge“ – „Islamismus“ – „Kampf der Kulturen“. Dies sind einige der aktuellen Schlagworte, die zunehmend das klischeehafte und einseitige Bild des Islam in der westlichen Welt bestimmen.
Dieser verzerrten Wahrnehmung stellt das Buch von Andre Miquel eine differenzierte und vorurteilsfreie kulturgeschichtliche Gesamtbetrachtung des Islam gegenüber. Objektiv und sachkundig entwirft der Autor ein äußerst informatives Bild des Islam von seinen Anfängen bis heute.
Miquel bietet dabei faszinierende Einblicke in die historische, kulturelle, politische und gesellschaftliche Komplexität einer der großen Weltreligionen.
Durch seine fundierte Darstellung leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über den Islam.
Das Buch gilt in Frankreich seit seinem erstmaligen Erscheinen 1968 als Standardwerk. Auf deutsch erschien Miquels Islamklassiker bereits 1970 in der Reihe „Kindlers Kulturgeschichte“. Die Ausgabe des Palmyra Verlags beru ht auf der 2003 von Andre Miquel zusammen mit Henry Laurens vollständig aktualisierten französischen Ausgabe. Hans Küng wurde für ein Vorwort angefragt.Ein Buch, das gut lesbar und informativ ist. Ein Standardwerk, das sich an den interessierten Laien richtet und einen fundierten Einstieg in den Islam bietet.

 

 

 heine_einfuehrungin Einführung in die Islamwissenschaft
Peter Heine Akademie-Verlag (1. Dezember 2008) ISBN-10: 3050044454 ISBN-13: 978-3050044453
Folgernder Text wurde von http://akademie-studienbuecher.de/titel/einfuehrung-in-islamwissenschaft
Akademie Verlag Studienbücher übernommen ©Akademie Verlag GmbHKulturwissenschaften
Einführung in die Islamwissenschaft
Die islamische Welt – Bedrohung, Exotik oder Wissensquelle?
Die westliche Islamwissenschaft entwirft unterschiedliche Einordnungen der islamischen Kultur und der Geschichte des Orients. Dieses Studienbuch führt auf konzise Weise in die Themen der Islamwissenschaft ein. Aus einer problemorientierten Perspektive werden religiöse, politische, soziale und kulturelle Fragen dargelegt und diskutiert. Eine intensive Auseinandersetzung, die das Buch nicht nur für Islamwissenschaftler, sondern auch für Studierende der Arabistik und Orientalistik interessant macht.

  1. Geschichte und Entwicklung des Islams von den Anfängen zur Weltreligion
  2. Koranauslegungen und Glaubenstraditionen, Rechte und Pflichten der Gläubigen
  3. Verbreitung im Abendland
  4. Politik und Religion im Islam: Einheit oder Widerspruch? Toleranz oder Terrorismus?
  5. Kulturtransfer und politischer Austausch: Erfahrung des Fremden in West und Ost
  6. Kunst und Architektur im Islam

Pressestimmen:
“Peter Heine hat mit seiner ‘Einführung in die Islamwissenschaft’ ein gedrängtes und doch ausführliches ‘Studienbuch’ vorgelegt, das Anfängern, aber auch am Stoff interessierten Laien reichlich Anregungen gibt. […] Alle Kapitel zeichnen – gegen einseitige Harmonisierungen und Verteufelungen – ein differenziertes Bild der jeweiligen Thematik. […] Wer Peter Heines Buch gelesen hat, kann besser nachfühlen, worin die heutigen Kontroversen – bis hinein in die Politik – ihren Ursprung haben, auch innerhalb der islamischen Welt selbst.”
Wolfgang Günter Lerch in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2008

“[Heines] ‘Einführung in die Islamwissenschaft’ bietet einen ersten großen Überblick über den Islam, dessen Ziele, Absichten und Mittel derzeit so kontrovers, aber eben auch so ignorant wie kaum ein Thema, diskutiert werden. […] Wer sein Buch liest kann die Lücken über die uns oftmals so radikal und unverständlich anmutende Religion schließen. Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der endlich versuchen will selbst zu ergründen, ob der Islam wirklich so anders ist als unser Glaube, anstatt sich von Bildern und Parolen beeinflussen zu lassen. Ein wichtiges und gutes Buch.”
AcademicWorld.net, Januar 2009

“Die Einführung in die Islamwissenschaft richtet sich an Studierende dieses Faches und erfasst passgenau ihre Bedürfnisse. Sie führt ein in verschiedene Epochen und Themen wie die Prophetentraditionen, das islamische Recht in Geschichte und Gegenwart, Alltagskultur oder Orthodoxe und Heterodoxie im Islam. Auch Arbeitstechniken des Faches werden gemäß dem neuesten Forschungsstand vermittelt.”
ekz-Informationsdienst, 9/2009

Kommentare zum Buch:
“Das Studienbuch bietet eine ausgewogene Mischung aus allgemeinen Informationen zu Grundlagen der Islamwissenschaft und aktuellen Diskussionen.”
Dr. Jens Ruppenthal, Universität zu Köln

“Dem eigenen Anspruch ein Studienbuch zu sein wird „Einführung in die Islamwissenschaft“ von Peter Heine in jedem Fall gerecht. Der im Umfang angemessene Stoff ist gut als Begleiter einer Lehrveranstaltung über ein Semester hinweg vorstellbar. Weiterhin eignet es sich hervorragend als Nachschlagewerk für das Basisverständnis zur Vertiefung des Themas. Da teilweise auch verschiedene gruppenpsychologische Prozesse beschrieben werden, eignet sich das Buch auch für Fachgebiete wie die interkulturelle Psychologie, ist aber grundsätzlich jedem zu empfehlen, der sich auch außerhalb des Studiums mit den Grundlangen des Islams auseinander setzen und ein Verständnis für den islamischen Kulturkreis gewinnen möchte.”
Sabrina Viereckel, Studentin aus Leipzig

Meine Meinung:
Obwohl für Studienanfänger konzipiert ist das Buch ohne weiteres auch für den interessierten Laien verständlich und gibt einen hervorragenden Überblick über das Fach der Islamistik in kurzer Form.

 

 steinbach Werner Ende und Udo Steinbach
Der Islam in der Gegenwart
C:H: Beck Verlag
ISBN 3406399517
Die Worte von oben zu wiederholen ist einfach zu lästig. Was den heutigen Islam betrifft (ob in Europa, Asien, Afrika oder Amerika) mit allen seinen Ausprägungen – es gibt nichts besseres zur Zeit In diesem Buch haben Ende und Steinbach auch alles was Rang und Namen hat versammelt um dieses Buch zu gestalten. Ob als Lesebuch (kein leichter Stoff) oder als Nachschlagwerk – das Buch wird lange sein Bedeutung im heimischen Bücherschrank behaupten.

 

 fischer1fischer1 Claude Cahen
Fischer Weltgeschichte, Bd.14, Der IslamFischer-TB.-Vlg.,Ffm,
 fischer2 Gustave E. von Grunebaum
Fischer Weltgeschichte, Bd.15, Der IslamFischer-TB.-Vlg.,Ffm,
Zwar staubtrocken und nicht mehr sooo neu, jedoch sind die Bände 14 und 15 der „Fischer Weltgeschichte“ ein Standardwerk über die Geschichte des Islams, den wohl jeder in den Händen hatte, der sich mit der Kultur und Geschichte des Islams befaßt hat.

 

 weiss Walter M. Weiss (Heruag.)
DuMonts Handbuch Islam Dumont Monte Verlag
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3832087230
Ein Lesebuch, (und auch Nachschlagwerk), das einen guten, ersten Überblick gibt, was Islam ist und beinhaltet … Eine kritische Auseinandersetzung erfolgt nicht; das Buch will nur einen dokumentarischen Überblick geben.

 

 sandkuehler Begegnung mit dem Islam
von Bruno Sandkühler
Gebundene Ausgabe – Freies Geistesleben
Erscheinungsdatum: April 2005
ISBN: 3772520383
Verlagestext:Bruno Sandkühlers äußerst kenntnisreiche Darstellung der Quellen und der Entwicklung des Islam, aber auch seiner Alltagspraxis in allen sozialen, rechtlichen und religiösen Belangen weist neue Perspektiven im Hinblick auf eine Verständigung mit dem Islam auf.

Aufgrund der terroristischen Gewaltakte selbsternannter Glaubenskämpfer hat sich das Bild des Islam aus westlicher Sicht in den letzten Jahren immer negativer entwickelt. Inzwischen sind weite Bevölkerungskreise der Ansicht, der Islam sei eine Religion des Hasses und der Gewalt und eine Verständigung nicht möglich. Dennoch ist er weltweit die am stärksten wachsende Religionsgemeinschaft. Wenn wir vermeiden wollen, dass Misstrauen und Gewalt überhand nehmen, müssen wir uns vordringlich um Verständigung bemühen. Bruno Sandkühler untersucht die Quellen des Islam im Koran und den Lehren des Propheten Mohammed sowie maßgeblicher islamischer Gelehrter im Hinblick auf die Frage, wieweit eine individuelle Urteilsbildung über die Tradition hinaus als zulässig erachtet wird. Dabei stößt er auf eine interessante Interpretationsvielfalt, die eine Weiterentwicklung des Islam offensichtlich nicht ausschließt. Wer in der unübersichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Westen nach Orientierung sucht, findet hier Wege zur Verständigung und Möglichkeiten, die entwicklungsoffenen Richtungen innerhalb des Islam zu unterstützen.

Aus dem Inhalt

1.Die Grundlagen / 2. Glaubensrichtungen und Nationen / 3. Religion in allen Lebensbereichen / 4. Politik / 5. Islam und der Westen – Befruchtung und Konfrontation / 6. Politischer Islam und Fundamentalismus /
7. Zukunftsperspektiven

Über den Autor

Dr. Bruno Sandkühler, Jahrgang 1931, studierte Romanistik und Orientalistik in Florenz, Perugia, Paris und Freiburg. Er begründete gemeinsam mit C.-E. Fischer die «Marco-Polo-Reisen» und arbeitete an einer fotografischen Erfassung der altägyptischen Altertümer mit. Von 1961 – 2001 unterrichtete er an verschiedenen Waldorfschulen.Meine Meinung: Sehr gutes und fundiertes Buch über den Islam. Neutral und sehr gut lesbar. Mir hat es gefallen.

 

 

 kraemer Geschichte des Islam
von Gudrun Krämer
Beck
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Auflage: 1
ISBN: 340653516X
Kurzbeschreibung Amazon:

Eine Geschichte des Islam — „Fachleute“, befürchtet Gudrun Krämer, „werden zusammenzucken“. Nicht nur, weil ein solches Unternehmen als zu ehrgeizig erscheinen könnte, sondern weil es „die Gefahr des Orientalismus“ heraufbeschwöre, der alle Lebensregungen von Muslimen und alle Erscheinungen der von ihnen bewohnten Welt auf den Islam zurückführe und diesen obendrein mit Koran und Sunna gleichsetze. Diese Gefahr besteht tatsächlich, zumal dann, wenn eine solche Geschichte ausführlich sowohl religiöse und kulturelle, als auch politische Aspekte des Islam zum Gegenstand hat. Gleichwohl ist es das (eindrucksvoll eingelöste!) Ziel der Autorin, „die Beziehungsgeschichte in den Mittelpunkt zu rücken und damit den (…) Austausch zwischen Muslimen unterschiedlicher Herkunft und Orientierung sowie zwischen Muslimen und Nichtmuslimen“. Und dies aus gutem Grund, hat doch dieser Austausch überhaupt erst hervorgebracht, was unter Islam zu jeweils bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten verstanden wurde.
Der ebenso klug wie schön bebilderte Band spannt den Bogen von der Entstehung der muslimischen Religion in Mekka und Medina bis zur „islamischen Wende“ zum Ende des 20. Jahrhunderts. Dabei wird der Einfluss vorislamischer Traditionen ebenso berücksichtigt, wie die Person und das Wirken des Propheten und die Kämpfe um seine Nachfolge, das Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen sowie jenes der Religion zu Kultur und Wissenschaft, die Regionalisierung und Autonomisierung verschiedener islamischer Strömungen (insbesondere in der Ausprägung des schiitischen Glaubens). Ein eigenes Kapitel ist den oft blutigen „Grenzziehungen und Grenzüberschreitungen“ zwischen muslimischer und christlicher Religion gewidmet, ein weiteres den „neuen Horizonten“ unter anderem der europäischen kolonialen Expansion sowie der Verbreitung des Islam in Südostasien und im subsaharischen Afrika. Je mehr sich die Darstellung der unmittelbaren Gegenwart nähert, desto bedrückender empfindet der Leser die für den Islam immer bedrohlicher werdende, ausgreifende Übermacht des christlich geprägten Westens, der auch innerislamisch Konflikte heraufbeschwört: zwischen Tradition und Modernisierung, zwischen Staat, Gesellschaft und Individuum.

Fazit: Ohne sich in Details zu verlieren führt Krämers mit rund dreihundert Seiten sehr konzentrierte Darstellung den Leser souverän durch die einzelnen Epochen der islamischen Religions- und Gesellschaftsgeschichte. Eine thematisch sortierte Auswahlbiografie rundet den Band gelungen ab. –Andreas Vierecke
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein rundum gelungenes Buch: Gudrun Krämers facettenreiche Geschichte des Islams / Von Friedrich Niewöhner
Dieses Buch ist wunderschön gestaltet, die bunten Abbildungen, die der Leser erfreut betrachtet, machen das Buch dennoch nicht zu einem Bilderbuch – es ist eine ungemein ernsthaft und dicht geschriebene wissenschaftliche Abhandlung. Das Buch ist auch kein Nachschlagewerk, sondern will als Ganzes gelesen werden – und dennoch ist es ein Nachschlagewerk, denn es ist so gut gegliedert, daß man durchaus an einem Punkt in der Mitte des Buches ein oder zwei Abschnitte lesen kann, die in sich zusammenhängen. Man probiere das aus mit dem Kapitel über „Das muslimische Indien“. Wer diese zwanzig Seiten liest, dem sind zwar einige Ausdrücke neu, aber ansonsten ist es in sich verständlich, obwohl es auf andere Kapitel des Buches zurückverweist. Das Buch erzählt die Geschichte des Islam, dennoch ist es keine Geschichte der Muslime, sondern der Gesamtkomplex Islam mit seinen religiösen und säkularisierten Seiten, seiner Machtpolitik und seinem Umgang mit denjenigen, die nicht zum Islam gehören, wird detailliert beschrieben.

Das Buch ist umfangreich und von einer Forscherin geschrieben, die sich auskennt, obwohl es keine einzige Anmerkung enthält, was in diesem Fall nicht stört. Die gesamte Forschungsliteratur ist nämlich in den Text eingearbeitet, ohne daß der Leser mit kleinlichen Kritteleien und Diskursen belästigt wird. Große Linien werden stillschweigend gezogen, vielleicht einmal knapp erwähnt; Frau Krämer spricht zum Beispiel von den großen Konflikten im Islam und differenziert zwischen Religionskonflikten einerseits und dem Gegensatz von Nomaden und Seßhaften andererseits. Diese beiden Konflikte werden nur erwähnt, nicht ausgewalzt. Überhaupt ist jedes Unnütze, was manchmal die Geschichtsschreibung so schwierig macht, fortgelassen.

Das Buch beginnt natürlich mit „Arabien um 1600“ und endet mit der „islamischen Wende“ im zwanzigsten Jahrhundert. Es ist eingeteilt in acht große Kapitel, wobei, und das ist bei einer Geschichte des Islam selbstverständlich, der Schwerpunkt auf den Anfängen bis um 1800 liegt. Besonders begrüßenswert ist, daß die Autorin auch von dem Islam im subsaharischen Afrika, in Südostasien und in Indien spricht. Wichtige arabische, persische und türkische Termini werden transliteriert, so daß der Leser sie aussprechen kann. Das Buch wendet sich an Fachwissenschaftler und an interessierte Laien, immer zwei Hauptziele im Auge habend: den Austausch zwischen den Muslimen selbst mit Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Herkunft und Orientierung, sowie den Austausch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, wobei beide Zielrichtungen gut ausgewogen sind.

An diesem Buch, das frei von jedem „Orientalismus“ ist, scheint mir nichts auszusetzen. Gudrun Krämer konzentriert sich in ihrer Geschichtsschreibung erfreulicherweise nur auf das Wesentliche (daß das Literaturverzeichnis im Anhang nur sieben Seiten umfaßt, ist ein Hinweis auf diese Art von Konzentration). Trotz der intimen Vertrautheit der Autorin mit den Bewegungen und Strömungen im Islam ist das Buch mit großer Distanz geschrieben. Selbst der Stil von Frau Krämer ist ihrem Gegenstand angemessen. Diese Geschichte des Islam ist ein in jeder Beziehung gelungenes Buch.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Meine Meinung: Viele Bücher wurden schon über die Geschichte des Islams geschrieben. Die meisten waren entweder zu oberflächlich oder zu wissenschaftlich. Hier ist eine gesunde Mischung aus Lesbarkeit und Wissenschaftlichem Anspruch gelungen. 5 von 5 Sternen 🙂

 

 reza_aslam Kein Gott außer Gott. Der Glaube der Muslime von Muhammad bis zur Gegenwart
von Reza AslanBeck; Auflage: 1 (Juli 2006)
ISBN: 3406544878
Amazon:

Gerne hätte man öfter Anlass zu einer solch begeisterten Lobrede, wie sie diesem Buch gebührt! Mit Kein Gott außer Gott hat Reza Aslan nicht nur eine ausgesprochen profunde Geschichte des muslimischen Glaubens vorgelegt, die Lektüre ist auch literarisch ein Genuss. Alsan erzählt die Geschichte des Islam von den Anfängen bis in die Gegenwart mit einer souveränen Leichtigkeit, wie sie nur dem wirklich Wissenden gelingen kann.Aslan ist aber nicht nur in seinem Wissen, sondern auch in seinem Glauben so gefestigt, dass er — dabei die Perspektive des anderen einnehmend — auch über die unmittelbaren Grenzen seines Gegenstandes ohne Scheu hinauszublicken vermag. So erst kann er uns die inneren Bezüge zwischen dem islamischen, jüdischen und christlichen Glauben ebenso anschaulich vor Augen führen, wie die historischen und gegenwärtigen Konfliktlinien zwischen Sunniten und Schiiten.In dem er tatsächlich erzählt und immer wieder kleine Geschichten wie kunstvolle Ornamente in den wohlgegliederten Gang seiner Darstellung einflicht, gelingt es dem Autor, uns bei der Lektüre bei der Stange zu halten und unsere Aufmerksamkeit auch auf die Faszination zu lenken, die von der islamischen Kultur auszugehen vermag — jenseits des Islamismus, von dem wir uns heute allenthalben bedroht sehen. Kein Gott außer Gott bietet Lesevergnügen und Bildungserlebnis gleichermaßen. Unbedingt lesenswert! — Andreas ViereckeKurzbeschreibung
Reza Aslan erzählt in diesem brillant geschriebenen Buch die Geschichte des muslimischen Glaubens vom Propheten Muhammad bis zur Gegenwart. Dabei gelingt es ihm meisterhaft, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Treffende Geschichten, Beispiele und Portraits vermitteln einen höchst lebendigen Eindruck von der ersten muslimischen Gemeinde in Medina, den Rivalitäten zwischen Sunniten und Schiiten oder der islamischen Mystik. Aber das Buch ist mehr als ein anschaulicher historischer Überblick: Aslan erklärt, warum der Islam gegenwärtig zwischen Traditionalisten und Reformern gespalten ist, und tritt für eine islamische Aufklärung ein.Über den Autor
Reza Aslan, geb. in Iran, ist Islamwissenschaftler an der University of California, Santa Barbara. In den USA ist er vor allem durch seine Beiträge für große Zeitungen bekannt (New York Times, Los Angeles Times, Washington Post u.a.). Für seine wissenschaftliche und literarische Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnetMeine Meinung: Wirklich gutschreiebenes Buch, das den Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Allgemeinverständlichkeit meistert. Es spannt den Bogen des islamischen Glaubens vom Anfand bis in die Gegenwart und nimmt auch Stellung u den aktuellen Problemen. Durchaus lesenswert !!

 

 sohaib_sultan Koran für Dummies
Sohaib Sultan
Sprache: Deutsch
ISBN: 3527702164
Kurzbeschreibung
Was sagt die heilige Schrift der Muslime über den Glauben, über Frauen, die Familie und Andersgläubige? Sohaib Sultan berichtet leicht verständlich über die Entstehung des Koran, dessen Geschichte und Interpretationen und ebnet so Wege zum besseren Verständnis des Islam.Aus dem Inhalt
Von der Offenbahrung zum geschriebenen Buch
Der Aufbau des Koran
Die Sprache des Koran
Die verschiedenen Koran-Interpretationen
Wie der Koran die Welt sieht
Gott, die Propheten und die Menschheit
Leben nach den Regeln des Koran
Der Koran und die Gesellschaft
Koranisches Recht
Der Jihad
Was der Koran über Frauen sagt
Der Top-Ten-Teil
Zehn Missverständnisse über den Koran
Zehn Möglichkeiten, den Koran besser zu verstehenMeine Meinung: verständliche und ausführliche Einführung in den Koran, ohne das Thema zu simplifizieren. Der Autor findet den Weg das Thema auf einem hohen jedoch nicht verwissenschaftlichtem Niveau zu vermitteln. Mir hat das Buch recht gut gefallen.

 

 malcolm_clark Islam für Dummies
M. ClarkWiley-Vch Dummies; Auflage: 1 (August 2006)
ISBN: 3527702156
Kurzbeschreibung
Malcolm Clark erzählt spannend vom Leben des Religionsstifters Mohammed, berichtet von der historischen Entwicklung des Islam und zeigt dessen Beiträge in den Naturwissenschaften, in der Kunst und in der Architektur auf.Aus dem Inhalt
Die Grundlagen verstehen
Annäherung an den Islam
Die Geschichte des Islam
Unterwerfung und Gott
Was Muslime glauben
Die fünf Glaubensgrundsätze des Koran
Nicht-Muslimen den Glauben erklären
Auslegung des Glaubens ? schwierige Glaubensfragen klären
Im Angesicht Gottes: Himmel und Hölle
In den Himmel oder in die Hölle kommen: vom Leben zum Tod zur Auferstehung
Bilder von Himmel und Hölle
Arabien vor Mohammed
Die Geschichte von Mohammed
Die Suche nach dem historischen Mohammed
Eine Einführung in den Koran
Sammlung und Zusammenstellung des Koran
Der Stil des Koran
Die Sprache des Koran
Die Unnachahmlichkeit des Koran
Die wechselnden Perspektiven im Koran
Interpretation des Koran
Dem Koran im Alltag folgen
Reproduktionen des Koran: Kalligraphie
Die Eröffnung des Koran: die Fatiha
Tradition und Gesetz im Islam
Der muslimische Alltag
Die Grundlagen des Islam
Glaubensbekenntnis, Gebet, Hilfe für Bedürftige, Besinnung und Fasten, Hadsch (Wallfahrt nach Mekka)
Andere religiöse Rituale und Bräuche
Wendepunkte im Leben
Alltagsbräuche
Rituale der Frauen
Muslimische Ethik
Anwendung der Ethik auf praktische Fragen
Ethische Vorschriften für Ehe und Familie
Medizinische Ethik
Politische Fragen
Strömungen im Islam
Schiiten
Interaktion: Schiiten, Sunniten und Sufis
Sufis
Weniger bekannte islamische Strömungen
Ibaditen, Zayiditen, Ismailiten, Qarmatiner, Nizaris
An den Grenzen des Islam und darüber hinaus
Drusen, Aleviten
Die Suche nach gemeinsamen Wurzeln: abrahamische und andere Religionen
Gemeinsame Positionen suchen
Die Herausforderung der Moderne
Zehn bemerkenswerte Muslime aus Vergangenheit und Gegenwart
Der muslimische Kalender
Glossar
Meine Meinung (sie „Koran für Dummies“) …. Beide Bücher gehören zusammen und ergänzen sich bestens.

 

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Politscher Islam

 steinberg Der nahe und der ferne Feind
von Guido SteinbergBeck
Erscheinungsdatum: November 2005
Auflage: 1
ISBN: 3406535151
Kurzinformation Beck-Verlag:Islamistischer Terrorismus – der exportierte Bürgerkrieg

Guido Steinberg entwickelt eine neue Perspektive auf den islamistischen Terrorismus: regionale, bürgerkriegsähnliche Konflikte werden exportiert und in einen Kampf gegen die USA und den Westen überführt. Die Ideologie der militanten Islamisten und ihre Aktivitäten in ihren Herkunftsländern wie vor allem Saudi-Arabien, Jemen, Ägypten und Algerien stehen hier im Mittelpunkt. Darüber hinaus ist es das erste Buch, in dem die terroristische Karriere des Jordaniers Abu Musab az-Zarqawi – mittlerweile neben Usama Bin Laden der weltweit meistgesuchte Terrorist – beschrieben wird.

Guido Steinberg, Islamwissenschaftler und Terrorismusexperte im Bundeskanzleramt, liefert hier einen umfassenden Überblick über die Netzwerke islamistischer Terroristen und formuliert eine provokante These: Die Terroristen führen aus ihren Heimatländern exportierte Bürgerkriege auf globaler Ebene weiter. Denn Usama Bin Laden möchte weiterhin die Herrscherfamilie in seinem Heimatland Saudi-Arabien stürzen, Abu Musab az-Zarqawi will Jordanien und Palästina „befreien“. Darüber hinaus führen sie zwar auch einen „Heiligen Krieg“ gegen die USA und den Westen, doch sind ihre diesbezüglichen Vorstellungen weitaus weniger konkret als ihr Hass gegen die Herrscher in Riad und Amman. Zögen sich die USA aus der Region zurück, so glauben sie, und stellte Washington seine Unterstützung für die „korrupten Regime“ der Region ein, wäre der Weg frei, die Macht in der arabischen Welt zu übernehmen.
Der Autor schlägt einen Bogen von der Entstehung der Organisation al-Qaida über die Entwicklung militanter Gruppen in den Herkunftsländern ihrer Rekruten (Saudi-Arabien, Ägypten, Jemen usw.) bis zum Terrornetzwerk des Abu Musab az-Zarqawi, der sich im Konflikt mit den Amerikanern im Irak anschickt, Usama Bin Laden als gefährlichsten Terroristen der Welt abzulösen.

Der Autor
Guido Steinberg, geb. 1968, arbeitet seit Januar 2002 als Referent im Bundeskanzleramt und als Lehrbeauftragter am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der FU Berlin. Zahlreiche Publikationen zu Saudi-Arabien, Islamismus und Terrorismus. Von ihm liegt bei C.H.Beck vor: Saudi-Arabien. Politik – Geschichte – Religion (2004).

Meine Meinung: Eine perle unter den unendlich (und mich langsam ermüdenden Darstellungen des Terrorismus). All diese selbsternannten Experten zu diesem Thema beten in fast allen Fällen immer wieder Gebetsmühlenartig die offensichtlichen Tatsachen runter. Dies Buch ist sehr zu empfehlen !!!

 

 trovimov_anschlag Anschlag auf Mekka: 20. November 1979 –
Die Geburtsstunde des islamistischen Terrors von Yaroslav Trofimov (Autor), Helmut Dierlamm (Übersetzer) Blessing (6. Oktober 2008) ISBN-10: 3896673351 SBN-13: 978-3896673350
Kurzbeschreibung Amazon
Der Tag, an dem das Undenkbare geschah – und seine weltweiten FolgenAm Morgen des 20. November 1979 besetzen bewaffnete Rebellen die Große Moschee in Mekka. Sie fordern die sofortige Abkehr Saudi-Arabiens vom Westen und einen radikalen Umbruch in der gesamten muslimischen Welt. Der erste islamistische Terrorakt der Moderne beginnt. Er sollte Schule machen. Erstmals wird in dieser spannenden und umfassenden Reportage ein Ereignis untersucht, das zur Geburtsstunde von al-Qaida und des globalen Dschihad wurde.Es war die größte anzunehmende Katastrophe. Eine fanatische, internationale Gruppe um den charismatischen Anführer Dschuhaiman stürmte die bedeutendste aller heiligen Stätten, die Große Moschee, nahm Tausende Pilger als Geiseln und stellte die Saud-Dynastie als Herrscher und als Hüter des Heiligtums infrage. Erst eine Fatwa der obersten Gelehrten des islamischen Rechts erlaubte es dem Königshaus, mit Waffengewalt gegen die Rebellen vorzugehen. Zwei verlustreiche Wochen später hatten Soldaten das Gelände zurückerobert. Dschuhaiman und seine Gefolgsleute wurden kurz darauf öffentlich enthauptet. Um ihr Gesicht zu wahren, setzte die saudische Regierung nun die konservative, dogmatische Auslegung der heiligen Schriften durch – just jene, die Dschuhaiman gefordert hatte – und förderte den grenzüberschreitenden Kampf gegen Ungläubige allerorts, so auch gegen die sowjetischen Truppen, die im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschierten. Einer der ersten unter den Radikalen, die Dschuhaiman bewunderten und Saudi-Arabien in Richtung Hindukusch verließen, war ein 22-jähriger Eiferer namens Osama bin Laden.· Ein ausgewiesener Nahostexperte analysiert, wie der Gotteskrieg zum globalen Phänomen wurde· Auswertung bislang geheimer CIA-Akten und Aussagen noch heute verfolgter BeteiligterMeine Meinung: Kann man gelesen haben, muss man aber nicht. Greift die Besetzung der großen Moschee 1979 heraus.

 

 abuzaid Nasr H. Abu Zaid, Navid Kermani
Herder, Freiburg
Ein Leben mit dem Islam
Erscheinungsdatum: September 2001
ISBN: 3451052091
Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2000

Der ägyptische Koranwissenschaftler Abu Zaid entspricht laut Volker S. Stahr in keinster Weise unserer Vorstellung eines Oppositionellen in der islamischen Welt. Auch wenn Zaid in seiner Heimat wegen seiner fortschrittlichen Koranauslegung mit den Islamisten aneinander geraten ist und schließlich zur Zwangsscheidung und ins Exil gedrängt wurde, beschreibt er sich als ein ganz dem islamischen Denken verhafteter Mann, der von seiner Kindheit im Umkreis der Moschee, von seinem Studium im Ausland und seiner Arbeit an der Kairoer theologischen Fakultät berichtet. Zaids Kritik an der Koraninterpretation der Islamisten beharrt gerade auf dem ursprünglichen Geist des Korans, den Zaid auf seinen historischen Kontext zurückführt. So zeigt das Buch, schreibt Stahr, „wie wenig Abu Zaid in die gängigen Schablonen west-östlichen Gegensatzes unserer Tage passt“.Ein Plädoyer für einen aufgeklärten und weltoffenen Islam.

Näheres zu diesem Autor: http://www.wshoffmann.de/artikel/abuzaid.html

 

 

 lange Claudio Lange
Der nackte FeindGebundene Ausgabe
Parthas
Erscheinungsdatum: März 2004
ISBN: 3936324131
Berliner Zeitung vom 1. März 2004:Man muss dieses Buch lesen. 1. weil man dann begreift, in welcher zutiefst christlichen Tradition Stalin stand, als er die sozialistische Kunst als eine der Glaubenspropaganda installierte, 2.) weil es das einzige zum Thema ist. Claudio Lange öffnet uns die Augen für den besessenen Hass, mit dem das Christentum der Reconquista nicht nur in Spanien den Islam bekämpfte. Bei der Betrachtung seiner Fotos vom Figurenschmuck auch italienischer, französischer und deutscher Kirchen wird einem klar, dass wenn wir heute die Verbindung von Obszönität und Judenhass „Stürmerstil“ nennen, wir uns einer beschönigeden Verkürzung einer wesentlich älteren Tradition schuldig machen. Wenn in Fensterkapitellen des 12. Jahrhunderts ein nackter beschnittener Mann sein Glied einer ein Kopftuch tragenden Frau entgegenstreckt, die wiederum ihm ihre nackte Scham hinhält, dann hat das wenig mit dem zu tun, was man heute in unseren Kirchen als Christentum erklärt. Dafür führt es uns umso drastischer vor Augen, was über Jahrhunderte immer wieder – extrem folgenreich – gepredigt wurde: „Andersgläubige sind Schweine und Huren, die zu vernichten ein gottgefälliges Werk ist“.

Link: http://www.islam-in-kathedralen.de.vu/

 

 gkeppel Die neuen Kreuzzüge
Gilles KepelPiper
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
ISBN: 3492046436

Rezensionen – Süddeutsche Zeitung vom 06.12.2004

Wirklich neu findet Alexandra Senfft die Thesen Gilles Kepels zur Entstehung des islamischen Terrorismus zwar nicht, aber trotzdem feiert sie den französischen Politik-Professor als einen Meister der verdichtenden und übersichtlichen Darstellung komplexer Zusammenhänge. Aus dem Wirrwar an Ursachen, die dazu führten, dass der militante Islamismus mittlerweile zu einem „integralen Bestandteil des Westens“ geworden ist, isoliert Kepel folgende Protagonisten: „Amerikanische Neokonservative, israelische Besatzungspolitiker, reaktionäre arabische Herrscher und international agierende, militante Islamisten.“ Alle sind in einem „unheilvollen Zusammenspiel“ miteinander verbunden, wovon aber gerade die Amerikaner nichts wissen möchten: Statt die unangenehme Tatsache zu akzeptieren, dass man sich Terrorzellen wie al-Qaida im Kalten Krieg selbst heranzüchtete, macht man durch den Krieg gegen sein eigenes Geschöpf die Sache nur noch schlimmer: Die Terrorgruppen radikalisieren sich immer weiter und verlieren völlig den letztlich mäßigenden Kontakt zum Islam als Religion. Es drohen Radikalisierung und Chaos, wie Kepel in Anlehnung an seine bekannte These vom „Niedergang des Islamismus“ prophezeit. Die Lösung sieht der Autor in der Modernisierung des Islam, zum Beispiel durch Integration moderner Muslime in die westlichen Demokratien. Ein richtiger Gedanke, doch wann der Terror für den Westen tatsächlich ein Ende hat, scheint noch nicht absehbar, wie Senfft abschließend befindet.

 

 krieggegenwesten Mostafa Danesch
Der Krieg gegen den WestenHoffmann & Campe
Erscheinungsdatum: September 2004
ISBN: 3455094481
Rezensionen
Aus der Amazon.de-Redaktion
Derzeit besteht sicher kein Mangel an Büchern, in denen uns berufene, wie weniger berufene Autoren die Ursachen zwischen Islam und „dem“ Westen erklären. Doch unter denen Berufenen, die für uns die historischen Wurzeln des Konflikts freilegen, auf dass wir endlich die gesellschaftlichen, ideologischen und machtpolitischen Dilemmata verstehen, die das prekäre Verhältnis zwischen den islamisch und den christlich geprägten Kulturen prägen, haben nur wenige die Autorität des iranischstämmigen Politikwissenschaftlers und Journalisten Mostafa Danesch. Der hat schon lange vor dem Fanal des 11. September 2001 ebenso unermüdlich wie vergeblich versucht, uns unsere fahrlässigen Fehleinschätzungen der arabischen Welt vor Augen zu führen, die mit dazu beigetragen haben, dass wir heute so hilflos agieren.
In Der Krieg gegen den Westen bilanziert der Autor, der nebenbei bemerkt stilistisch eine ausgezeichnete Feder führt, die Ursachen und Erscheinungsformen der weltweiten Offensive des politischen Islam. Er zeigt, weshalb der Verlust der moralischen Integrität der USA nicht nur für die USA selbst ein sehr ernstes Problem ist und wer die heimlichen Sieger des jüngsten Irakkrieges sind. Und sehr ausführlich widmet er sich dem Thema Afghanistan, das in der weltöffentlichen Wahrnehmung schon wieder — zu Unrecht! — in den Hintergrund getreten ist.
Besonderes Augenmerk legt Danesch bei all dem auf die Rolle Europas, das der gegenwärtigen US-Politik seine historischen Erfahrungen und die Werte der europäischen Aufklärung entgegenzuhalten habe. „Immerhin hat das ‚alte Europa‘, das in der Diskussion um den Irakkrieg so diskreditiert wurde, es geschafft, seit Jahrzehnten Frieden zu halten, Erbfeinde wie Frankreich und Deutschland zu versöhnen und die EU zu gründen, die nach und nach die Grenzen zwischen den Nationalstaaten auflöst. Das Potenzial und die Erfahrung, Krisen ohne Einsatz militärischer Mittel beizulegen, besitzen die europäischen Mächte. (…) Sich aus dem Schatten der USA zu lösen und eine eigenständige Rolle in der Weltpolitik zu spielen“ sei deshalb „das Gebot der Stunde“. — Andreas ViereckeKurzbeschreibung
Im Westen herrscht Krieg – Beschreibung einer Eskalation. „Hunderte neuer Bin Ladens werde der Waffengang der USA hervorbringen, prophezeite der ägyptische Präsident Mubarak. Die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten sind ein globales Problem. Im Irak kostet der „Frieden nach Saddams Sturz mehr Menschen das Leben als der Krieg. Die Afghanen müssen feststellen, dass wieder die alten Kriegsfürsten herrschen, die das satte Drogengeschäft untereinander aufteilen. Auch der Opposition im Iran hat der „Kampf gegen den Terror geschadet. Die religiösen Diktatoren fühlen sich dort wieder sicher und können unbehelligt eine Wahl manipulieren. Die Folge der von Planlosigkeit und Ignoranz geprägten Außenpolitik der USA und Englands in diesen Regionen: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Täglich zeigen uns die Medien neue Schreckensbilder von blutigen Auseinandersetzungen. Der gesamte Islam fühlt sich mittlerweile über alle Landesgrenzen hinweg angegriffen und sieht sich bestätigt in seiner wachsenden Aggression gegenüber dem neuen großen Feind: dem „Westen. Wie ist es dazu gekommen, und wie wird es weitergehen? Gibt es einen Ausweg aus der Zwickmühle, in die die USA sich und ihre Verbündeten gebracht haben? Die profunde Analyse von Mostafa Danesch, „einem der besten Kenner (Die Zeit), schafft Überblick in dem turbulenten Geschehen der vergangenen drei Jahre und bietet tiefe Einblicke in die Hintergründe und Zusammenhänge terroristischer Bedrohung, die längst auch über Europa lastet.Über den Autor
Mostafa Danesch, Doktor der Politologie, 1944 in Semnan (Iran) geboren, lebt seit 1965 in Deutschland, wo er als Journalist, Gerichtsgutachter und Filmemacher arbeitet. Seine Artikel und Interviews mit hochrangigen Politikern im Nahen und Mittleren Osten erscheinen unter anderem in Spiegel, stern und FAZ.

 

 ibnwarraq Ibn Warraq, Taslima Nasrin (Vorwort)
Warum ich kein Muslim binMatthes & Seitz Berlin
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
ISBN: 388221838X

 

 schwarz Gilles Kepel
Das Schwarzbuch des Dschihad. Aufstieg und Niedergang des Islammismus
Piper verlag München, 2002
ISBN 3492044328
Rezension von Amazon:Seit dem terroristischen Angriff auf die USA im Herbst 2001 fragt sich die Welt, was der Islamismus ist und welche Gefahr von ihm ausgeht. Gilles Kepel zieht zu diesem Thema einen Schluß: Die Expansion des militanten Islamismus hat ihren Höhepunkt überschritten, er ist im Niedergang begriffen. In diesem Sachbuch werden die Entwicklungen aller wichtigen radikal-islamistischen Organisationen weltweit dargestellt und tiefe Einbicke in die fremde Welt gewährt.

 

 kislam Rolf Stolz
Kommt der Islam ?Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 1997
ISBN 3-7766-1997-X
Meiner Meinung zu Einseitig … es werden wieder die einseitig die Gefahren des Fundamentalismus in Europa aufgezeigt. Die vielen Schattierungen, die eine Weltreligion wie der Islam hat gehen verloren. Wahr ist, dass wir uns stärker mit dieser Religion auseinandersetzen müsse, wenn wir eine globale Gesellschaft werden. Und zwar auch sehr kritisch und nicht romantisch schwärmerisch wie einige Romantiker ….

 

 allam Fouad Allam
Der Islam in einer globalen Welt
Wagenbach
Erscheinungsdatum: März 2004
ISBN: 3803124905
Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 29.05.2004
Eine „differenzierte Studie“ über Islamismus und westliche Totalitarismen erblickt Rezensent Robert Misik in Fouad Allams Essay „Der Islam in einer globalen Welt“. Wie er berichtet, zeigt Allam ohne zu simplifizieren, dass der aus der Re-Islamisierung der arabischen Welt hervorgegangene militante Islamismus selbst Produkt der Globalisierung ist. So beschreibe er einerseits, wie westliche antipositivistische Philosophien von islamischen Gelehrten, die meist im Westen studiert hatten, in den muslimischen Raum importiert wurden, widme sich anderseits ausführlich den ideologischen Gründervätern des Islamismus. Deutlich werde, so der Rezensent, dass der Islamismus ohne den Westen nicht vorstellbar sei, dieses Verhältnis aber kein einfaches, und der Islamismus auch nicht nur eine simple Spielart der westlichen Totalitarismen sei. Zu bemängeln hat Misik lediglich die bisweilen „holprigen Formulierungen“ und die zahlreichen Wiederholungen von Allams Grundthese. Nichtsdestoweniger würdigt er das Buch als einen „kulturtheoretischen Essay“, „der zum Besten der kaum mehr überschaubaren Literatur über dieses elektrisierende Phänomen unserer Zeit zählt.“
Sehr theoretisch und nicht als Einstiegslektüre geeignet …..

 

 chahdortt Was denkt Allah über Europa?
von Chahdortt DjavannUllstein Hc
Erscheinungsdatum: Februar 2005
ISBN: 3550078498
Was denkt Allah über Europa? Was denkt Allah über den Islamismus, über Terrorismus? Was denkt Allah über jene, die für ihn töten und sterben? Was denkt Allah über die Mullahs, die selbsternannten Anwälte Allahs? Was denkt Allah über die Selbstmordattentäter?Durch ihre wiederholte Einmischung in die französische Kopftuchdebatte, durch ihren mutigen Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam, aber vor allem durch ihre polemischen Essays über die Gefahren des Islamismus, wurde die iranische Autorin Chahdortt Djavann in Frankreich zu einer Bestsellerautorin. In ihrem mutigen Essay „Was denkt Allah über Europa?“ entlarvt sie die Unterwanderungsstrategien islamischer Fundamentalisten in Europa und weckt jenseits von Terror und Gewalt das Bewusstsein für jenen geheimen Dschihad, der sich demokratischer Strukturen bedient und den Schleier als wichtigste Waffe einsetzt, um im Europa des 21. Jahrhunderts an Macht und Einfluß zu gewinnen

So der Verlagstext. Meine Meinung nach ein engagiertes Buch, das den Islam nun nicht einfach unreflektiert hinnimmt, sondern sich kritisch mit der Rolle des Fundamentalismus auseinander setzt. Sie nimmt hier die Kopftuchdebatte in Frankreich zum Aufhänger der Diskussion. Sehr emotional.

 

 elsaesser Wie der Dschihad nach Europa kam
Jürgen Elsässer
Np Buchverlag
Erscheinungsdatum: März 2005
ISBN: 3853263763
Rezensionen Amazonm:Der Balkan als europäisches Aufmarschgebiet des islamischen Fundamentalismus. Mindestens drei der mutmaßlichen Attentäter des 11. September haben in den neunziger Jahren auf dem Balkan gekämpft. Eine Flugstunde von Wien und München entfernt trainierten sie den gnadenlosen Kampf gegen die „Ungläubigen“ – mit Unterstützung der NATO-Geheimdienste. – Osama bin Laden hat von der pro-westlichen Regierung in Sarajevo einen Pass bekommen. Hunderte seiner Getreuen wurden von US-Agenten in das Kosovo und nach Mazedonien geschleust, andere steuerten Wien und Hamburg an – und bereiteten dort das Inferno des 11. September vor. – Im bos-nischen Bürgerkrieg haben einige Tausend militante Moslems aus den arabischen Staaten und dem Iran gegen Serben und Kroaten gekämpft. Wie schon in Afghanistan schloss die US-Administration auch damals einen Pakt mit dem Teufel: Unter Bruch des UN-Waffenembargos versorgte sie die Gotteskrieger mit modernsten Waffen. Drei Beispiele von vielen.
Doch während in den Standardwerken zu Al Qaida die Aktivitäten der Terroristen auf allen Kontinenten ausführlich geschildert werden, blieb ausgerechnet das europäische Aufmarschgebiet der Dschihadisten so gut wie unbeachtet. Diese Lücke schließt Jürgen Elsässers neues Buch. Er deckt darin die Hintergründe jener unseligen Mesalliance zwischen dem Westen und dem Islam auf und informiert über Taktik und Ziele der Dschihadisten auf dem Balkan. Elsässer stützt sich neben inter-nationalen Quellen auf Gespräche mit Geheimdienstexperten und Mitgliedern der UN-Mission in Bosnien sowie auf zahlreiche Besuche vor Ort.Meine Meinung: Der Autor versucht zu informieren. Er packt unheimlich viel Fakten und Daten in das Buch – zu viel. Wer die Zeit hat sich durch die komplexen Verhältnisse des Balkans durchzubeißen findet einen Pool an Informationen, Mir was ehrlich gesagt zu viel.

 

 josef_croitoru Der Märtyrer als Waffe. Die historischen Wurzeln des Selbstmordattentats
von Joseph CroitoruDtv (Juli 2006)
ISBN: 3423343265

Amazon:

Zu den im wahrsten Sinne des Wortes abartigsten Erscheinungen der Gegenwart gehört sicherlich das Selbstmordattentat. Zumindest aus okzidentaler Sicht, denn psychologisch betrachtet hat der Terror damit seine höchste Vollendung gefunden. Entfaltet doch der Selbstmordanschlag seine Horrordynamik gerade dadurch, dass er all unseren Gewissheiten über die natürlichen, religiösen und sittlichen Gesetze zur Selbsterhaltung in so eklatanter Weise Hohn spricht. In dem äußerst empfehlenswerten Buch Der Märtyrer als Waffe spürt FAZ-Journalist Joseph Croitoru dem Phänomen erstmals genealogisch und unter psycho-sozialen Gesichtspunkten nach.Seine Spurensuche beginnt bei den Kamikaze-Fliegern in Japan, führt über den halben Erdball und endet bei den Tamilen auf Sri Lanka. Die meiste Aufmerksamkeit schenkt der aus Israel stammende Autor jedoch der arabisch-persischen Welt, wo das bewusst betriebene Martyrium — bis dato ja eher mit dem Erleiden von Qual und Tod assoziiert — inzwischen zum nationalintegrativen Kult entartet ist. Im nüchtern-analytischen Stil geht Croitoru den genaueren Umständen der spektakulärsten Selbstmordattentate in dieser Region nach, ab ihrer Geburtstunde am 30. Mai 1972, als ein in Nordkorea ausgebildetes Himmelfahrtskommando der „Japanischen Roten Armee“ auf dem Flughafen von Tel Aviv ein Blutbad anrichtete. Dieser unangeforderte todesmutige Aufopferungsakt aus Solidarität mit der palästinensischen Sache war für die beschämten Araber das Fanal für eigene Taten.Zur Eskalation trug bei, dass die Terrororganisationen ihre Führungsansprüche untereinander im Wettstreit um den raffiniertesten Selbstmordanschlag ausfochten. Croitoru zeigt, wie die ungeheure mediale Wirksamkeit ein Übriges tat, dass der Selbstmordangriff bald überall zum Mittel der Wahl wurde, wo Fanatiker die Weltöffentlichkeit zum Aufhorchen bringen wollten. Zumal wo es sich um Angehörige tribalistisch geprägter patriarchaler Gesellschaften mit ausgeprägten Ehrenkodizes handelt, denen Blutrache als legitimes Vergeltungsmittel gilt.Der Autor räumt zwar mit dem Vorurteil auf, dass das Selbstmordattentat eine Erfindung religiöser Extremisten ist. Er macht aber zugleich deutlich, dass es im Dschihad für die islamische Weltrevolution völlig neue Qualitäten, Dimensionen und vor allem Risiken zeitigt. Sollte es nämlich die Absicht der Terroristen des 11. September 2001 gewesen sein, die moralische Unterlegenheit des in den materiellen Freuden des Diesseits verhafteten Westens dadurch zu offenbaren, dass er sich in Todesangst zu panischen Kurzschlusshandlungen hinreißen lässt, so waren die Anschläge ein voller Erfolg. Die Mobilisierung einer gigantischen Militärmaschinerie hat tatsächlich alle Merkmale von neurotischem Übersprungverhalten. Und sie erinnert fatal an die Reaktion auf die Kamikaze im Zweiten Weltkrieg. Zutiefst verunsichert, schreckten die Amerikaner damals vor einer Invasion Japans zurück und zwangen den unberechenbaren Feind lieber aus sicherer Höhe mit Atombomben in die Knie. –Roland Detsch — Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .Kurzbeschreibung
Die kulturellen Hintergründe und die historische Entwicklung von den japanischen Kamikazefliegern bis zu den heutigen islamistischen Terroristen.Selbstmordattentate haben die ganze Welt erfasst und fordern – wie in jüngster Zeit in London, in der Türkei, im Irak oder in Ägypten – zahlreiche Todesopfer und Verletzte. Sie sind unberechenbar und können jeden treffen. Joseph Croitoru, ein Experte für die politische Szene im Nahen Osten, erklärt zum ersten Mal umfassend die historischen und kulturellen Hintergründe des Selbstmordattentats, beginnend mit den Kamikaze-Einsätzen der Japaner im Zweiten Weltkrieg.Das Ideal des bewaffneten Märtyrers fand in den siebziger Jahren eine seither ständig wachsende Zahl von Anhängern, vor allem im Nahen Osten, und ist heute zur mörderischsten Waffe der Terrorgruppen aller Couleur geworden. Märtyrerkult, Fanatismus, psychologisches Kalkül und die Beherrschung moderner Waffen- und Kommunikationstechnologie machen den Selbstmordattentäter zur unheimlichen Tötungsmaschine. Joseph Croitoru erklärt, wie Terrororganisationen Menschen fanatisieren und in lebende Bomben verwandeln. Meine Meinung: Sehr zu empfehlen !! Das Buch geht gut lesbar einem Phänomen nach, das nicht nur in unsere Zeit Bedeutung hat, sonder schon im 2. Weltkrieg bei den japanischen Kamikaze-Fliegern anzutreffen war. Schwerpunkt des Buches liegt auf der arabisch-persischen Ausprägung des Märtyrers, der schon Kultstatus erreicht hat.

 

 buruma Okzidentalismus
von Jan Buruma, Avishai Magalit, Andreas WirthensohnGebundene Ausgabe – Hanser
Erscheinungsdatum: Februar 2005
ISBN: 3446206140
Rezensionen Amazon:Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Titel Okzidentalismus ist eine Anspielung auf den „Orientalismus“, mit dem Edwa Said das westliche Zerrbild von der islamischen Welt bezeichnet hat. Mit ihm belegen der Literaturwissenschaftler Ian Buruma und der Politikwissenschaftler Avishai Margalit die anti-westliche Ideologie, die die Wahrnehmung des Westens in radikalisierten Teilen der islamischen Welt (aber nicht nur dort!) vernebelt.Die aggressive Feindseligkeit des Okzidentalismus gegen den Westen, so haben die Autoren ausgemacht, richtet sich vor allen Dingen gegen vier Erscheinungen der westlichen Moderne — erstens: die Metropole als Hort von Hochmut und Sünde, zweitens: das gottvergessen nach Wohlstand strebende Bürgertum mit der Freiheit als Götzen, drittens: die okzidental-säkulare Vernunft und viertens: die gesellschaftliche und sexuelle Emanzipation der Frau, die den rechtschaffenden aber im Fleische schwachen Mann vom Pfad der Tugend abzubringen droht. Für all dies Schändliche standen inmitten des modernen Sündenbabels New York „diese schrecklichen symbolischen Türme“, wie Buruma und Margalit Osama bin Laden zitieren, „die von Freiheit, Menschenrechten und Humanität“ kündeten und deshalb zerstört wurden. Mit der Zerstörung dieser Wahrzeichen glaubten die Dschihadisten und ihre Attentäter, sich und ihren Glaubensbrüdern beweisen zu können, dass ihre beseelte Gemeinschaft, die über dem Individuum steht und für die sein Leben hinzugeben dem Einzelnen Erlösung bedeutet, der seelenlosen, westlich-individualistischen Gesellschaft überlegen ist.Während Buruma und Margalit dem Leser all diese bekannten anti-westlichen Klischees noch einmal vor Augen führen, wächst in diesem die Einsicht, dass diese „okzidentalen“ Reflexe im Westen selbst — hier und da mit etwas anderen Akzenten im Vokabular — eigene ideologische Heimaten haben. Damit freilich tun sich völlig neue Fragen auf, denen nachzugehen zumindest nicht minder lohnenswert gewesen wäre. — Hasso GrebKurzbeschreibung
Buruma und Margalit definieren „Okzidentalismus“ als den blinden Hass gegen die Errungenschaften liberaler Gesellschaften, für dessen Motive manch westliche Intellektuelle bis heute Sympathie empfinden. Die Vorurteile gegen den Westen, der unter der Diktatur des Geldes steht und scheinbar jegliche verbindliche Moral seiner Diesseitigkeit geopfert hat, reichen bis nach Europa. Ian Buruma und Avishai Margalit finden hier ähnliche Denkweisen wie in der islamischen Welt, bei konservativen Kulturkritikern ebenso wie bei der radikalen Linken. Ein provokatives Buch, in bester aufklärerischer Tradition.Auszug aus Okzidentalismus von Jan Buruma, Avishai Magalit, Andreas Wirthensohn. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn
Im Juli 1942, gerade einmal sieben Monate nachdem die Japaner die amerikanische Flotte in Pearl Harbor angegriffen und den westlichen Mächten in Südostasien eine schwere Niederlage zugefügt hatten, versammelten sich in Kyoto eine Reihe angesehener japanischer Wissenschaftler und Intellektueller zu einer Konferenz. Unter ihnen waren Schriftsteller der sogenannten Romantischen Gruppe ebenso wie Philosophen der buddhistisch-hegelianischen Schule von Kyoto. Das Thema, über das sie diskutierten, lautete: »Wie läßt sich die Moderne überwinden?«1
Die nationalistische Begeisterung erlebte damals gerade einen Höhepunkt, und die Konferenzteilnehmer waren allesamt auf die eine oder andere Weise Nationalisten. Der Krieg selbst jedoch, der in China, auf Hawaii oder in Südostasien tobte, wurde seltsamerweise kaum erwähnt. Dabei ließ zumindest einer der Teilnehmer, Hayashi Fusao, der vom Marxisten zum glühenden Nationalisten geworden war, später wissen, der Angriff auf den Westen habe ihn mit Begeisterung erfüllt. Obwohl er sich damals, als er die Nachricht vernahm, in der bitterkalten Mandschurei aufhielt, habe er das Gefühl gehabt, düstere Wolken hätten sich verzogen und einem strahlenden Sommerhimmel Platz gemacht. Ohne Zweifel wurden viele seiner Kollegen von ähnlichen Empfindungen übermannt. Doch auf dieser Konferenz ging es nicht um Kriegspropaganda. Die dort versammelten Männer – die literarischen Romantiker ebenso wie die Philosophen – hatten sich schon lange vor dem Angriff auf Pearl Harbor mit der Frage beschäftigt, wie sich die Moderne überwinden ließe. Sofern ihre Schlußfolgerungen kohärent genug waren, um sie politisch nutzen zu können, dienten sie der Propaganda für eine neue asiatische Ordnung unter japanischer Führung; die Intellektuellen freilich hätten sich aufs schärfste dagegen verwahrt, wenn man sie als Propagandisten bezeichnet hätte. Sie waren Denker und keine Auftragsschreiberlinge.
»Die Moderne« jedenfalls ist ein schwer faßbarer Begriff. In Kyoto war damit 1942 der Westen gemeint, nicht anders als im Jahr 2001 in Kabul oder Karachi. Doch der Westen ist fast ebenso schwer zu definieren wie die Moderne. Japanische Intellektuelle hegten einen starken Widerwillen dagegen, konnten aber nicht genau sagen, was dieser Westen denn nun eigentlich war. Die Verwestlichung, so meinte einer, sei wie eine Krankheit, die den japanischen Geist befallen habe. Die »moderne Sache«, so ein anderer, sei eine »europäische Sache«. Viel war die Rede von einer ungesunden Wissensspezialisierung, welche die Ganzheit der spirituellen Kultur des Orients zerstört habe. Die Schuld daran gab man einmal der Wissenschaft, dann wieder dem Kapitalismus, dem Eindringen moderner Technologie in die japanische Gesellschaft oder den Vorstellungen von individuellen Freiheiten und Demokratie. All das galt es zu »überwinden«. Ein Filmkritiker namens Tsumura Hideo verteufelte die Produktionen aus Hollywood und pries statt dessen Leni Riefenstahls Dokumentarfilme über die Naziparteitage; sie stimmten offenbar mit seinen Vorstellungen davon, wie eine gesunde nationale Gemeinschaft auszusehen habe, eher überein. Seiner Ansicht nach war der Krieg gegen den Westen ein Krieg gegen die »ekelhafte materialistische Zivilisation«, die auf der Macht des jüdischen Finanzkapitals beruhe. Alle waren sich darüber einig, daß Kultur – gemeint war natürlich die traditionelle japanische Kultur – spirituell und tiefgründig sei, während die moderne westliche Zivilisation oberflächlich und wurzellos sei und die kreativen Fähigkeiten zerstöre. Der Westen – und hier vor allem die USA – galt als kaltes, mechanisches Gebilde. Ein ganzheitlicher, traditioneller Orient werde, vereint unter der göttlichen imperialen Herrschaft Japans, die wärmende organische Gemeinschaft spirituell wiederherstellen. Oder wie es einer der Konferenzteilnehmer formulierte: Man habe es mit einem Kampf zwischen japanischem Blut und westlichem Intellekt zu tun.
Für die Asiaten der damaligen Zeit – und in gewissem Maße noch heute – bedeutete der Westen auch Kolonialismus. Seit dem 19. Jahrhundert, als China im Zuge des Opiumkriegs gedemütigt worden war, waren sich gebildete Japaner bewußt, daß das eigene nationale Überleben davon abhing, daß man die Ideen und die Technologie, denen die westlichen Kolonialmächte ihre Überlegenheit zu verdanken hatten, gründlich studierte und nachahmte. Niemals zuvor hatte sich eine große Nation einer solch radikalen Transformation unterzogen wie Japan zwischen den 1850er und den 1910er Jahren. Die zentrale Parole der Meiji-Zeit (1868–1912) lautete Bunmei Kaika, Zivilisation und Aufklärung – gemeint waren die westliche Zivilisation und Aufklärung. Alles Westliche, von den Naturwissenschaften bis zum literarischen Realismus, wurde von japanischen Intellektuellen gierig aufgesogen. Europäische Kleidung, preußisches Verfassungsrecht, britische Seekriegsstrategien, deutsche Philosophie, amerikanisches Kino, französische Architektur – dies alles und noch viel mehr wurde übernommen und adaptiert.
Dieser grundlegende Wandel machte sich denn auch bezahlt. Japan blieb von der Kolonialisierung verschont und stieg rasch zu einer Großmacht auf, der es dann 1905 gelang, Rußland in einem durch und durch modernen Krieg zu besiegen. Tolstoj bezeichnete den japanischen Sieg denn auch als einen Triumph des westlichen Materialismus über die asiatische Seele Rußlands. Es gab allerdings auch Nachteile. Die industrielle Revolution erfolgte in Japan schon kurz nach der deutschen und hatte die gleichen Verwerfungen zur Folge. Die verarmte Landbevölkerung wanderte in großer Zahl in die Städte, wo die Situation oftmals grauenhaft war. Die Armee war eine brutale Zufluchtsstätte für junge Männer vom Land, und ihre Schwestern mußten mitunter an die Großstadtbordelle verkauft werden. Neben diesen ökonomischen Problemen gab es jedoch noch einen weiteren Grund, warum viele japanische Intellektuelle die großangelegte Verwestlichung Ende des 19. Jahrhunderts rückgängig zu machen suchten. Japan litt gleichsam an einer Art geistigen Verstimmung. Man hatte die westliche Zivilisation zu gierig verschlungen. Nicht zuletzt deshalb versammelte sich diese Intellektuellengruppe in Kyoto, um über Möglichkeiten zu diskutieren, wie man das Rad der Geschichte zurückdrehen, den Westen überwinden und zu einer idealisierten spirituellen Vergangenheit zurückkehren konnte.
Dies alles wäre nur noch von historischem Interesse, wenn solche Ideale ihre inspirierende Kraft verloren hätten. Doch der Haß auf alles, was man mit der westlichen Welt (für die exemplarisch die USA stehen) assoziiert, ist noch immer stark, auch wenn er nicht mehr in erster Linie in Japan zu finden ist. Er macht radikale Muslime empfänglich für eine politisierte islamische Ideologie, in der die USA als Inkarnation des Teufels fungieren. Er findet sich bei extremen Nationalisten in China und anderen Teilen der nichtwestlichen Welt. Und seine Ableger zeigen sich sogar im Westen selbst im Denken radikaler Antikapitalisten. Diesen Haß als politisch rechts oder links zu bezeichnen würde in die Irre führen. Die Sehnsucht nach einer Überwindung der Moderne war im Japan der 1930er Jahre unter marxistischen Intellektuellen gleichermaßen verbreitet wie in rechtsgerichteten chauvinistischen Kreisen. Dieselbe Tendenz läßt sich bis zum heutigen Tag beobachten.
Meine Meinung: Nicht einfach zu lesen, aber es lohnt sich den Ideen und Gedanken der Autoren gehör zu schenken.

 

 schleichert Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren oder Anleitung zum subversiven Denken
von Hubert SchleichertBroschiert – Beck
Erscheinungsdatum: August 2005
ISBN: 3406511244
Kurzbeschreibung Amazon:

Anhand zahlreicher Beispiele entlarvt der Philosoph Hubert Schleicher wienerisch charmant, witzig und bissig die rhetorischen und argumentativen Tricks von Politikern und Fundamentalisten jeder Couleur. Er zeigt, wie man die Schwachstellen ihrer Diskussionsweisen und Weltanschauungen nutzt und den Gegner aushebelt. Ein bestens verständlicher Grundkurs in Logik und Argumentation, ein wahres Lesevergnügen.
Über den Autor
Hubert Schleichert ist Professor für Philosophie an der Universität Konstanz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Logik, chinesische Philosophie und politische Philosophie.

Meine Meinung: Ich weiß nicht ….. ein wahres lesevergnügen ? … Irgendwie zu kopflastig. Ein zweite mal würde ich micht nicht mehr durchbeißen.

 

 rados Gucci gegen Allah
von Antonia RadosHeyne
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Auflage: 1
ISBN: 345312040X
Aus der Amazon.de-Redaktion
Machen wir uns nichts vor: Unsere raumgreifende westliche Konsumkultur ist mit ihren verlockenden Hochämtern für Luxus, Schönheit und eine ebenso freizügige wie ungestrafte Lustbefriedigung eine ernsthafte Bedrohung für andere, religiös fundierte Kulturen. Allen voran gilt dies für den Islam, zu dessen hervorstechendsten Wesensmerkmalen ein vergleichsweise besonders rigider Moralkodex gehört, der mit westlichen Gesellschaftsentwürfen scheinbar nur schwer in Einklang zu bringen ist. Dem Islam ist eine Trennung von Staat, Gesellschaft und Religion traditionell wesenfremd, ihm entgegenstehende Lebensweisen müssen deshalb als umso bedrohlicher empfunden werden.Dieser religiös-politischen und historisch-gesellschaftlichen Hintergründe muss man sich bewusst sein, wenn man die heftigen Abwehrreaktionen streng-gläubiger Muslime gegen die unabweisbar stattfindende kulturelle Kolonialisierung ihrer Gesellschaften verstehen will. In Gucci gegen Allah führt uns Antonia Rados an die Brennpunkte des Nahen Ostens, wo Muslime mit Muslimen um die Zukunft kämpfen. Und sie schildert einen Alltag, der einer fortwährenden Zerreißprobe gleicht…Nach Pakistan folgen wir der Autorin, nach Afghanistan und Israel, Jordanien, in den Irak und den Iran, den Libanon, nach Syrien, Saudi-Arabien und Tschetschenien. So unterschiedlich die gesellschaftliche und politische Situation sich in den einzelnen dieser Länder im Detail auch darstellt — eine verbindende Gemeinsamkeit, so lernen wir aus der Lektüre, prägt die gesamte Region: der sowohl innere wie äußere Konflikt zwischen streng-traditioneller Religiosität und den anbrandenden Verlockungen der auf Freiheit, Demokratie und Konsumismusmus basierenden Globalisierungskultur. „Kopftuch oder Designertasche?“ spitzt das das Buch den inneren Widerspruch der islamischen Gesellschaften zu, „Gucci oder Allah?“ Beides zusammen scheint nicht zu gehen. Aber wussten wir das alles nicht auch schon vorher? — Hasso GrebKurzbeschreibung
Kopftuch oder Designertasche?RTL-Fernsehreporterin und Bestsellerautorin Antonia Rados, die regelmäßig von den Krisenherden dieser Welt berichtet, rückt ein aktuelles Thema ins Blickfeld: den Brennpunkt Naher Osten und seine Entwicklung seit dem 11. September 2001, der dort eine Zeitenwende einläutete.Gucci gegen Allah – der Titel veranschaulicht bildlich, womit sich Antonia Rados thematisch auseinander setzt: Wie erleben Iraner, Iraker, Jordanier, Afghanen, Tschetschenen und andere Bewohner der Nahost-Krisengebiete die westlichen Einflüsse, die seit dem 11. September durch fremde Besatzungsmächte, UNO-Vorherrschaft und einseitige Globalisierungsprozesse unweigerlich ihren Weg zu ihnen finden? Sind demokratische Grundprinzipien und Freiheiten hier wirklich lebbar? Wie vereinbaren sich gewachsene kulturelle Traditionen, religiöse Gesetze des Islam und gesellschaftliche Regeln mit westlichen Wertvorstellungen, Konsumversprechen und nicht zuletzt dem Wunsch, sich inmitten all dessen zurechtzufinden? Sei es der kleine Junge, der vom ehemaligen Schuhputzer zum heimlichen Handykarten-Verkäufer aufsteigt, sei es die Frau, deren jüngerer Bruder ihr befiehlt, ein Kopftuch zu tragen, oder die Tatsache, dass in Syrien immer noch jedes Mobiltelefon aus Gründen der nationalen Sicherheit verboten ist – die Beispiele sind vielfältig. Letztendlich stellt sich die Frage: Steuern die islamischen Länder im Zeitalter der Globalisierung auf eine Art „Modernität mit Unterschieden“ zu? Westliche Waren ja, westliches Denken nein? Mit einem sicheren Gespür für die richtige Mischung aus Politischem und Persönlichem zeichnet Antonia Rados ein authentisches Bild der Menschen in ihrem Alltag und ein faszinierendes Porträt des „neuen“ Nahen Ostens.Über den Autor
Antonia Rados, geboren in Klagenfurt, studierte in Paris und Salzburg. Sie ist promovierte Politologin und arbeitet seit 1978 als Kriegsberichterstatterin, seit 1993 als RTL-Korrespondentin und Studioleiterin in Paris. Sie berichtete bereits aus vielen Krisenregionen, etwa aus Südafrika, Somalia, Iran und Afghanistan. Für ihre Berichterstattung aus Bagdad, bei der sie trotz der extremen Bedingungen ihre journalistische Unabhängigkeit unter Beweis stellte, wurde Antonia Rados 2003 mit dem Hanns-Joachim-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erschien bei Heyne ihr erfolgreiches Buch „Live aus Bagdad. Das Tagebuch einer Kriegsreporterin“. Antonia Rados lebt in Paris.Meine Meinung: Geschrieben aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz der Autorin. Was bei allen diesen Erfahrungsberichten irgendwie fehlt ist das Übergreifende Element, das einen gesamt Bezug herstellt. Aber durch aus lesenswert.

 

 grundmann Islamische Internationalisten
von Johannes Grundmann
Reichert
Erscheinungsdatum: 2005
ISBN: 3895004472
Kurzbeschreibung der Verlages:

Seit dem 11. September 2001 stehen die internationalen Aktivitäten der Muslimbruderschaft und der Islamischen Weltliga in der Kritik. Beide Organisationen haben in jahrzehntelanger Arbeit Strukturen aufgebaut, die nicht nur in alle Regionen der islamischen Welt, sondern auch nach Europa und Amerika hineinreichen. Die so entstandenen Netzwerke sehen sich derzeit dem Vorwurf ausgesetzt, weltweit (radikal-)islamistische Elemente finanziell zu unterstützen sowie humanitäre Hilfe und Bildungsprojekte bewusst zu propagandistischen Zwecken zu nutzen und mit politischen Aktivitäten zu verbinden. Gleichzeitig ist klar erkennbar, dass in Ländern, in denen Muslime eine Minderheit darstellen, systematisch die Verbreitung von Gedankengut betrieben wird, das die Integration dieser Minderheiten deutlich erschwert.
Doch worauf basieren die Strategien der Muslimbruderschaft und der Islamischen Weltliga? Welche mittel- und langfristigen Ziele sollen auf internationaler Ebene erreicht werden und welchen Einfluss hat die weltpolitische Lage nach dem 11.09.01 auf ihre gegenwärtigen und zukünftigen Aktivitäten?
Um differenzierte Antworten auf diese Fragen zu finden, wird zunächst die sog. internationale Organisation der Muslimbruderschaft beleuchtet, ohne allerdings die zwischen den verschiedenen nationalen Verbänden vorhandenen Kontakte und die internationalen Verbindungen zwischen der Muslimbruderschaft und anderen islamistischen Organisationen auszusparen. Von zentraler Bedeutung ist ebenfalls die Analyse interner Konflikte der Muslimbrüder sowie ihre Selbstsicht im Vergleich zur vielfältigen innerislamischen Kritik, der sie zum Teil schon seit Jahrzehnten ausgesetzt sind.
Im Rahmen der Darstellung der internationalen Aktivitäten der Islamischen Weltliga steht neben der humanitären Arbeit mehrerer Unterorganisationen die Funktion und Wirkung ihrer über die ganzen Welt verteilten Moschee- und Kulturzentren im Mittelpunkt. Doch auch die Rolle Saudi-Arabiens wird im Zusammenhang mit Finanzierung und Zielsetzung der Islamischen Weltliga umfassend berücksichtigt.
Darüber hinaus enthält dieser Band der HECEAS-Reihe biographische Informationen zu gegenwärtig führenden Mitgliedern der Muslimbruderschaft und anderen zentralen Persönlichkeiten des islamistischen Spektrums sowie ergänzende Darstellungen zu weiteren international aktiven islamischen und islamistischen Organisationen.
Im Mittelpunkt des Buches steht also weniger die Einbettung des Phänomens weltweiter islamistischer Aktivitäten in den entsprechenden historischen Kontext. Vielmehr geht es um eine möglichst unverzerrte Darstellung von zwei zentralen, international aktiven islamischen Organisationen, die auf empirisch gewonnen Fakten beruht. Gleichzeitig werden die komplexen Zusammenhänge, die internationale islamistische Aktivitäten auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene charakterisieren, unter Berücksichtigung ihrer zahlreichen Querverbindungen umfassend analysiert.
Mit Blick auf die notwendige Entwicklung adäquater politischer Konzepte des Umgangs mit den großen islamistischen Organisationen ist das Buch als Anregung zu weiteren systematischen Überlegungen zu verstehen.

Meine Meinung: Ein durchaus lesenswertes Buch, das die Muslimbruderschaft und die Islamische Weltliga, die Hauptnetzwerke des (politischen) Islams näher beleuchteten und deren Abhängigkeiten und Verbindungen aufzeigt.

 

 der_isalm_in_der_politik Der Islam in der Politik
Uwe AndersenWochenschau-Verlag; Auflage: 1 (November 2006)
ISBN: 3899740769
Meine Meinung: Der vorliegende Sammelband unter der Federführung des Bochumer Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Uwe Andersen vereint eine Einführung und vier Beiträge etablierter Fachautoren, die versuchen, bisher weitgehend wenig behandelte Facetten des Phänomens Islam in der Politik differenziert und ausgewogen darzustellen. Trotz des geringen Buchumfanges ist hier ein Einführung in das Thema Islam und Politik gelungen.

 

 hamas Hamas. Der islamische Kampf um Palästina
Joseph CroitoruVerlag: Beck
ISBN-10: 340655735X
ISBN-13: 978-3406557354
Amazo:
Kurzbeschreibung

Der radikale Islam kämpft an verschiedenen Fronten um Palästina: von außen durch die Hisbollah und innerhalb des Landes durch die Hamas, die 2006 überraschend an die Regierung gekommen ist. Joseph Croitoru beschreibt höchst anschaulich die Geschichte der Hamas und ihren Dschihad gegen Israel, dem nicht nur zahlreiche Selbstmordattentate dienen, sondern auch ein weitgespanntes Wohltätigkeitsnetz. Dabei geht es nicht zuletzt um die beunruhigende Frage, was es für den Westen bedeutet, wenn sich Islamisten mit der Demokratie anfreunden. Entstanden ursprünglich als Zweig der ägyptischen Muslimbrüder in Palästina, hat sich die Hamas als religiöse Alternative zur säkularen PLO behauptet. In Opposition und Regierung gibt sich die Hamas neben dem Terrorismus zwar auch pragmatisch. Ihr Endziel aber bleibt die Rückeroberung des gesamten Gebiets des historischen Palästina und die Gründung eines islamischen palästinensischen Staates. Ihr Sozial- und Erziehungsnetz dient dabei nicht nur wohltätigen Zwecken, sondern auch der ideologischen Vorbereitung des Dschihad gegen Israel. Israel sieht in der Hamas nur die Terrororganisation und schlägt mit aller Härte zurück – mit begrenztem Erfolg. Joseph Croitoru legt auf beeindruckende Weise anhand vieler im Westen bisher nicht bekannter Quellen die Ziele und die Funktionsweise der Hamas offen. Sein meisterhaft geschriebenes Buch ist ein „Muß“ für alle, die verstehen wollen, wie die Islamisten, demokratisch legitimiert, die politischen Koordinaten im Nahen Osten grundlegend verändern.Über den Autor
Joseph Croitoru, geb. 1960 in Haifa, ist promovierter Historiker und Journalist. Er lebt seit 1988 in Deutschland und ist fester Autor des Feuilletons der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zuletzt erschien von ihm die vielbeachtete Studie Der Märtyrer als Waffe. Die historischen Wurzeln des Selbstmordattentats (2003, 2006 als Taschenbuch).Meine Meinung: Gute und lesbare Darstellung über ein Thematik, die immer mehr in den Brennpunkt der Interesse gerutscht ist und relativ undurchsichtig ist. Strukturen und Geschichte der Hamas werden durchsichtig und Hintergründe verständlich.

 

 heiliger-krieg-in-europa Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht
Udo UlfkotteVerlag: Eichborn
ISBN-10: 3821855770
ISBN-13: 978-3821855776
Meine Meinung: siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Ulfkotte. Ich kann mich dieser Darstellung von Wikipedia nur anschließen. Übertrieben.

 

 

 imperialismus-im-namen-allahs Imperialismus im Namen Allahs. Von Muhammad bis Osama Bin Laden
Efraim Karsh (Autor), Andreas Wirthensohn (Übersetzer)
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007

ISBN-10: 3-421-04237-3
ISBN-13: 9783421042378
Eone sehr gute Besprechunge unter:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesbuch/617223/

 

 

 y_der-falsche-krieg Der falsche Krieg. Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens
Olivier Roy (Autor), Ursel Schäfer (Übersetzer)Verlag: Siedler (Februar 2008)ISBN-10: 388680884X
ISBN-13: 978-3886808847
Verlagstext:

In der Zerrissenheit des Islamismus liegt seine größte Gefahr

Al Qaida und die Taliban, Hisbollah und Hamas, Syrien und Iran – sie alle bedrohen den Westen. Es wäre allerdings ein gefährlicher Irrtum, diese Kräfte für einen geschlossenen, starken Feind zu halten. Denn durch die islamische Welt geht vielmehr ein tiefer Riss. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung, sagt Olivier Roy: Er macht deutlich, dass die eigentliche Gefahr von den Spannungen innerhalb der islamistischen Gruppen ausgeht und zeigt, welche Politik wir ihr entgegensetzen müssen.

Der islamistische Terrorismus stellt eine weltweite Bedrohung dar. Doch der vom Westen propagierte »Krieg gegen den Terror« ist nicht zu gewinnen. Weder ist der Islam ein einheitliches Gebilde, noch sind geopolitische Militäraktionen eine angemessene Reaktion auf deterritorial agierende Selbstmordattentäter. Um zu bestimmen, wie der Westen künftig mit dieser Gefahr umgehen soll, müssen wir erst einmal danach fragen, wie die regionalen und globalen Kräfteverhältnisse wirklich sind, wer denn eigentlich der Feind ist und wie man ihm wirksam begegnen kann.

In seinem neuen Buch deckt der renommierte Islam- und Terrorismusexperte Olivier Roy die politischen Irrtümer des Westens auf, erklärt klar und anschaulich die innerislamischen Verhältnisse und Spannungen und liefert verblüffende Erkenntnisse über die Organisations- und Funktionsweise der Al Qaida.

Meine Meinung: Sehr gute übersichtliche und übergreifende Darstellung des Islamismus über alle Gruppierungen und die Interaktionen zwischen diesen und dem Westen. Die Rolle der USA in diesem Konflikt, wird moderat betrachtet, da es schon politisch fast unkorrekt ist, über die Bush-Regierung nicht zu lamentieren. Die Entwicklung ist aus der Tradition der Neokonservativen zu verstehen, die die westlichen Werte als universelle Größen definiert haben. Roy zeigt auf, dass die so genannten Tatsachen in dieser Region überdacht werden müssen, – gut am Beispiel zu sehen, das der Irak NICHT wegen der Erdölinteressen besetzt wurde. Durchaus lesenswert.

 

 

 y_dschihad_asien Der Dschihad in Asien Berndt G. Thamm Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG (1. Januar 2008) ISBN-10: 3423246529 ISBN-13: 978-3423246521

 

 avi_primor Mit dem Islam gegen den Terror Avi Primor Droste; Auflage: 1 (6. Oktober 2008) ISBN-10: 3770012267 ISBN-13: 978-3770012268
Kurzbeschreibung aus Amazon:
Nahost-Analyse aus erster HandDas Ergebnis der Wahlen in Palästina hat für Unruhe gesorgt, nicht nur in Israel, sondern auch bei den europäischen und amerikanischen Verbündeten. Den neuen israelischen Ministerpräsidenten erwartet eine schwierige Aufgabe. Denn auch die Drohungen aus dem Iran sind nicht zu überhören, eine weitere Annäherung von Iran und Hamas ist zu befürchten. Weiterhin instabil ist auch die Lage im Irak. Der Nahe und Mittlere Osten bleibt ein Krisenherd. Sind nun weitere islamistische Terroranschläge wie in Madrid und London zu befürchten? Avi Primor, langjähriger Experte für Nahost-Fragen, analysiert die aktuelle Situation und die Rolle Europas sowie der USA. Er zeigt auf, wie eine friedliche Fortentwicklung in der Krisenregion Naher Osten aussehen könnte.Über den Autor
Avi Primor, geboren 1935 in Tel Aviv, studierte Politikwissenschaft. 1961 Eintritt in den diplomatischen Dienst. Von 1993 bis 1999 Botschafter des Staates Israel in Deutschland. Heute Gründer und Leiter des Zentrums für Europastudien an der IDC-Universität Herzliyya.Meine Meinung
Etwas oberflächlich und die Perspektive der Betrachtung hat etwas Schieflage. Zu diesem Thema gibst es meiner Meinung nach bessere und lesenswertere Bücher.

 

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Islam im Westen / Deutschland

 verenkotte Das Ende der friedlichen Gesellschaft
von Clemens VerenkotteDroemer/Knaur
Erscheinungsdatum: September 2005
ISBN: 3426273640
Kurzbeschreibung Amazon:
Kriege zu führen ist offenkundig wieder erlaubt – doch wir verschließen fest die Augen. Das wird uns teuer zu stehen kommen.
Irak-Krieg? Ohne uns. Islamistische Terroranschläge? Zum Glück woanders. Demnächst Iran? Auf keinen Fall! – Wie lange wollen wir noch so tun, als könnten wir uns aus dem globalen Krieg zwischen dem islamistischen Terror und der amerikanischen Weltmacht heraushalten?Clemens Verenkotte, exzellenter Kenner der USA und des Nahen Ostens, analysiert Amerikas Machtpolitik, Europas Schwächen und deutsche Alleingänge. Er macht klar: Wir sind im Zugzwang. Es ist höchste Zeit, die Vogel-Strauß-Politik zu beenden und endlich klar Position zu beziehen, wenn wir nicht zwischen den Fronten zerrieben werden wollen.Clemens Verenkotte, geboren 1960, ist leitender politischer Redakteur des Bayerischen Rundfunks und war zuvor lange Jahre BR-Hörfunkkorrespondent in Washington. Im Jahr 2001 erhielt er den 1. Radio-Preis der Rias Berlin Kommission für sein zum Jahreswechsel 1999/2000 gesendetes Feature „Das amerikanische Jahrtausend“. Seine Reportagen aus den USA sind in allen ARD-Rundfunkanstalten gesendet worden, sein Name ist bundesweit bekannt
Siehe auch:
http://www.kultur-fibel-magazin.de/Kultur%20Fibel%20Buch,%20Verenkotte,%20Ende,friedlichen,Gesellschaft.htmMeine Meinung: Gut geschriebenes Buch, das versucht den deutschen Aspekt kritisch zu betrachten; lesenwert; wenn ich auch nicht in allen Punkten mit dem Autor übereinstimme.

 

 heiliger-krieg-in-europa Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht
Udo UlfkotteVerlag: Eichborn
ISBN-10: 3821855770
ISBN-13: 978-3821855776
Meine Meinung: siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Ulfkotte. Ich kann mich dieser Darstellung von Wikipedia nur anschließen. Übertrieben.

 

 

 nlueders Allahs langer Schatten. Warum wir keine Angst vor dem Islam haben müssen ) Michael LüdersVerlag: Herder, Freiburg; Auflage: 1 (2007)
ISBN-10: 3451296640
ISBN-13: 978-3451296642
Aus der Amazon.de-Redaktion
Im Jahr 2006 kam das Institut für Demoskopie in einer Studie über das Islambild der Deutschen zu einem erschreckenden Ergebnis. Demnach verbinden 98 Prozent der Befragten mit dem Islam vor allem Terror und Gewalt. 96 Prozent attestieren der Religion Muhameds ganz generell „Rückständigkeit“ und für 94 Prozent steht der Islam vor allem für die Unterdrückung der Frau. Das hat den Islamwissenschaftler Michael Lüders auf den Plan gerufen, der in seinem Buch Allahs langer Schatten eindringlich davor warnt, den Islam „zu verteufeln“ und unter den Generalverdacht zu stellen, eine antidemokratischen Gewaltideologie zu sein. Eindringlich warnt der Autor davor, Koran und Terrorismus in einen Topf zu werfen. Dies sei nicht nur in der Sache falsch, sondern spiele auch den islamistischen Fundamentalisten in die Hände.Lüders vertritt in seinem Buch zwei Hauptthesen: „Zum einen würden wir über die jüngste der monotheistischen Religionen anders denken, wenn wir mehr über ihren Werdegang, ihre theologischen Inhalte und kulturellen Leistungen wüssten“. Zum anderen schüfen „wir unsere Feinde aus der islamischen Welt seit kolonialen Zeiten zu einem erheblichen Teil selbst“. Die erste These versucht der Autor mit einem „Streifzug durch die Geschichte – ohne Hasskappe“ zu belegen. Die zweiten These ist Gegenstand eines Kapitels mit der Überschrift „Hurra wir siegen – leider nicht“, in dem Lüders die jüngsten „Fehler der westlichen Politik im Schatten Allahs“ als solche zu entlarven versucht: den „Krieg gegen den Terror“ ebenso wie die Rede von den „Islamo-Faschisten“. Im Krieg gegen die Taliban in Afghanistan sagt er der Nato ebenso eine Niederlage voraus, wie er die Kriegskoalition im Irak auf einem „unaufhaltsamen Weg in den Abgrund“ sieht.Lüders‘ Thesen sind gewiss nicht neu. Lesenswert ist das erkennbar in ernster Sorge verfasste Buch gleichwohl. Vor allem der den Band beschließende Ausblick, in dem der Autor der Frage „Welcher Islam für Europa?“ nachgeht, verdient Aufmerksamkeit. — Hasso GrebÜber das Produkt
Von 100 Deutschen verbinden 98 mit dem Islam Gewalt und Terror. Doch wer in jedem Muslim einen potentiellen Terroristen sieht, der die westliche Demokratie bedroht, nimmt selbst eine extremistische Position ein – und spielt so den Fundamentalisten in die Hände. Vielmehr muss es darum gehen, islamische Minderheiten im Westen zu integrieren und die moderaten Kräfte in den orientalischen Ländern zu stärken. Aus diesem Grund warnt Michael Lüders eindringlich davor, den Islam pauschal zu verdammen – undifferenzierten Ängsten setzt er fundierte Hintergrundinformationen entgegen: Anschaulich und einfühlsam gibt er einen Überblick über die Geschichte der islamischen Welt, über die unterschiedlichen Strömungen dieser Weltreligion und ruft ins Gedächtnis, welchen Reichtum und welches große Erbe das christliche Europa der verschwisterten Kultur zu verdanken hatMeine Meinung: Hmmm …. dieses Buch ist sogar mit (der auf dieser Site schon als Kryptoislamist und ähnliches tituliert wurde) zu positiv. Der Autor sollte doch eine gewisse kritische Distanz wahren.

 

 filter_meingottist Mein Gott ist jetzt Allah und ich befolge seine Gesetze gern:
Eine Reportage über Konvertiten in Deutschland Cornelia Filter Verlag: Piper (Oktober 2008) SBN-10: 3492051863 ISBN-13: 978-3492051866
Kurzbeschreibung Amazon:
Tausende sind es jedes Jahr in Deutschland, und man weiß nichts über sie. Sie waren laue oder gläubige Christen, überzeugte Linke oder Grundkonservative, arrivierte Aka­demiker oder Arbeiter, Atheisten oder einfach auf der Suche nach dem Sinn des Lebens: die Frauen und Männer, die jedes Jahr zum Islam konvertieren. Was treibt sie an? Und was bedeutet es für unsere Gesellschaft? Cornelia Filter schreibt die erste Reportage über eine markante Minderheit und zeigt, wie sie wirklich denkt, glaubt und lebt. »Ich musste mein vorgefasstes Bild von diesen Männern und Frauen oftmals revidieren«, sagt die renommierte Journa­listin. Die Wirklichkeit der muslimischen Konvertiten in Deutschland ist anscheinend vielschichtiger, aufregender – und interessan­ter als alles, was wir bisher davon wussten.Über die Autorin:
Cornelia Filter, geb. 1954 in Paderborn, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Redakteurin und freie Journalistin für verschiedene Zeitungen und Magazine wie »Die Zeit«, »Frankfurter Rundschau«, »Brigitte« und vor allem für »Emma«. Sie lebt heute als freie Journalistin, Autorin und Drehbuchautorin in Bielefeld.Meine Meinung:
Das Buch ist durchaus lesenswert. Leider verliert es etwas an Tiefe durch die Aneinanderreihung von Einzelschicksalen.Siehe auch: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/904003/
 fischer_zwischenromundmekka Zwischen Rom und Mekka: Die Päpste und der Islam Heinz-Joachim Fischer C. Bertelsmann Verlag (9. März 2009) ISBN-10: 3570010775 ISBN-13: 978-3570010778
Kurzbeschreibung Amazon:
Eine aktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Christentum und IslamAls König Abdullah von Saudi-Arabien im November 2007 im Vatikan mit Papst Benedikt XVI. ein intensives Gespräch führt, wird dies in der christlichen und islamischen Welt als großer Schritt auf dem Weg zum Frieden zwischen den beiden größten Weltreligionen gewertet. Fischer stellt die Begegnung zwischen dem Papst und dem Hüter der Heiligen Stätten des Islam in ihr aktuelles weltpolitisches Umfeld. Er wägt Möglichkeiten und Gefährdungen für eine Annäherung zwischen Christentum und Islam ab; man weiß, was dabei für das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht. Das persönliche Verhältnis Fischers zu Johannes Paul II. und Joseph Ratzinger bzw. Benedikt XVI. eröffnet den Zugang zum Zentrum der kirchlichen Macht und gewährt Einblick in die Überlegungen der HauptakteureMeine Meinung:
Zweifelsohne ein Buch, dass jeder, der sich für den Islam und seine Beziehung zur Kirche und zum christlichen Glauben interessiert, gelesen haben sollte. Wenn auch der theologische Hintergrund des Autor und seine nähe zum Papst durchaus spürbar istSiehe auch: http://readme.de/rezensionen/zwischen_rom_und_mekka.php?mode=normal&PHPSESSID=vnpsoens

 

 awesten Gilers Kepel
Allah im WestenPiper Verlag München 199
ISBN 3-7766-1997-X
Ausgeglichener wie das Buch von Rolf Schulz und der Blickwinkel ist breiter. Obwohl von 1996 immer noch lesenswert

 

 brdislamtibbi Bassam Tibi
Der Islam und Deutschland. Muslime in Deutschland
Deutsche V.-A., Stgt. (2000)
Gebundene Ausgabe
Text Amazon:Schleier und Moscheen mitten in Deutschland – Probleme, Gefahren, Perspektiven
Allein in Deutschland leben 3,3 Millionen Muslime. Was bedeutet die Integrationsunwilligkeit von Ausländern und die Integrationsunfähigkeit unserer Gesellschaft für den inneren Frieden und die äußere Sicherheit? Bassam Tibi fordert einen „Euro-Islam“.
Die Zeiten sind vorbei, da „hinten weit in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen“. Heute gehören zu unserem Alltag verschleierte Frauen ebenso wie die Minarette von Hunderten von Moscheen. Doch bedeutet dies ein größeres gegenseitiges Verständnis? Ausländer-Ghettos sprechen eine andere Sprache. Wenn freilich eine Integration nicht gelingt, so birgt dies großen Sprengstoff für den inneren Frieden. Bassam Tibi, der sich selbst als „liberalen Muslim“ versteht, fordert seine Glaubensgenossen auf, die demokratischen Grundlagen ihres Gastlandes zu akzeptieren. Umgekehrt sieht er im Islam die größte Herausforderung für die im Umgang mit Fremden immer noch unerfahrene deutsche Demokratie. Tibi will in diesem Buch über die kulturelle Identität der Muslime informieren. Und er fordert die Muslime zu einem europäisch gedeuteten Islam auf, der im Einklang mit den individuellen Menschenrechten, der säkularen Demokratie und der pluralistischen Zivilgesellschaft steht.Meine Meinung: Mutiges Buch von einem Autoren, den ich sehr schätze und der selbst Muslim ist. Lesenswert.

 

 stolz Die Mullahs am Rhein
von Rolf Stolz
336 Seiten – Herbig
Erscheinungsdatum: März 2005
ISBN: 377662423X
Kurzbeschreibung Amazon
Völlig überarbeitete NeuausgabeSeit dem 11. September 2001 weiß die Welt um die Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus. Hinter der Radikalisierung des Islams stehen die politischen Anführer und Ideologen des Islamismus, die “Mullahs”. Europa hat für sie geostrategische Bedeutung: Mit den hier in einer Parallelgesellschaft lebenden Muslimen wollen sie einen Brückenkopf für die Islamisierung Europas aufbauen. In seiner schonungslosen Analyse zeigt der Autor auf, wie gefährdet unsere Demokratie ist, und weist Wege zu einer Selbstfindung und geistigen Selbstverteidigung EuropasMeine Meinung: Kling recht neutral diese Kurzbeschreibung, aber der Buch ist doch dann recht starker und ultrakonservativer Tobak, der schon fast in das polemische Übergeleitet. Nationale Selbstbesinnung ja – aber nicht in dieser Form. Trotzdem lesenswert – der Leser sollte sich auch mit dieser Seite des Journalismus befassen.

 

 gottschlich Das Kreuz mit den Werten Über deutsche und türkische Leitkulturen
von Jürgen Gottschlich, Dilek Zaptcioglu
Edition Körber Stiftung
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Auflage: 1
ISBN: 3896840592
Verlagstext:

Die Deutschen sind freudlos, kinderfeindlich und leben nur fürs Arbeiten. Die Türken sind rückständig, autoritär und wollen sich nicht integrieren. Hinter diesen Vorurteilen stehen unterschiedliche Wertvorstellungen. Mit ihnen und ihrem Wandel befasst sich Das Kreuz mit den Werten in einer Mischung aus Analyse und persönlichem Bericht.

Ob in Fadimes »Frauenpower auf Türkisch« oder in Peter Heinsteins Erfahrungsbericht über seine Tätigkeit als Leiter des Mercedes-Werks in Aksaray – es zeigen sich Differenzen, aber auch überraschende Übereinstimmungen. In polarisierenden Diskussionen wie der Frage der türkischen Zugehörigkeit zur EU fehlen diese Gemeinsamkeiten.

Mit den Beiträgen dieses Bandes vermitteln die Autoren Dilek Zaptçıoğlu und Jürgen Gottschlich eine differenziertere Sichtweise. Als deutsch-türkisches Paar kennen sie das Spannungsfeld zwischen den Werten beider Gesellschaften, und liefern Hintergrundwissen und neue Impulse, die zu einem vertiefenden Dialog einladen.

Meine Meinung. Die Wertedebatte wird neu belebt. Ein Buch, das zum besseren Verständnis der Kulturen beitragen kann.

 

 heiner_bielefeldt Muslime im säkularen Rechtsstaat. Integrationschancen durch Religionsfreiheit
von Heiner BielefeldtTranscript; Auflage: 1 (März 2003)
ISBN: 3899421302

Amazon:
In der Auseinandersetzung um die Präsenz des Islams in Deutschland und anderen europäischen Ländern steht immer auch die Frage zur Debatte, wie Muslime sich zum säkularen Staat verhalten. Auf der Grundlage der Religionsfreiheit rekonstruiert der Autor zunächst einen freiheitlichen Begriff von rechtsstaatlicher Säkularität. Anschließend diskutiert er verschiedene muslimische Positionen gegenüber dem säkularen Staat, die von kämpferischer Distanzierung über pragmatische Arrangements in der Diaspora bis hin zu theologisch begründeten Säkularisierungsforderungen reichen. Zu den aktuellen Themen, die der Band aufgreift, gehören die Frage, inwieweit Muslime im Rahmen des Grundgesetzes nach der Scharia leben können, sowie die Kontroverse um den islamischen Religionsunterricht.Meine Meinung: Sehr spezielle Materie. In erster Linie wendet sich das Buch an ein Fachpublikum. Das Buch hat zwar nichts an seiner Aktualität verloren, jedoch zum Thema „Muslime im Rechtsstaat“ gibst es besser lesbare Bücher, ohne den relativ großen theoretischen Überbau.

 

 nilufer_goele Islam in Sicht. Der Auftritt von Muslimen im öffentlichen Raum
von Nilüfer GöleTranscript; Auflage: 1 (September 2004)
ISBN: 3899422376
Süddeutsche Zeitung, 17.05.2005

Karriere plus Kopftuch

Wie allmählich ein emanzipierter Islamismus entsteht

Kopftuch und Verschleierung – sie gelten in den westlichen Ländern, aber auch im säkularen türkischen Staat als Signal der Vormoderne, als Zeichen der Unterordnung der Frau, als Synonym für das Verschwinden des weiblichen Körpers aus der Öffentlichkeit. Wenn aber durch Verhüllung ein Anderssein demonstriert und ein Zeichen entschlossenen Selbstbehauptungswillens gesetzt werden soll, dann wird dieses scheinbare Paradox zu Politik. Die Kopftuchträgerin hätte dann ausgerechnet mit dem Tragen traditioneller Kopfbedeckung das muslimische Gebot weiblicher Unsichtbarkeit im öffentlichen Raum verletzt. Eine Tradition, die wie gottgegeben befolgt wurde, wäre somit zu einer klaren Entscheidung und damit zur bewussten Annahme einer neuen – islamistischen – Identität mutiert.

„Islam in Sicht“ ist ein aufregendes Buch, weil es darstellt, wie Glaube und Moderne im Zeichen des Islamismus zusammenfinden können und daraus etwas Neues entstehen kann, jenseits von Fundamentalismus und Terrorismus. Der Westen habe die Muslime immer als „vormoderne Subjekte“ betrachtet, ohne eigenes schöpferisches Gestaltungspotenzial, so die Soziologie-Professorin Nilüfer Göle in ihrer fulminanten Einleitung zu dem Sammelband, den sie und der Islamwissenschaftler Ludwig Ammann veröffentlicht haben. Man rechnete fest mit der allmählichen Verwandlung der Muslime in säkulare Staatsbürger, die sich westlichen Werten anpassen würden. Aber, „im Zeichen des Islamismus streben Muslime jetzt in modernen politischen Umfeldern nach Handlungsmacht und begeben sich dabei in Konflikt mit modernen staatsbürgerlichen Annahmen und Werten“. Das westlich-pluralistische Modell, das universelle Geltung beansprucht, wird dabei herausgefordert durch die eben nicht pluralistischen Praktiken des Islam, der denselben weltweiten Anspruch erhebt.

Religion wird zum Rahmen persönlicher Selbstfindung und kollektiver Orientierung. Ein Prozess läuft da ab, wie ihn die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA oder die Frauenbewegung im Westen auch durchlaufen haben: Was die Mehrheitsgesellschaft als Stigma wahrnimmt, wird zum Signal eines trotzigen Selbstbewusstseins. Etwa wenn eine Abgeordnete im türkischen Parlament dem Verbot zuwider selbstbewusst mit Kopftuch auftritt und damit einen Sturm der Entrüstung entfacht. Oder wenn türkischstämmige Lehrerinnen in Frankreich oder Deutschland erhobenen Hauptes im Klassenzimmer mit Kopftuch erscheinen. Diese jungen, gut ausgebildeten Frauen wollen mit ihrem Anspruch „Karriere plus Kopftuch“ Respekt und Anerkennung finden, und diese sollen gleichermaßen ihr Anders- wie ihr Gleichsein einschließen (Sigrid Nökel).

So ist das auch in Istanbul, wo junge islamistische Frauen und Männer gemeinsam die alte Tradition der Kaffeehäuser als öffentlichen Raum wieder entdecken (Ugur Kömecoglu); in den französischen Vorstädten, wo arbeitslose junge Männer durch die islamistische Tabliq-Bewegung aus der Verwahrlosung der Banlieues zum Glauben (zurück)geführt werden und darüber hinaus zu Disziplin und Selbstbewusstsein (Moussa Khedimellah); im Hamburger Arbeitervorort Wilhelmsburg, wo die Religion einen Bezugspunkt bietet, durch den junge Muslime eine Gemeinschaft finden, die sie unabhängig macht von „den schönen Autos und dem ganzen westlichen Luxus“, die für sie unerreichbar sind (Nikola Tietze).

Ganz anders ist der Ausgangspunkt in Iran. Wieder geht es um die Eroberung des öffentlichen Raums durch junge gebildete Eliten. Anders als in der Türkei aber, wo junge Islamisten sich auf einem eigenen Weg zwischen Unterwerfung unter die westliche Moderne und ihrer fundamentalistischen Bekämpfung behaupten wollen, geht es im Land der Mullah-Herrschaft um die Zurückdrängung autoritärer islamistischer Kontrolle über die öffentliche wie private Sphäre.

Und die Prognose? Möglich, dass eine muslimische Frauenbewegung auf den Plan tritt, die die Grenze zwischen männlich zugeordneter Öffentlichkeit und weiblich zugeordneter Privatheit neu definiert. Möglich auch, dass sich auch im säkularen Europa Glaube und Religion zu einer zentralen Fragestellung neu verdichten. Steht nicht nur die Türkei, sondern auch Europa vor einem geistigen Umbruch? „Islam in Sicht“ zeigt, wie gebildete Muslime mit den Spannungen zwischen Islam und Moderne umgehen. Modern sein, das hieß bislang fraglos: westlich sein oder den Westen nachahmen. Die jungen islamistischen Eliten suchen heute nach ihrem eigenen Projekt der Moderne.

ELISABETH KIDERLEN

SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH

Meine Meinung: Durchaus zu empfehlen. Durch die vielzahl der Artikel entsteht ein gute Übersicht zu dieem Thema, wenn auch die Tendenz der Sichtweise zum Islamismus oft zu „blauäugig“ ist.

 

 faith_c Der Moslem-TÜV: Deutschland, einig Fatihland Fatih Cevikkollu , Sheila Mysorekar Rowohlt, Reinbek; Auflage: 2., Aufl. (6. Oktober 2008) ISBN-10: 3498009389 ISBN-13: 978-3498009380
Aus der Amazon.de-Redaktion
„Gestern noch Kümmeltürke, heute schon Topterrorist – ein steiler sozialer Aufstieg, aber immer schön am Rand entlang.“ Diesen erstaunlichen Imagewechsel hat Fatih Çevikollu, geboren in Köln-Nippes als Sohn türkischer Einwohner, selbst miterlebt. Die alltäglichen Begebenheiten und haarsträubenden Fantasien aus der Parallelgesellschaft präsentiert er hier: engagiert, provokant und hochkomisch.In Deutschland herrsche Angst – vor dem Moslem. Das „ultimative Sicherheitsrisiko“ stelle er heute in der Wahrnehmung der Mehrheitsdeutschen dar. Was irrational beginnt, habe ganz konkrete Folgen für diejenigen, auf die die Paranoia projiziert wird. Und so ist der Moslem-TÜV, der „Gesinnungstest“, den sich die Baden-Württembergische Landesregierung für Muslime, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, ausgedacht hat, eine geradezu natürliche Konsequenz. Çevikollu verfällt deswegen nicht in einen betroffenen Anklageton, sondern denkt einfach nur zu Ende, was mit dem „Moslem-TÜV“ begonnen hat.Wunderbar grotesk wird es etwa, wenn Onkel Hassan in die Tourismus-Branche einsteigen will und für Berlin-Besucher Kiez-Schlägereien und Auftritte einer Hobby-Hisbollah inszeniert. Anschließend wird der allzu integrationswillige „Neubürger“ Umesh auf einer Wandertour durch die östlichen Bundesländer geschickt, wo er das Schäuble-Diktum von der „mobilisierenden, motivierenden, emotionalen und identitätsstiftenden“ Einbürgerung hautnah erleben kann. Am Ende muss der Leser dann noch erfahren, dass der Abstieg des 1. FC Köln in Wahrheit ein Komplottt der Al-Qaida war…Çevikkollu (Jahrgang 1972) hat zunächst eine grundsolide Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin absolviert. 2001-2004 war er festes Mitglied im Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. Seit 2005 tritt er mit „Fatihland“ auf. Von der „Welt am Sonntag“ wurde er als „Hoffnungsträger der deutschen Comedy-Szene“ bezeichnet.Çevikollu hat mit seinem komischen Talent, dem Stand-up-Sprachwitz und dem besonderen Blick für die Irrungen und Wirrungen rund um das Thema „Fatihland“ ein großartiges Buch verfasst. Über die Gags und Anekdoten muss man ebenso lachen – wie man sie ernst nehmen sollte. –Carsten Hansen, LiteraturtestKurzbeschreibung
Ist Kofferbomber Ihr Traumberuf? Sind 72 Jungfrauen im Himmel wirklich so verlockend, wenn man im Bett doch eher auf Profis steht? Und haben Sie schon mal ein Picknick in der Parallelgesellschaft gemacht? Mit Witz und Ironie nähert sich der Schauspieler und Kabarettist Fatih Cevikkollu zusammen mit der Journalistin Sheila Mysorekar diesen und anderen Fragen. Augenzwinkernd betrachtet er die politische Diskussion um Integration und Terrorismus. „Der Moslem-TÜV“ ist deutsche Heimatkunde einmal anders: Die schönsten Wanderwege durch No-go-Areas werden beschrieben. Beten in einer katholikenkompatiblen Moschee wird schmackhaft gemacht und die ultimative Verschwörung aufgedeckt: al-Qaida unterwandert die Bundesliga! Fatih Cevikkollu widmet sich intelligent und humorvoll den Reibungspunkten zwischen In-, Um- und Ausländern in Deutschland und nimmt die Absurditäten des alltäglichen Zusammenlebens unter die Lupe.Meine Meinung: Hintergründig und witzig. Hat mir sehr gut gefallen.

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Koran

 koranbobzin Hartmut Bobzin
Der Koran. Eine EinführungC.H. Beck, 2. Auflage, München 2000
Exzellente, kurze und prägnante Einführung in das heilige Buch der Muslims. Ich kann dies Buch jedem Empfehlen, der sich kurz, aber kompetent informieren möchte.

 

 korannagel Tilman Nagel
Der Koran. Einführung, Texte, ErläuterungenC.H. Beck, München 1998
Wem die Einführung von H. Bozin zu kurz ist, und nicht genug in die Tiefe geht dem kann ich dies Buch ans Herz legen ….

 

 koranparet Rudi Paret
Der Koran, Gesamtausgabe.Kohlhammer
Erscheinungsdatum: April 2004
ISBN: 3170183281
Die Koranübersetzung ist sehr gut (ich meine mit das Beste..) und die Kommentare zum Inhalt stehen außer Konkurrenz. Wer sich mit dem Koran wirklich befasst wird um dieses Buch nicht herumkommen.
 koranparet Rudi Paret
Der Koran, Kommentar und Konkordanz.Kohlhammer
Erscheinungsdatum: Oktober 2001
ISBN: 3170173634
Die Koranübersetzung ist sehr gut (ich meine mit das Beste..) und die Kommentare zum Inhalt stehen außer Konkurrenz. Wer sich mit dem Koran wirklich befasst wird um dieses Buch nicht herumkommen.

 

 luxenberg Christoph Luxenberg
Die Syro-Aramäische Lesart des
KoranSchiler Verlag
Erscheinungsdatum: 2004
ISBN: 3860932748
Sehr kontrovers und keine „Einsteigerlektüre“ ………
Rezensionen – Neue Zürcher Zeitung vom 03.02.2001
Die Studie hakt dort ein, wo es dunkel wird. Und für Mona Naggar schafft sie auch etwas Licht. Dann nämlich, wenn der Autor mit seiner Dreischritt-Methode, die die Rezensentin uns auseinandersetzt, zu einer Korrektur der einen oder andren Lesart der Konsonantenstämme oder zur Erklärung „einiger grammatikalischer und orthographischer Absonderlichkeiten“ im koranischen Text gelangt und damit an das Dogma von der Reinheit der koranischen Sprache rührt. Gar spektakulär findet Naggar die hier vorgeschlagene neue Lesart zweier Verse in Sure 44 und 52. Und wirklich, dass der Autor die den Seligen versprochenen „Paradiesjungfrauen“ an dieser Stelle kurzerhand durch „Weintrauben“ ersetzt, erscheint auch uns mindestens bedenkenswert.Rezensionen – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.11.2002
Nicht wenige moslemische Gelehrte, die sich an eine wissenschaftliche Auslegung des Korans gewagt haben, mussten ihre Studien mit dem Leben bezahlen. Kein Wunder, meint daher Rezesent Wolfgang Günter Lerch, dass auch der deutsche Semitist und Autor des Buches „Die syro-aramäische Lesart des Koran“ nur unter dem Pseudonym Christoph Luxenberg veröffentlicht. Luxenberg untersuche den Koran streng sprachwissenschaftlich und lege damit eine „Lunte an religiöses Dynamit“. Doch die Ergebnisse der Arbeit scheinen Lerch weitgehend überzeugend: Luxenberg entschlüssele die vielen christlichen und syrischen Elemente, die im Koran ihren sprachlichen Niederschlag gefunden haben, schließlich sei zur Entsehungszeit des Koran das Aramäische im Vorderen Orient wesentlich verbreiteter gewesen als das Hocharabisch. Als besonders brisantes Beispiel der Luxenbergschen Textkritik führt der durchaus beeindruckte Rezensent die legendären „Huris“ an, die im Hocharabisch zu den „großäugigen Jungfrauen“ wurden, die bekanntlich auf die Seligen im Paradies warten. Vom aramäischen Wortstamm ausgehend, glaubt Luxenberg vielmehr, dass es sich dabei um „perlengleiche Weintrauben“ handelt.

Der Fuchs und die süßen Trauben des Paradieses

Wieviel Philologie verträgt der rechte muslimische Glaube? Ein Gespräch mit dem Islamwissenschaftler und Koranübersetzer Christoph Luxenberg

In vielen arabischen Ländern müssen liberale Interpreten des Korans um ihr Leben fürchten. Faruq Foda, ein ägyptischer Gelehrter, wurde auf offener Straße erschossen, und Professor Suliman Basheer wurde von seinen Studenten an der Universität Nablus aus dem Fenster geworfen. Gerechtfertigt werden diese Taten mit dem Vorwurf der Verunglimpfung des Korans, der Infragestellung des unantastbaren Wortes Gottes. Nun hat Christoph Luxenberg, ein deutscher Spezialist für Semitische und Arabische Sprachen, den Koran unter Berücksichtigung sprachhistorischer Aspekte neu übersetzt. Er hat im Koran zahlreiche und wesentliche „Fehldeutungen und Fehllesungen“ entdeckt. Von seinem Buch, „Die Syro-Aramäische Leseart des Korans“, erscheint im März eine zweite, erweiterte und überarbeitete Fassung. In Internet-Foren beklagen viele Muslime, dass Luxenberg ihnen das „Heiligste“ ihres Glaubens nehmen wolle. In akademischen Kreisen hingegen wurde Christoph Luxenbergs „Lesart des Korans“ interessiert aufgenommen.
SZ: Der Koran, das heilige Buch des Islams, ist knapp 1400 Jahre alt und zählt zum Kulturerbe der Menschheit. Er wurde in unzählige Sprachen übersetzt, auch im Deutschen gibt es verschiedene Versionen. schon Goethe las in einer Übersetzung. Warum braucht man heute eine neue „Lesart“ des Korans?
Luxenberg: Weil das Rätselraten um ein plausibles Verständnis der Koransprache so alt ist wie der Koran selbst. Auch die frühesten arabischen Korankommentatoren mussten häufig ihre Ratlosigkeit eingestehen.SZ: Wieso Ratlosigkeit? In der arabischen Welt gilt der Koran doch als das Buch der absoluten Weisheit.

Luxenberg: Im Koran gibt es zahlreiche „dunkle Stellen“, die sich auch die frühen arabischen Korankommentatoren nicht erklären konnten. Von diesen Passagen hieß es, Gott allein würde sie verstehen. Für die westliche Koranforschung, die erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts richtig einsetzte, bildeten die arabischen Korankommentare die Grundlage. Über einzelne etymologisch erklärte Fremdwörter im Koran ist aber auch sie nicht hinausgekommen.

SZ: Sie behaupten nun, diese sogenannten „dunkeln Stellen“, die bisher niemand verstehen konnte, richtig übersetzen und interpretieren zu können. Was haben Sie anders gemacht als ihre zahlreichen Vorgänger?

Luxenberg: Mir kam die Idee, dass die Koransprache sprachhistorisch zu betrachten sei. Da Arabisch vor dem Koran noch keine Schriftsprache war, lag es nahe, dass das Aramäische, das bis dahin als Schriftsprache gedient hatte und die Lingua franca im westasiatischen Raum gewesen war (4. bis 7. Jh. n. Chr.), im besonderen Masse zu berücksichtigen sei. Ich habe deshalb vor etwa zehn Jahren angefangen, den Koran unter diesem speziellen Gesichtspunkt zu lesen.
SZ: Wie soll man sich dieses „Lesen“ vorstellen?
Luxenberg: Ich habe den Koran erstmals „synchron“ gelesen, d. h. unter gleichzeitiger Berücksichtigung der aramäischen und arabischen Sprache. Dabei habe ich herausgefunden, dass das Aramäische in bisher ungeahntem Masse die Grundlage der Koransprache bildet, und dass vieles von dem, was man heute für „Klassisch-Arabisch“ hält, dem Aramäischen entlehnt ist.
SZ: Was ist dann mit der bisher gültigen Annahme, der Koran sei das erste in arabischer Sprache verfasste Buch?
Luxenberg: Der Koran ist nach islamischer Tradition im 7. Jahrhundert entstanden, während die eigentliche arabische Literatur frühestens mit der „Biografie des Propheten“ Mohammeds von Ibn Hischam (gest. 828) einsetzte. Wir dürfen deshalb annehmen, dass die nachkoranische, arabische Literatur erst nach al-Khalil b. Ahmad (gest. 786), dem Begründer der arabischen Lexikographie (kitab al-ayn), und nach Sibawayh (gest. 796), dem Begründer der klassisch-arabischen Grammatik, sukzessive entstanden ist. Nehmen wir das Todesjahr des Propheten Mohammeds (632) als Abschluss des Korans an, dann ergibt sich eine Lücke von rund 150 Jahren ohne nennenswerte arabische Literatur.
SZ: Sie wollen damit sagen, dass es zur Zeit des Propheten Mohammeds das Arabische als normierte Schriftsprache noch nicht gegeben hat. Wer soll dann, 150 Jahre vor der Kodifizierung der arabischen Sprache, in der Lage gewesen sein, den Koran zu verfassen?
Luxenberg: Sehen Sie, zu dieser Zeit gab es noch keine arabischen Schulen, es sei denn in den christlichen Zentren von al-Anbar und al-Hira in Südmesopotamien, dem heutigen Irak. Diese Araber waren aber von den christlichen Syrern, deren liturgische Sprache das Syro-Aramäische war und ist, christianisiert und gebildet worden. Syro-Aramäisch war deren Bildungs- und Schriftsprache.
SZ: Und welchen Bezug hat Ihrer Meinung nach diese „Bildungs- und Schriftsprache“ zur Entstehung des Korans?
Luxenberg: Die christlichen Syrer trugen seit dem 3. Jahrhundert ihre christliche Mission nicht nur in Nachbarländern, wie Armenien und Persien. Sie brachten sie auch in so ferne Gegenden wie an die Grenzen Chinas, an die Westküste Indiens, wo heute noch die sogenannten „Thomas-Christen“ die syrische Liturgie haben, und ferner auch über die arabische Halbinsel, in den Jemen und von dort aus bis nach Äthiopien. Man kann sich gut vorstellen, dass sie sich mitunter der Beduinensprache bedienten, um den Arabern ihre christliche Botschaft zu verkünden. Diese Botschaft konnte nur eine Mischsprache sein. Zu einer Zeit, da das Arabische aus einzelnen unterschiedlichen Dialekten bestand und über keine normierte Schriftsprache verfügte, mussten die Missionare aus ihrer syro-aramäischen Kult- und Kultursprache schöpfen. So ist die Koransprache als arabische, oder vielmehr als aramäisch-arabische Schriftsprache entstanden.
SZ: Für die Koranforschung bedeutet das, wer bei seiner Arbeit das Syro-Aramäisch nicht berücksichtigt, kann keine richtige Übersetzung und Interpretation des Korans vollbringen?
Luxenberg: Ja, der Koranforscher muss sich vorwiegend in der Grammatik und Literatur des Syro-Aramäischen zur Zeit der Entstehung des Korans (7. Jh.) auskennen. Dazu selbstverständlich auch in der nachkoranischen Grammatik, um Missdeutungen zu erkennen, die durch nachträgliche Fehllesungen der frühen arabischen Schrift bedingt sind.
SZ: Sie spielen damit auf die sogenannten „diakritischen Punkte“ an, die heute in der arabischen Sprache der Gegenwart die mehrdeutigen Buchstaben genau bestimmen, und die es aber zur Zeit des Korans nicht gegeben hat?
Luxenberg: Ja, die frühe arabische Schrift hatte den Nachteil, dass ursprünglich nur 15 Zeichen das heute 28 Phoneme zählende arabische Alphabet zu vertreten hatten. Von diesen Zeichen waren nur 6 Buchstaben eindeutig; von den übrigen 9 waren 7 Zeichen zweideutig, 1 Zeichen dreideutig und ein weiteres sogar fünfdeutig. Die späteren arabischen Philologen haben diese Schriftzeichen nach und nach durch Einführung eines Punktesystems, diakritische Punkte genannt, eindeutig gemacht. Nach diesem Punktesystem ist die heute für alle Muslime als kanonisch geltende Kairiner Koranausgabe festgelegt. Dass aber beim nachträglichen Setzen dieser Punkte Fehler unterlaufen konnten, leuchtet auch einem heute gebildeten Araber ein, dem der Text nicht geläufig ist.
SZ: Kleine Fehler wird ein gläubiger Moslem vielleicht noch zugestehen, aber große Bedeutungsunterschiede sicherlich nicht.
Luxenberg: Nach islamischer Tradition heißt es, dass die nachträgliche Festlegung des Korantextes durch eine auf den Propheten Mohammed zurückgehende, ununterbrochene mündliche Überlieferung gesichert sei. Dem widerspricht aber das Ergebnis der philologischen Analyse, die an zahlreichen Stellen Fehlbelegungen der ursprünglichen Grundschrift nachgewiesen hat. Zu diesen Fehlbelegungen durch falsch gesetzte Punkte kommen noch Fehldeutungen durch arabisch missverstandene Ausdrücke, wie auch durch arabische Ausdrücke, die semantisch nur durch Rückübersetzen ins Syro-Aramäische zu erschließen sind.
SZ: Wie ist denn das Verhältnis von Syro-Aramäisch und Arabisch?
Luxenberg: Man könnte das Verhältnis beider Sprachen etwa mit Deutsch und Holländisch vergleichen, es gibt gemeinsame Wurzeln, aber große semantische Unterschiede. Nehmen wir das Verb „bellen“, das auf Holländisch klingeln bedeutet. „Bitte dreimal bellen“, würde kein Deutscher an die Tür schreiben.
SZ: Nun zu den Fehllesungen und Fehldeutungen, die Sie „unzählige Male die Hände über den Kopf zusammenschlagen“ ließen. Ein plakatives Beispiel sind die wundersamen Jungfrauen, die den islamischen Selbstmordattentätern im Paradies angeblich versprochen werden..
Luxenberg: Ja, die berühmten „Huris“ oder Paradiesjungfrauen, die sich die arabischen Korankommentatoren nicht anders erklären konnten. Syro-aramäisch verstanden, bezeichnen die koranischen Ausdrücke „weiße Weintrauben“, als symbolische Ausstattung des christlichen Paradieses in Anlehnung an das Abendmahl des Evangeliums. Das Gleiche gilt von den als „Knaben bzw. Jünglinge des Paradieses“ missdeuteten koranischen Ausdrücken, die syro-aramäisch die gleichen Weintrauben bezeichnen, die der Koran übrigens mit „Perlen“ vergleicht. Bei den gründlichen Missdeutungen, gerade bei den christlichen Symbolen des Paradieses, war sicherlich das männliche Element bei den arabischen Korankommentatoren ausschlaggebend.
SZ: Das „männliche Element“ ist eine gute Überleitung zum Thema „Kopftuch“, das zur Zeit heftig diskutiert wird und das der Koran den Frauen angeblich vorschreibt. Wie verhält es sich damit?
Luxenberg: In einer Passage in Sure 24 Vers 31 heißt es arabisch verstanden: „Sie sollen sich ihre ,Chumur‘ auf ihre Taschen schlagen!“ Diese unverständliche Passage wurde dann so interpretiert: „Sie sollen ihre Kopftücher über ihre Brüste ziehen“. Syro-aramäisch ist es aber so zu verstehen: „Sie sollen sich ihre Gürtel um die Lenden (ihre Taille) schnallen“.
SZ: Das Kopftuch ist in Wirklichkeit also ein Keuschheitsgürtel?
Luxenberg: Nicht ganz. Der Gürtel ist ein Symbol für Keuschheit, wie er auch in der christlichen Religion üblich ist. Auch Maria trägt einen „Gürtel um die Lenden“. In der syrischen Version des Abendmahls heißt es auch, dass Christus sich einen Schurz „über die Lenden schlug“(Aramäisch), um die Füße seiner Jünger zu waschen.
SZ: Offensichtlich gibt es zahlreiche Parallelen zum christlichen Glauben. In Sure 97 haben Sie „Weihnachten“ im Koran gefunden, in der berühmten Mariensure wird in Ihrer Übersetzung die „ Niederkunft“ Marias durch den „Herrn legitim gemacht“, und obendrein soll es Aufforderungen zum Gottesdienst, zur Messe geben. Ist der Koran nichts anderes als eine arabische Version der Bibel?
Luxenberg: Eigentlich ist der Koran ein syro-aramäisches liturgisches Buch mit Auszügen aus der Schrift zur Verwendung im christlichen Gottesdienst. Das konnten Hymnen sein mit entsprechenden Inhalten, wie sie uns im Koran begegnen. In einer zweiten Phase ist der Beginn einer Predigt im Koran festzustellen, die zur Aufgabe hatte, den heidnischen Mekkanern den Glauben der Schrift in arabischer Sprache zu vermitteln. Der sozio-politische Teil, der mit dem ursprünglichen Koran wenig zu tun hat, wurde später in Medina hinzugefügt. Der Koran war von Anfang an nicht als Grundlage einer neuen Religion gedacht. Er setzt vielmehr den Glauben an die Schrift voraus und hat insoweit nur eine arabische Vermittlerrolle.
SZ: Für viele gläubige Moslems, die den Koran als das einzig wahre, heilige Buch ansehen, werden diese Ergebnisse ein Art blasphemischer Schock sein. Wie waren denn die bisherigen Reaktionen?
Luxenberg: In Pakistan wurde die Ausgabe der Zeitschrift Newsweek mit einem Artikel über meine Arbeit verboten. Sonst muss ich sagen, dass ich bei meinen bisherigen Begegnungen mit Muslimen keinerlei Anfeindungen erfahren habe. Im Gegenteil: Sie bekundeten Respekt für das Bemühen eines Nichtmoslems um das sachliche Verständnis ihrer Heiligen Schrift. Blasphemie wird es nur für solche sein, die sich lieber an das falsch gedeutete Wort Gottes halten wollen. Im Koran steht aber: „Wen Gott irreführt, den wird auch keiner rechtleiten können“.
SZ: Aber was ist mit islamischen Staaten wie Saudi-Arabien oder dem Iran, denen sie mehr oder weniger den religiösen Boden unter den Füßen weg ziehen?
Luxenberg: Dies muss nicht unbedingt sein, wenn diese Staaten gewillt sind, den Koran so zu verstehen, wie er objektiv verstanden sein will. Islamische Staaten hätten es vielmehr in der Hand, das neue Verständnis des Korans sinnvoll umzusetzen.
SZ: Befürchten Sie nicht, dass es Ihnen wie Salam Rushdie gehen könnte, gegen den eine Fatwa ausgesprochen und der zum Tode verurteilt wurde?
Luxenberg: Eine Fatwa habe ich nicht zu befürchten, weil ich kein Moslem bin. Außerdem geht es hier ja nicht um eine Verunglimpfung des Korans.
SZ: Sie haben sich dennoch ein Pseudonym zugelegt?
Luxenberg: Das Pseudonym habe ich mir auf Anraten muslimischer Freunde zugelegt, weil diese meinten, dass aufgebrachte Fundamentalisten einer Fatwa nicht bedürften, um auf eigene Faust tätig zu werden.
Interview: Alfred Hackensberger Quelle: SZ vom 24.02.2004

 

 burgmer Christoph Burgmer (Hg.)
Streit um den Koran
Die Luxenberg-Debate: Standpunkte und
HintergründeSchiler Verlag
Erscheinungsdatum: September 2004
ISBN: 389930067X
Verlagstext des Hans Schiller VerlagesWas hat es auf sich mit der „Syro-Aramäischen Lesart des Koran“? Die Autoren dieses Buches bieten dem am Islam interessierten Leser einen leicht nachvollziehbaren Überblick über die Grundlagen des Koran, seine Entstehungsgeschichte und über die besonderen Schwierigkeiten, die mit seiner Lesung verbunden sind

 

 abdel_t_khoury
Der Koran. Erschlossen und kommentiert
Adel Th. KhouryPatmos
Erscheinungsdatum: September 2005
Auflage: 2., Aufl.
ISBN: 3491724856
Rezensionen Amazon:Über 1 Milliarde Muslime sehen im arabisch verfassten Koran die Offenbarung Gottes, das Wort Gottes, das ewig ist wie er selbst. Adel Theodor Khoury erschließt auf der Grundlage seiner bekannten Übersetzung die religiöse Welt des Korans und stellt die dynamischen Grundlinien des Islams vor. Dabei geht es um die Glaubenslehren, die gesetzlichen Vorschriften, die Erzählungen sowie nicht ausdrücklich erwähnte Hintergründe des Korans. Die zu Schlüsselthemen des Korans zusammengestellten Zitate erfahren im Hauptfeld der Buchseite eine ausführliche Kommentierung. Diese berücksichtigt auch die Tradition der muslimischen Auslegung. Der Koran betont, dass er die Tora des Mose und das Evangelium Jesu bestätigt. Deshalb werden die Parallelen zwischen Koran und Texten aus der jüdischen und christlichen Bibel angezeigt und wiedergegeben. Zugleich wird deutlich, wo es Gemeinsamkeiten der drei Religionen gibt und wo ihre Lehren auseinander gehen. Ferner begegnen in einer Randspalte zusätzliche Informationen und auch kritische Äußerungen von Muslimen und Nicht-Muslimen. Zahlreiche Abbildungen dienen der Anschaulichkeit und helfen zu vertieftem Verständnis und zur weiteren Auseinandersetzung.

Der Verlag über das Buch
Die einzigartige Koranerschließung informiert grundlegend über die Entstehung des dem Propheten Muhammad geoffenbarten Buches, über seinen Stellenwert im Islam und die Probleme seiner Auslegung. Der Band stellt die zentralen Inhalte und Schlüsselthemen des Korans in Verbindung mit der Kommentierung ausgewählter Verse dar. Dabei sind die Parallelen der biblischen Überlieferung ebenso aufgenommen wie aktuelle Fragen zum Islam und zum Miteinander der monotheistischen Religionen.

Für Kenner wie für Neugierige, die die Heilige Schrift der zweitgrößten Weltreligion und zugleich ein Buch der Menschheit verstehen wollen, bietet das Werk klare und aspektreiche Orientierung.

Über den Autor
Adel Theodor Khoury, geboren 1930, Dr. theol., war bis 1993 Professor für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er hat neben seiner Übersetzung des Korans einen vielbändigen Kommentar zum Koran verfasst. Er ist zudem einem breiten Publikum durch zahlreiche Veröffentlichungen über den Islam bekannt.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2005, S. L18
Gute Ratschläge
FÜR DEN SICH auf das Weihnachtsfest freuenden, bibelfesten Christen ist der Koran mitunter noch ein Buch mit sieben Siegeln. Das muß so nicht bleiben. Für den denkenden Menschen gilt das Gebot hermeneutischer Nächstenliebe: Du sollst deinen Nächsten ebenso zu verstehen versuchen wie dich selbst. Adel Theodor Khoury, ehemals Professor für Religionswissenschaft in Münster, hilft einem mit seinen klugen Erläuterungen dabei, endlich zu verstehen, was eine Milliarde Muslime längst verstanden haben: den Koran. Wer Weihnachten lieber im Kreis seiner engeren Familie verbringt, kann dort unter Anleitung von Donata Elschenbroich, die vor vier Jahren den Bestseller „Das Weltwissen der Siebenjährigen“ schrieb, sein Kind als kleinen Experten bei der Naturerforschung entdecken lernen. Dem Wissensdrang der Heranwachsenden kommt der berühmte Mediziner und Buchautor Dieter Grönemeyer entgegen, indem er für Jung und Alt eine Reise durch den menschlichen Körper unternimmt, der einem oft noch große Rätsel aufgibt. Eltern finden hier Antworten auf Fragen, die ihnen auch die Kleinen stellen, wenn sie Bauchweh haben oder wissen wollen, was mit den Nudeln geschieht, die sie gerade geschluckt haben.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Meinr Meinung: Über den Koran zur Zeit das Beste, was es an Literatur für den interessierten Laien gibt.

http://www.cathol.lu/article.php3?id_article=656

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Einzelprobleme / Einzeldarstellungen

 

 oezelsel Pilgerfahrt nach Mekka
von Michaela M. ÖzelselNp Buchverlag
Erscheinungsdatum: März 2005
ISBN: 3853263763
Verlagestext Herder:Als deutsche Frau im Herzen des Islam. Michaela M. Özelsel schildert ihre Erfahrung der uralten Rituale. Ihr faszinierender Bericht beschreibt auch eine Reise ins eigene Innere – jenseits der Grenzen religiöser Tradition.Meine Meinung: Ein Selbsterfahrungsbericht, der ins spirituelle abdriftet. Ich persönlich tu mich enorm schwer die Gefühle der Autorin zu teilen und nachzuvollziehen. Interessant sind die Beschreibung der Details der Pilgerfahrt – die unendliche Enge durch die Massen von Menschen, die infrastrukturellen Probleme etc. Wahrscheinlich bin ich zu pragmatisch in meinen Denkansätzen.

 

 hhalm Die Schiiten
Heinz HalmBeck
Erscheinungsdatum: Februar 2005
ISBN: 3406508588
Rezensionen Amazon:Der schiitische Islam ist in letzter Zeit vor allem als politischer Akteur ins Bewußtsein der Öffentlichkeit getreten, sei es im Iran oder in jüngster Zeit im Irak. Heinz Halm beschreibt die Glaubensvorstellungen der Schiiten und ihre mehr als 1300 Jahre alte religiöse Tradition. Von hier aus macht er den Zusammenhang zwischen der Religion der Schiiten und ihrem politischen Anspruch in der Gegenwart deutlich.Meine Meinung: Ein kleiner Büchlein, das aber auf seinen 128 Seiten alles wissenswerte über die schiitische Ausprägung des Islams vermittelt. Die Ursprünge des schiitischen Islams werden aufgezeigt, als auch die aktuelle politische Positionierung.

 

 mekka Suraiya Faroqhi
Herrscher über Mekka – Die Geschichte der PilgerfahrtTaschenbuch – 350 Seiten – Artemis & Winkler
Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 3760812279
Trotz der relativen (wissenschaftlichen) trockenen Schreibweise sehr gut zu lesen und überaus fundiert geschrieben. Ein Buch, das ich jedem empfehle, der sich in den Islam eingearbeitet und eingelesen hat und mehr zu einem der Pfeiler des Islams erfahren möchte.

 

 mernissi Herrscherinnen unter dem Halbmond
von Fatima Mernissi
Herder, Freiburg
Erscheinungsdatum: März 2004
ISBN: 3451054787
dpa – DEUTSCHE PRESSEAGENTUR
Fatima Mernissi über mächtige Frauen im IslamFreiburg (dpa) – Frauen waren schon immer das Hauptthema der marokkanischen Soziologin Fatima Mernissi. Mit ihrem Buch „Der politische Harem“ erlangte sie vor rund zehn Jahren weltweite Aufmerksamkeit, weil sie als eine der ersten arabischen Wissenschaftlerinnen die Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft analysierte. Das neueste Buch der Professorin an der Universität Rabat, „Herrscherinnen unter dem Halbmond – Die verdrängte Macht der Frauen im Islam“, beschäftigt sich mit politisch und gesellschaftlich einflussreichen Frauen, die aber immer im Hintergrund, „hinter dem Schleier“, geblieben sind. Es ist eine überraschende Abhandlung über die Abläufe im sagenumwobenen Harem und politische Entscheidungsprozesse, angereichert mit ausführlichen Literaturhinweisen und einem Glossar.

 

 bat Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam
von Bat Ye’orResch, Gräfelfing
Erscheinungsdatum: April 2005
ISBN: 3935197195
Kurzbeschreibung Amazon:Das Buch gliedert sich in zwei große Teile: Die eine Hälfte schildert die historische Entwicklung seit der Entstehung des Islam bis in das 20. Jahrhundert, die andere Hälfte bringt als Beleg Quellentexte und Dokumente. Der Leser hat so die Möglichkeit sich einen Überblick über die Entwicklung zu verschaffen und gezielt Fragen zu vertiefen.
Diese bemerkenswerte Veröffentlichung besitzt heute eine besondere Aktualität. In dem Buch wird die politische Bedeutung des Islam deutlich, seine Wertung erlaubt auch die aktuellen Entwicklungen besser zu beurteilen. An einer gründlichen Auseinandersetzung mit dem Islam kommen wir immer weniger vorbei, und deshalb ist es wichtig verlässliche Quellen zu Rate zu ziehen.Meine Meinung. Auch wenn immer wieder behauptet wird, dass die Autorin wissenschaftliche Neutralität und Distanz bewahrt und nur die aufgeführten Fakten für sich sprechen würden , kann ich mich nicht des Eindruckes entziehen, dass doch eine Portion Voreingenommenheit sich wiederspiegelt.

 

 fletcher Ein Elefant für Karl den Großen. Christentum und Islam im Mittelalter
von Richard Fletcher208 Seiten – Primus Verlag
Erscheinungsdatum: März 2005
ISBN: 3896782673
Verlagstext:Wie hat der Konflikt zwischen islamischer und westlicher Welt angefangen? Wo liegen die Wurzeln dieser Konfrontation? Waren die Gegensätze von Anfang an unüberwindbar?
Richard Fletcher zeigt zunächst grundlegende Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam auf und steckt den politischen Kontext zur Zeit Mohammeds ab. Innerhalb weniger Jahrzehnte nach Mohammeds Tod (632) gelingt es den muslimischen Sarazenen, sowohl entlang der nordafrikanischen Küste weit vorzudringen als auch das persische Reich zu zerschlagen. Die militärische Eroberung geht dabei zunächst nicht mit einer zwangsweisen Missionierung einher. Die Eroberer gestehen den Christen eine relative Religionsfreiheit zu. Sie arbeiten mit ihnen im Rahmen der regionalen Verwaltung zusammen und nutzen Strukturen, die sie vorfinden. Es entwickeln sich nicht nur rege Handelsverbindungen, sondern auch ein kultureller Austausch und diplomatische Kontakte – so schenkte etwa der legendäre Abbasiden-Kalif Harun al Raschid als Zeichen seiner Wertschätzung dem nicht minder legendären Karl dem Großen zur Kaiserkrönung einen Elefanten, verbunden mit Privilegien für christliche Jerusalem-Pilger.
Wie kommt es angesichts dieser durchaus friedlichen Koexistenz zu den gegenseitigen Feindbildern? Wie durchdringen sich in der Folge gegenläufige Machtpolitik und religiöse Motive?
Richard Fletcher beschreibt die schwierige, ungemein facettenreiche Beziehungsgeschichte von Christentum und Islam, westlicher und islamischer Welt.Christentum und Islam: Eine ‚Beziehungsgeschichte‘, die gerade angesichts der aktuellen Frontstellung zwischen islamischer und westlicher Welt brisanter denn je ist. Von Mohammed bis zur Reformation beleuchtet Richard Fletcher in diesem Buch die Beziehungen zwischen beiden Religionen und den von ihnen geprägten Kulturen.Zum Autor:
Richard Fletcher, em. Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität York, hat mehrere Auszeichnungen erhalten, u.a. den „Wolfson Award“ und den „Los Angeles Times History Prize“. Meinen Meinung: Sehr lesenwertes Buch, das die Beziehungen zwischen christlicher und islamischer Kultur beleuchtet und zwar zu einer Zeit, die die Weichen für das heutige Verständnis der Kulturen legte. Ein Verständnis der Geschichte erschwert das Verständnis der heutigen Zusammenhänge. Lesenwert.
 ayaan Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen
von Ayaan Hirsi Ali
Broschiert – Piper
Erscheinungsdatum: Juni 2005
ISBN: 3492047939
Rezensionen Amazon:

Aus der Amazon.de Redaktion
Spätestens seit der bestialischen Hinrichtung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh, Ende 2004, ist für Ayaan Hirsi Ali nichts mehr wie es war. Sie, die mit van Gogh zusammen arbeitete, sei die nächste, so die Morddrohungen, die seitdem an der Tagesordnung sind. Der Islam, so appelliert die studierte Somalierin, brauche dringend eine Epoche der Aufklärung, einen ‚eigenen Voltaire‘.

Die 1969 geborene Ayaan Hirsi Ali hat einen langen und schmerzvollen Weg hinter sich: Saudi- Arabien, Äthiopien und Kenia, dann Deutschland und schließlich die Niederlande. Vor der Zwangsheirat geflohen, gilt sie mittlerweile nicht nur als die wichtigste Kritikerin des Islams, sondern auch als die ‚meist gefährdete Person der Niederlande.“ Ihr Buch ist ein Auf- und Hilfeschrei, ein Appell, es bewegt sich zwischen tief greifenden Emotionen und kühler Sachlichkeit, schwankt zwischen eigener Trauer über erlittenen Schmerz und Kummer und der ehrlich empfundenen Sehnsucht nach Frieden zwischen der islamischen und der westlichen Welt. Fundierte Thesen, Anregungen fürs eigene Nachdenken und Betroffenheit aufgrund persönlich- intimer Einblicke in ein vom Islam geprägtes junges Leben

Es ist eine Perspektive zum ewigen Kampf der Kulturen und Religionen, eine Stimme, sehr subjektiv gefärbt, sehr anschaulich, sehr plakativ und deutlich. „Wir Muslime sind geneigt, universelle Werte wie die Freiheit des einzelnen und die Gleichheit von Mann und Frau als ausschließlich westliche Werte zu sehen. Das ist falsch.“ konstatiert sie und fordert die muslimische Welt auf, „die Balance zwischen Religion und Vernunft wiederherzustellen.“ Thesen und Forderungen, mit denen man sich keine Freunde schafft.

Kritik aber auch an westlichen Staaten und ihrer Integrationspolitik: „Wir verurteilen Polygamie, Ehrenmord und Mißhandlung von Frauen…Dennoch diskutieren wir lieber nicht über die kulturellen und religiösen Hintergründe dieser Mißstände und Probleme.“ Ayaan Hirsi Alis Buch sollte nicht das einzige sein, um zu einer fundierten Sichtweise des Problems zu gelangen, es ist aber ganz sicher ein wesentlicher Beitrag. Hut ab vor ihrem Engagement, Kompliment für ihren Kampf und ihren Mut, Verständnis für ungeduldige Hoffnung auf baldige Veränderungen: „Ich möchte, dass es hier und jetzt passiert“. –Barbara Wegmann

Kurzbeschreibung
Das Bild schockte die Welt: Der tote Filmregisseur Theo van Gogh, dem sein Mörder einen Drohbrief an die Brust geheftet hatte. Adressiert an Ayaan Hirsi Ali – eigentlich hätte sie sterben sollen. Sie weiß, daß ihr Kampf für die unterdrückten islamischen Frauen lebensgefährlich ist – aber sie wird, wie dieses Buch beweist, nicht aufgeben. Denn sie weiß, wovon sie redet: Der Zwangsheirat, die ihr Vater für sie arrangiert hatte, konnte sie sich nur durch Flucht entziehen. Der Bruch mit ihrer Familie, ihren Freunden, waren die unausweichliche Folge. Seitdem kämpft sie für ihre Schicksalgenossinnen: damit sie nicht mehr nur »Söhnefabriken« sind, daß sie studieren können, daß sie endlich selber bestimmen können, wie sie leben wollen. Nach dem Attentat ist Ayaan Hirsi Ali von den niederländischen Behörden außer Landes gebracht worden. In ihrem Versteck schrieb sie den letzten Beitrag zu diesem Buch: Der Kampf muß weitergehen. Deshalb kehrte sie jetzt zurück in die Öffentlichkeit. »Ich werde weitermachen und ich muß auf harte Schläge gefaßt sein. Momentan stürzen sich alle Medien auf mich: eine schwarze Frau, die den Islam kritisiert. Aber der Tag wird kommen, wo es wieder Raum gibt für die Sache, um die es geht: die Abhängigkeit der muslimischen Frauen und die Tatsache, daß die Integration hauptsächlich wegen der frauenfeindlichen Kultur und Religion des Islam gescheitert ist.«

Über den Autor
Ayaan Hirsi Ali, geboren 1969 in Somalia, floh 1992 in die Niederlande. Sie ist Abgeordnete im niederländischen Parlament und Autorin (»Submission«). Trotz ständiger Todesdrohungen islamistischer Fanatiker kehrte die »meistgefährdete Person der Niederlande« Anfang 2005 aus ihrem Versteck in die Öffentlichkeit zurück, um weiter für ihre Sache einzutreten.

Auszug aus Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen von Ayaan Hirsi Ali. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Muslimische Frauen, fordert Eure Rechte ein!

Ich wurde in Somalia geboren und wuchs in einer islamischen Familie auf. Als muslimisches Mädchen wurde ich mit einem Cousin verheiratet und sollte danach mein restliches Leben als Hausfrau und Mutter in Isolation verbringen. Doch ich bin geflohen und in die Niederlande gekommen. Das war vor zehn Jahren. In den Niederlanden konnte ich studieren und arbeiten. Hier kann ich auch meine Meinung sagen. Doch diese Meinung wird nicht immer verstanden. Oft werde ich gefragt, warum ich gerade den Islam und die Stellung der Frauen im Islam so kritisiere. Mir wird vorgeworfen, in meinen Äußerungen und Bemerkungen diese Religion zu diskreditieren. Ich schaffe angeblich ein Bild, wonach alle muslimischen Männer »dumme und gewalttätige Rüpel sind, die ihre Frauen unterdrücken«. Weiter wird mir vorgeworfen, Populisten und Rassisten in die Hände zu spielen. Man sagt, sie würden meine Äußerungen mißbrauchen, um Muslime zu unterdrücken. So sehe ich mich genötigt zu erklären, warum ich die Behandlung der Frauen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft kritisiere. Vier Gründe gibt es für meine Kritik:
Mit meiner Kenntnis des muslimischen Glaubens und meiner eigenen Erfahrung damit kann ich hoffentlich zur Beendigung der menschenunwürdigen Behandlung muslimischer Frauen und Mädchen beitragen. Ich bin fest von der universellen Gültigkeit der Menschenrechte überzeugt. Als Mitglied des Vorstands von Amnesty International erfüllt es mich mit Sorge, daß die große Mehrheit muslimischer Frauen immer noch dem Dogma der Jungfräulichkeit unterworfen wird. Es verlangt, daß Frauen völlig unerfahren in die Ehe eintreten. Erfahrungen mit Liebe und Sexualität vor der Ehe sind ein absolutes Tabu. Dieses Tabu gilt nicht für Männer. Generell haben Männer und Frauen keineswegs gleiche Rechte und Möglichkeiten innerhalb ihrer spezifisch muslimischen Kultur. Viele Frauen haben einfach keine Möglichkeit, ihr Leben unabhängig oder nach eigenem Gutdünken zu organisieren.
Ich verabscheue den Islam nicht. Mir ist bewußt, für welche edlen Werte die Religion eintritt, wie zum Beispiel Wohltätigkeit, Gastfreundschaft und Solidarität mit Armen und Schwächeren. Doch wenn es um Frauen geht, muß man klar sehen, daß die muslimische Religion nicht nur aus Güte und Friedfertigkeit besteht. Im Namen des Islam werden grausame und schreckliche Praktiken aufrechterhalten. Ist es nicht völlig normal, daß man sich als Bürger bemüht, solche Mißstände wie Frauenbeschneidung und Verstoßung an den Pranger zu stellen? Wenn eine angesehene Wissenschaftlerin wie Margo Trappenburg in ihrer Kolumne im NRC Handelsblad die frauenfeindlichen Vorhaben der Christdemokraten in der neuen Regierung kritisiert, wird sie kein rechtschaffener Mensch des Christenhasses bezichtigen.
Natürlich verhalten sich keineswegs alle muslimischen Männer respektlos oder gewalttätig gegenüber Frauen. Ich kenne unzählige wunderbare muslimische Männer, die ihre Mütter, Schwestern und Frauen anständig behandeln. Außerdem sind die Männer genauso Opfer dieses Kultes der Jungfräulichkeit, wenn auch nur indirekt. Sie werden dadurch nicht von einer gesunden, ausgeglichenen und gebildeten Mutter erzogen, was wiederum einen Nachteil in Hinsicht auf Bildung, Beschäftigung und soziale Entwicklung darstellt.
Wegen der unverhältnismäßig starken Betonung von »Männlichkeit« in der muslimischen Erziehung und wegen der physischen und geistigen Trennung der Geschlechter haben Männer kaum Gelegenheit, die für ein harmonisches Familienleben erforderliche Kommunikationsfähigkeit zu erwerben. Daher überrascht es nicht, daß zahlreiche muslimische Frauen in den Niederlanden sich beklagen, daß ihre Männer selten mit ihnen sprechen. Die Ehen, welche die Familien für die noch sehr jungen Töchter im voraus arrangieren, erlegen dem Mann eine schwere Verantwortung auf, die er nicht selbst gewählt hat – für ein Mädchen, das er kaum kennt. Das alles führt häufig zu mangelndem Verständnis, Wut und einem Gefühl der Ohnmacht. Wenn man als Mann darüber hinaus mit der Vorstellung aufgewachsen ist, daß man eine Frau schlagen darf, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Anwendung von Gewalt. Gegenwärtig haben Frauenhäuser in den Niederlanden einen großen Zustrom von muslimischen Frauen zu verzeichnen. Es wurden sogar eigene Frauenhäuser für muslimische Mädchen eingerichtet, die aus ihrem Elternhaus fliehen.
Ironischerweise wird die Unterdrückung von Frauen zu einem großen Teil von anderen Frauen aufrechterhalten. Hier ist ein Zitat von Fatma Katirci, einer türkischen Imama in Amsterdam, über den Vers im Koran, der Männern das Recht einräumt, ihre Frauen zu schlagen: »Ja, aber nicht in einem Streit darum, was an diesem Abend auf den Tisch kommt. Es muß um eine ernsthaftere Sache gehen, etwa um eine Frage der Ehre, wie zum Beispiel Untreue. Wenn eine Frau mit ihrem Verhalten den Ruf der Familie schädigt … Wissen Sie, manche Frauen lernen schon aus einem guten Gespräch. Andere ändern ihr Verhalten erst, wenn die Betten getrennt werden, und manche verhalten sich wirklich neurotisch. Bei den letzteren kann ein kleiner Klaps das letzte Mittel sein, um ihnen den Fehler in ihrem Verhalten einsichtig zu machen. Sie dürfen mich nicht mißverstehen: Ich bin dagegen. Schlagen ist entwürdigend, doch wenn es wirklich keine Alternative gibt, muß es sein.«
Diese Äußerung macht deutlich, daß auch gebildete Frauen oft Probleme haben, Vorstellungen aufzugeben, die ihnen von Kindheit an eingeimpft worden sind. In den traditionell ausgerichteten muslimischen Gemeinschaften sind es oft die Mütter, die ihre Töchter unter ihrer Fuchtel halten, und die Schwiegermütter, die ihren Schwiegertöchtern das Leben unerträglich machen. Cousinen und Tanten tratschen endlos übereinander und über andere und tragen mit dieser sozialen Kontrolle zum Erhalt ihrer eigenen Unterdrückung bei.

Meine Meinung: Die Beschreibungen aller Probleme sind sehr Auf Holland beschränkt; was ja auch verständlich ist. Lesenswert.

 

 teich Islam und Gentechnologie : Eine kritische Analyse der modernen Diskussion im islamischen Recht
von Thomas EichTaschenbuch – Reichert, L
ISBN: 3895005665
Text von: HECEAS
Heidelberger Centrum für Euro-Asiatische Studien e.V.
an der Universität HeidelbergIslam und Gentechnologie – Eine kritische Analyse islamischer RechtspositionenThomas EichRasante Fortschritte in der modernen Medizin und der Genforschung eröffnen enorme Handlungsoptionen für den Menschen. Für viele wirken diese Möglichkeiten aber beängstigend und bedrohlich. Darf man ein Ungeborenes abtreiben, weil im Mutterleib seine Behinderung diagnostiziert wurde? Was geschieht, wenn Menschen geklont würden? Wären dadurch nicht wichtige Grundannahmen über das Menschsein in Frage gestellt? Diese Themen werden in den Industriestaaten von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft breit diskutiert. Fast unbekannt ist aber, wie Muslime, wie der Islam diese Zukunftsfragen der Menschheit beantworten.Der Band diskutiert die Bewertung bioethischer Probleme durch islamische Rechtsgelehrte. Entscheidend ist dabei die Frage, ab wann man den Beginn menschlichen Lebens ansetzt. Dazu wird ein Überblick über die unterschiedlichen Standpunkte zu den Themenbereichen „Befruchtung“, „Einnistung“ und „Beseelung“ gegeben. Daran schließt sich eine Analyse der Diskussion um die Frage an, ob extra-korporale Embryonen zu Forschungszwecken genutzt werden dürfen. Der Band zeigt dabei auf, dass es keinerlei Konsens unter den islamischen Rechtsgelehrten zu diesen Fragen gibt, und geht den Gründen dafür nach. Anhand der kritischen Darstellung ausgewählter Problemfelder wie „Geschlechtsselektion nach Prä-Implantations-Diagnostik“, „Abtreibung nach Prä-Natal-Diagnostik“, „Klonen“ und „Genetische Vaterschaftstests“ stellt der Autor den Umgang der islamischen Rechtsgelehrten mit diesen hochbrisanten Fragen dar. Das Spannungsfeld von Religion / Ethik / religiös basiertem Recht und politisch-ökonomische Interessen wird in naher Zukunft gerade beim Thema Gentechnologie auch für die islamische Welt von brennendem Interesse sein.Im letzten Teil des Bandes stellt der Autor wichtige Rechtsgutachten erstmals in deutscher Sprache vor.Thomas Eich forscht seit etlichen Jahren zum Thema und unternahm zahlreiche Forschungsreisen in verschiedene Staaten der islamischen Welt, um neben schriftlichen Quellen auch durch direkten Meinungsaustausch Informationen aus erster Hand zu erhalten.Meine Meinung: Ok – das Thema ist schon sehr speziell, aber jeder der sich mit dem Islam als Religion tiefer befasst ist dankbar für Darstelllungen aus Einzelbereichen, die weit über die allgemeinen Darstellungen hinausgeht.

 

 diner Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt
von Dan DinerErscheinungsdatum: September 2005
Auflage: 1
ISBN: 3549072449
Kurzbeschreibung Amazon:

Die islamische Zivilisation, insbesondere ihre arabischen Kernländer, befinden sich in einer tiefgehenden Krise. Noch im Mittelalter der Christenheit in jeder Hinsicht überlegen, stagniert die Region des Vorderen Orients seitdem und nimmt an der Entwicklung, die der Westen von der Frühen Neuzeit an durchlaufen hat, nicht teil. Dies tritt heute, nach Ende des Kalten Krieges und unter den Bedingungen einer beschleunigten Globalisierung, deutlicher zutage als je zuvor. Das Resultat sind im religiösen Gewand auftretender politischer Radikalismus einerseits, zaghafte Versuche, Anschluss an die Moderne zu finden, andererseits.

Über den Autor
Dan Diner, geboren 1946 in München. Professor für Neuere Geschichte an der Hebrew University, Jerusalem, und Direktor des Simon-Dobnow-Instituts für Jüdische eschichte und Kultur an der Universität Leipzig. Lebt in der Bundesrepublik und in Israel. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zur politischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, zur Geschichte des Vorderen Orients und zur jüdischen Geschichte.

Meine Meinung: Lesenswert, wenn auch schwer zu lesen. Ein Erklärungsversuch, warum die Uhren in der islamischen Welt scheinbar langsamer gehen.

Eine weitergehende Rezension unter:

http://buecher.hagalil.com/propylaeen/diner-1.htm

 

 

 houda Abschied vom Harem? Selbstbilder – Fremdbilder muslimischer Frauen.
von Houda M. YoussefAbschied vom Harem? Selbstbilder – Fremdbilder muslimischer Frauen.
von Houda M. Youssef
Kurzbeschreibung Amazon:

Vielehe, Verschleierung und Steinigung – solche und ähnliche Schlagwörter assoziieren WestlerInnen gemeinhin mit dem Frausein in muslimischen Gesellschaften. Die Autorinnen dieser Anthologie – mit einer Ausnahme alles Frauen, die in islamisch geprägten Ländern leben oder muslimisch sozialisiert sind – entwerfen ein vielschichtigeres Bild. Die Bandbreite ihrer Texte reicht von sehr persönlichen Berichten bis zu theoretischen Texten, in denen die Autorinnen sich u.a. mit Sexualität im Islam, Feminismus, Zwangsverheiratung und Jungfrauenkult, Kriegsalltag sowie der Stereotypisierung der muslimischen Frau auseinandersetzen. In den vergangenen Jahren sind die Menschenrechte muslimischer Frauen erneut in den Mittelpunkt des westlichen Interesses gerückt – nur um allzu schnell wieder daraus zu verschwinden. In diesem Buch kommen bekannte und weniger bekannte muslimische Autorinnen selbst zu Wort. Ihre sehr unterschiedlichen Perspektiven sollen dazu anregen, genauer hinzuschauen und möglicherweise festgefahrene Bilder zu hinterfragen.

Über den Autor
Houda M. Youssef, Islamwissenschaftlerin und Sozialogin, lebt in Kairo und arbeitet an ihrer Dissertation zu Bi-Nationalität.
Außerdem:
http://www.perlentaucher.de/buch/21166.html

http://www.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-299/_nr-229/_p-1/i.html?PHPSESSID=492ee043bc4b847b2ae7c426e38ae713

Meine Meinung: Durch die Vielfalt der Aufsätze wird das Thema von allen Seiten beleuchtet und nicht eine einzge Meinung dominiert bei dieser sensiblen und komplexen Materie.

 

 nahed_selim Nehmt den Männern den Koran! Für eine weibliche Interpretation des Islam
von Nahed Selim, Anna Berger (Übersetzer), Jonathan Krämer (Übersetzer)Piper
Erscheinungsdatum: März 2006
ISBN: 3492048935
Beschreibung Amazon:

Frauen haben zu schweigen, wenn es um den Islam geht. Damit will sich Nahed Selim nicht abfinden: Sie will Muslima sein und trotzdem emanzipiert, will selber bestimmen, was sie glauben will. »Nahed Selim entreißt den Koran den Mullahs«, schrieb das »NRC Handelsblad«. In keiner Sure steht, daß Frauen Schleier tragen müssen, die meisten Regeln zur Unterdrückung der Frauen sind im Lauf der Jahrhunderte von den – ausschließlich männlichen – islamischen Theologen in den Koran hineingeschmuggelt worden. Die muslimischen Frauen werden durch Fehlinterpretationen, angeblich authentische Texte und falsche Übersetzungen unterdrückt. Selim ruft die Frauen auf, selber den Koran zu lesen und zu interpretieren: der längst überfällige Beginn einer weiblichen islamischen Theologie. Der Blick der Frauen auf den Koran ist aufregend und anders. Nahed Selim zeigt, wie Frauen ihre Rechte gewinnen können, ohne ihren Glauben aufgeben zu müssen. Nach Ayaan Hirsi Alis Nr.1-Bestseller »Ich klage an«: Die Debatte um Frauen und Islam geht weiter!


DIE ZEIT 16.03.2006 Nr.12

Alle Rechte vorbehalten. © DIE ZEIT

Wie ein Käsebrot im Ameisenhaufen

Die Debatte um den Islam öffnet sich: Nahed Selims weibliche Interpretation des Korans, Necla Keleks Plädoyer für die Befreiung des muslimischen Mannes und Ahmet Topraks Buch über die türkischen Männer

Von Hilal Sezgin

Nun sind 45 Jahre seit dem deutschen Anwerbeabkommen mit der Türkei vergangen – eigentlich eine hinreichend lange Zeit, um irgendwie nebeneinander herleben zu können. Doch plötzlich, seit ein, zwei Jahren, wimmelt es in allen Medien von Berichten zur Lebensweise muslimischer Frauen und Familien wie auf einem Ameisenhaufen, der aus heiterem Himmel von einem Käsebrot getroffen wurde. Es kann kein Zufall sein, dass diese Debatte in eine Zeit fällt, in der die Neuordnung des Nahen Ostens auf der Agenda westlicher Außenpolitik ganz oben steht. Und in eine Zeit, in der feministische Parolen so unbeliebt geworden sind, dass sich das Topos des orientalischen Patriarchats geradezu anbietet, um dem Status quo im eigenen Land zu schmeicheln.

Unter anderem wartet dieses Bücherfrühjahr mit einem Buch auf, es heißt Nehmt den Männern den Koran!, das unter dem Slogan »Kopftuch nein, Koran ja! Die Debatte über Frauen und den Islam geht weiter!« fernsehseriengleich beworben wird. Der Verlag hat wirklich sein Möglichstes getan, um sein Produkt mit einer unseriösen Anmutung auszustatten. Doch allem Anschein zum Trotz hat Nahed Selim, eine in den Niederlanden lebende Journalistin, hier ein äußerst nachdenkliches und zum religiösen Nachdenken anregendes Buch geschrieben, das an manchen Stellen zwar sprachliche Stolperstellen zeigt, an anderen Stellen aber Fragen, die eine Koranlektüre aufwerfen kann, so präzise auf den Punkt bringt und so originelle Antworten anbietet, dass man entzückt Heureka! rufen möchte.

Nicht anders als Altes oder Neues Testament irritiert auch der Koran den heutigen Leser, insbesondere die Leserin, durch manche Unebenheit. Poetische, transzendente Stellen wechseln mit nüchternen Passagen über Reglementierungen. Manche Suren wurden in Mekka, manche später in Medina offenbart, sind aber nicht entsprechend angeordnet. Nahed Selim nimmt sich den Koran nun als Gläubige vor, nicht als Skeptikerin, nicht als Anklägerin. Und während nach klassischem Verständnis der Koran als authentische Offenbarung Gottes gilt, verfolgt sie konsequent eine historische und kontextuelle Lesart.

Das ist als Gedanke nicht neu; auch dass der Koran viele Regelungen enthält, die deutliche Besserungen für die Frauen der Arabischen Halbinsel einführten, ja dass der Koran dort überhaupt erst den Gedanken der Rechtsstaatlichkeit etablierte, ist bekannt. Und doch findet Selim zu einigen wirklich überraschenden Ergebnissen, insbesondere was das Erbrecht oder Empfehlungen zum Sexualverhalten angeht.

Manche der entsprechenden Koranstellen kann man als Muslimin kaum ohne Beklemmung lesen, weil es so offensichtlich scheint, dass der Gott, der hier spricht, den Männern (und seinem Propheten) näher stand als den Frauen (und dessen Ehefrauen). Wie Selim sagt: »Genau genommen fühle ich mich wegen dieser und anderer Textstellen vom Koran verraten und enttäuscht.« Und bereits Mohammeds Frau Aischa spottete (so zitiert Selim): »Dein Gott ist aber sehr entgegenkommend und schnell in der Erfüllung deiner Wünsche.«

Wenn sich zwischen den Suren Passagen finden, die offenbar zwischen Mohammed und den Seinen Partei ergreifen, liest Selim diese nicht als bindende Offenbarung für alle Gläubigen, sondern als Hilfestellungen fürs damalige medinensische Tagesgeschäft. Denn zwar sei das »Wesen des Korans göttlich, von Gott stammend, aber die Worte sind die Worte des Propheten Mohammed, in verschiedenen Graden der Ekstase und Authentizität«. Manche werden diese Auffassung für ketzerisch halten, anderen spricht sie aus der Seele – mit einer der vielfältigen Stimmen des heutigen Islams.

Es ist beeindruckend, wie offenherzig Selim argumentiert, wie leidenschaftlich sie hadert – und verzeiht: Das Aischa-Zitat zeigt bereits, dass sich Selim in bester Tradition befindet.

Meine Meinung: Eine Pflichtlektüre für jeden, der für Gleichberechtigung einsteht und sich für den Islam interessiert. Trotz des des misslungenen Titels und Covers …..

 

 schirmacher Frauen und die Scharia. Die Menschenrechte im Islam
Christine SchirrmacherGoldmann; Auflage: 1 (Juni 2006)
ISBN: 3442153883

Rezensionen – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.10.2004
Die Scharia ist in Deutschland angekommen. Das islamische Familien-, Ehe- und Erbrecht wird von der Öffentlichkeit wahrgenommen, besonders, wenn von Ehrenmorden und Beschneidung von Frauen oder dem Kopftuchverbot die Rede ist. Diese Diskurse zeigen, daß besonders das Leben muslimischer Frauen von der Scharia bestimmt wird. Die beiden Islamwissenschaftlerinnen Christine Schirrmacher und Ursula Spuler-Stegemann legen eine grundlegende Einführung in das Rechtsdenken der Muslime und die Rechtspraxis der Scharia in der islamischen Welt vor. Dabei benennen sie sogar das islamische Engagement, in Europa Elemente der Scharia in das Alltagsleben zu integrieren.Die Scharia gilt in ihrem Wortlaut als von Gott erlassenes Gesetz. Und somit rücken die Autorinnen zurecht, daß es in der Diskussion mit der islamischen Welt niemals die Frage sein wird, ob die Scharia anzuwenden, sondern nur, wie sie anzuwenden ist. In der islamischen Welt gibt es kein Land, in dem die Scharia nicht zumindest eine, wenn nicht die wichtigste Quelle der Gesetzgebung ist. Diese Rechtsbestimmungen stammen aus dem Vorderen Orient des siebten Jahrhunderts nach Christus. Sie spiegeln die sozialen Verhältnisse und Gepflogenheiten der damaligen Zeit. In den bedeutenden islamischen Strömungen der Gegenwart wird diese Anfangszeit des Islam als glorreiche Zeit verklärt, in der die militärischen Siege Muhammads dem Islam Wachstum beschert haben. Die Scharia – so faßt Frau Schirrmacher im ersten Kapitel zusammen – wird auch heute „als Ideal für die gesamte Menschheit bis in die Moderne“ verstanden.Die Autorinnen tragen zusammen, welche Bestimmungen des sozialen und rechtlichen Gefüges des Orient der Islam in sein Rechtssystem integriert und welche regionalen Ausprägungen beziehungsweise Modifikationen dieses arabische Rechtssystem in der islamischen Welt gefunden hat. Der Befund ist erschütternd: Im Prozeßrecht gilt die Aussage einer Frau nur halb soviel wie die eines Mannes. Im Falle einer Vergewaltigung müssen Frauen in Pakistan nachweisen, vergewaltigt worden zu sein. Generell trägt im Falle der Vergewaltigung die moralische Schuld für die Tat die Frau: Sie hat den Mann durch ihr Auftreten gereizt. Ehrenmorde werden nicht nur in Pakistan begangen, wenn Frauen ungehörigen Umgang mit Männern haben – das bedeutet, wenn ein Mann in der Nähe einer Frau gesehen wird oder sie gar mit ihm spricht. Der „geregelten Vergewaltigung“ von Frauen durch pakistanische Polizisten ist ein eigener Absatz gewidmet.In Bangladesh werden Frauen mit Säure übergossen und entstellt, wenn ihre Männer glauben, daß sie sich gegen das Patriarchat des Staatsislam auflehnen. Überall an der Tagesordnung ist Gewalt gegen Frauen in der Ehe: In Sure 4,34 trägt Gott dem Mann gegenüber widerspenstigen Frauen auf: „Schlagt sie!“. Diese auch heute noch gültige göttliche Aufforderung führt so weit, daß noch 1987 der tunesische Kassationsgerichtshof in einem Urteil bemerkte: „Schläge und leichte Verletzungen der Frau durch den Ehemann sind Teil der Natur eines normalen Ehelebens.“ Im Punkt Polygamie zeigt sich der Islam nur für Männer freizügig. Muhammad selbst hatte zwischen 13 und 15 Ehefrauen, die Nebenfrauen nicht mitgerechnet. Die sechsjährige Aischa heiratet Muhammad im Alter von 50 Jahren, die Ehe vollzieht er mit ihr drei Jahre später. Nach Sure 33,50 nimmt sich Muhammad aber heraus, ein von Gott eigens zugestandenes Sonderrecht für diese Vielzahl an Frauen erhalten zu haben, so die Autorinnen. In der heutigen Praxis in islamischen Ländern wird die Zweitehe von muslimischen Männern an bestimmte Bedingungen geknüpft und häufig nur in ländlichen Gegenden praktiziert. Eine Entlassung aus der Ehe, die nur der Mann vornehmen kann, führt in der islamischen Welt die Frauen, die meist nicht lesen und schreiben können, in die soziale Katastrophe.Die Reihe der Beispiele, die illustrieren, wie unvereinbar die Scharia mit den westlichen Menschenrechten ist, schreiben die beiden Autorinnen auf 254 Seiten scheinbar endlos fort. Sie haben eine intime Kenntnis der islamischen Welt, ihre Darstellung ist ausgewogen und nüchtern. In der Konsequenz bedeuten ihre Ausführungen, daß die Scharia nicht mit den Menschenrechten vereinbar ist. Vom Islam ausgehend, wird in der Scharia eine Gesellschaftsordnung zementiert, in der die Menschen nach ihrer Religion klassifiziert werden. Christen und Juden beispielsweise sind Menschen zweiter Klasse. Es ist nicht nur für Frauen schwer, unter der Scharia zu leben. Der Auseinandersetzung mit dem Scharia-Islam weichen Frau Schirrmacher und Frau Spuler-Stegemann nicht aus – sie ersparen sie auch dem Leser nicht.ALEXANDER GÖRLACHAlle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am MainRezensionen – Die Zeit vom 23.09.2004
Laissez faire oder konsequentes Pochen auf Säkularismus? Soll man, fragt Rezensentin Monika Frommel, islamische religiöse Besonderheiten – etwa Kopftücher bei Staatsdienerinnen – tolerieren oder mit Verweis auf die irdische Staatsdoktrin untersagen? Die Studie der beiden Islamwissenschaftlerinnen Christine Schirrmacher und Ursula Spuler-Stegemann betrachtet islamische Rechtsauffassungen in Bezug auf die Rollen und Rechte von Frauen und untersucht deren Vereinbarkeit mit dem Gebot der Menschenrechte. Ihr Ausgangspunkt, so Frommel, ist einerseits die „moderne Konstruktion“ der Scharia als Ausdruck der Vorstellung eines göttlichen Gesetzes, das keine Trennung von Religion und Staat kennt, und andererseits die Tatsache, dass der Islam, anders als beispielsweise das Christentum, nicht auf eine kanonische Auslegung von Gottes Wort baut – verschiedene Rechtsschulen stehen sich gegenüber. Die „hochkompetenten Autorinnen“, so Frommel, zeigen jedoch, dass all diesen Auslegungsarten, insbesondere wenn sie auf eine Versöhnung ihres Rechtsverständnis mit säkulärer Rechtsstaatlichkeit abzielen, eines gemeinsam ist: die strategische Ausklammerung heikler Punkte. Die Autorinnen kommen also zu folgendem, „ernüchternden“ Schluss: Alle Konzepte, die nicht streng säkularistisch angelegt sind, dienen lediglich „taktischen Bündnissen auf Zeit“. Das bedeutet: keine „falsche Toleranz“ – und beispielsweise kein Kopftuch im Staatsdienst, dafür aber eine „reflektierte Politik der Integration“! Und die Rezensentin, die das Buch als „hochinformativ“ lobt, stimmt zu.Meine Meinung: Eins der wenigen Bücher, die sich mit der Rolle der Frau kritisch und kompetent ohne Polemik oder überschäumende Emotionen auseinandersetzt.

 

 necla_kelek Die fremde Braut
von Necla KelekGoldmann; Auflage: 1 (August 2006)
ISBN: 3442153867
Rezensionen – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.05.2005

Necla Kelek: Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005. 270 Seiten, 18,90 [Euro].

Hüzün ist türkisch und bedeutet Melancholie, Trauer. Es beschreibt das Innenleben eines Menschen, der hilflos seinem Schicksal ausgeliefert ist, sagt Necla Kelek. Die deutsch-türkische Soziologin kennt dieses Gefühl. Als sie 1968 im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland ging, ließ sie ihr geliebtes Istanbul zurück. Als Tscherkessin war sie schon in der Türkei eine Außenseiterin gewesen, als Türkin in einer deutschen Kleinstadt verschärfte sich dieser Zustand. Ihre Busenfreundin Steffi gab ihr den Laufpaß: Ihretwegen hätte sie sich im Deutschunterricht verschlechtert.

Der unnahbare Vater entfernte sich von der Familie bald so weit, daß er für sie zu einem Fremden wurde und verhaßt dazu, weil er ihr die Geborgenheit, ja ihre Kindheit, gestohlen hatte. Als sie in die Pubertät kam, verbot er ihr jeglichen Sport – zum Schutz ihrer Jungfernhaut und der Ehre der Familie. Am Völkerballspiel nahm sie fortan nur noch als Zuschauerin teil: „Der Platz auf der Ersatzbank entsprach so ganz meinem damaligen Lebensgefühl.“ Anders als ihre beiden älteren Geschwister revoltierte sie jedoch gegen die traditionsbedingten Auflagen der Eltern – durch Depression und dann offene Verweigerung. Die Schule und die Berufsausbildung waren für die begabte junge Frau die Rettung. Verbittert kehrte der Vater schließlich in die Türkei zurück, ließ seine zerrüttete Ehe scheiden und heiratete eine 35 Jahre jüngere Frau. Hüzün als Lebensthema: „Mein Vater war für mich schon lange gestorben – mein halbes Leben lang hatte ich schon um ihn getrauert.“

Frau Kelek sagt, sie habe viele Jahre gebraucht, um dieses Hüzün-Gefühl zu überwinden und endlich in der neuen Heimat anzukommen. Heute ist die Mutter eines Sohnes auf ihren deutschen Paß sogar stolz. Als promovierte Volkswirtschaftlerin und Soziologin ist sie auf das Thema Parallelgesellschaften spezialisiert und berät die Hamburger Justizbehörde im Zusammenhang mit türkischen Straftätern. Ihr Schreibstil ist fesselnd, und man spürt in ihren bewegenden Erzählungen die Kraft einer Person, die viel erlitten hat, bevor sie dort angelangt ist, wo sie jetzt ist: integriert in die deutsche Gesellschaft und erfolgreich.

Man kann sich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, daß der schmerzhafte Anpassungsprozeß und Keleks Wunsch, endlich nicht mehr zu den Ersatzbänklern, sondern zur Mitte zu gehören, seinen Preis gekostet hat: Die Autorin benutzt mitunter eine fast aggressive Sprache, wenn sie mit der türkisch-muslimischen Gesellschaft ins Gericht geht. Das läßt auf tiefe Verletzungen und auf eine überzogene Abgrenzung von einer Welt schließen, von der die Autorin sich wohl noch immer bedroht fühlt. Denn dort, wo ihre Lebensgeschichte abrupt endet, beginnt – Hüzün ade – eine kompromißlose Abrechnung mit dem Islam, den die Autorin als größtes Hindernis zur Integration der Türken in Deutschland sieht. Ihr Hauptthema ist die Lage der muslimischen Frauen und insbesondere der „Importbräute“ – jener jungen Frauen, die, gerade eben mal 18 Jahre alt, aus der Türkei geholt und mit türkischen Männern verheiratet werden, nicht lesen und nicht schreiben können und von der Familie ihres Ehemannes vollkommen abhängig sind.

Gesicherte Zahlen gibt es nicht, aber Frau Kelek vermutet, daß jährlich Tausende junger Menschen unfreiwillig heiraten – ob von den Eltern arrangiert oder unter massivem Druck, ist ihr einerlei, denn in beiden Fällen sieht sie das Grundrecht auf Selbstbestimmung verletzt. Diese Frauen gingen nicht nach Deutschland, sagt sie, sondern in eine fremde, eine türkische Familie. Dort lebten sie unter einem Schleier nach den Regeln ihrer Männer und den Regeln des Islam – fern vom deutschen Alltag: „Wir brauchen die Deutschen nicht“, zitiert sie eine Importbraut. Sie bezieht sich ausgerechnet auf Oriana Fallaci, um diese Parallelwelt „zweite Stadt“ zu nennen; die italienische Journalistin ist mit ihren zornigen Schriften gegen den Islam schon mehrfach des Rassismus bezichtigt und wegen ihrer populistischen Haßtiraden gar gerichtlich belangt worden. Wenn auch nicht so vehement, stößt Frau Kelek in dieselbe Richtung: Die Islamisten seien überall „auf dem Vormarsch“, eroberten unsere Städte und bedrohten unsere freie Welt und deren demokratische Prinzipien.

Die Integration, so das Fazit der Autorin, ist gescheitert. Schuld daran seien vor allem die Türken selbst, resistent gegen die deutsche Gesellschaft und ihre Sprache. Eine große Verantwortung trügen aber auch die Alt-Achtundsechziger: Durch die Nazi-Zeit und den Holocaust beladen, voller Schuldkomplexe, hätten sie die Ausgrenzung der Türken durch übertriebene Toleranz unbewußt forciert: „Es gibt eine panische Angst davor, Islamisten wegen ihrer Religion oder Herkunft zu diskriminieren, lieber nimmt man deren Verletzung von Grundrechten in Kauf.“

Die Autorin hat recht, wenn sie konstatiert: „Verantwortlich für das Scheitern ist eine verfehlte Integrationspolitik, die von der Lebenslüge getragen wurde, Deutschland sei kein Einwanderungsland.“ Ihre Empfehlungen für härtere Auflagen bei der Familienzusammenführung zum Schutz der Frauen und für sprachliche und kulturelle Leistungen, die die Migranten zu erbringen haben, sind wichtig. Problematisch ist aber, daß sie unwissenschaftlich vorgeht und oft undifferenziert argumentiert, pauschal verurteilt und damit eine ganze Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht stellt. Indem sie stigmatisiert und provoziert, fördert sie keinen Dialog, sondern vertieft die Spaltung.

Daß in Berlin Anfang Februar der sechste „Ehrenmord“ an einer jungen Türkin innerhalb von nur vier Monaten stattfand, trägt auf eklatante Weise dazu bei, die von Frau Kelek beschriebenen Fehlentwicklungen deutlich zu machen und den dringend notwendigen Diskurs über die soziale Situation von Migranten voranzutreiben. Es ist wahrscheinlich aber auch ihren Übertreibungen und groben Verallgemeinerungen zu verdanken, daß die deutsche Öffentlichkeit ihren Aufschrei überhaupt wahrnimmt.

ALEXANDRA SENFFT

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Meine Meinung: Necla Kelek vertritt in diesem Buch wie ich die Meinung, dass wir mit dem multikult-liberalem Kuschelkurs nicht weiterkommen, wenn wir von Integration sprechen. Wir sind dabei durch Argumente wie „na ja … das ist halt ein kulturelles Problem … das sollen die unter sich ausmachen“ ein in sich abgeschlossene Parallelgesellschaft zu schaffen, die sich den Werten unseres Grundgesetzes entziehen. Grundwerte sind für alle und müssen von allen respektiert und eingehalten werden. Ggf. muss der Staat einschreiten um dies zu gewährleisten und durchzusetzen. Diese Verletzung von Grundwerten wird in diesem Buch deutlich an der Situation der Zwangsverheiratung junger türkischer Frauen nach / in Deutschland.

 

 karl-heinz_ohlig Die dunklen Anfänge. Neue Forschungen zur Entstehung und frühen Geschichte des Islam
Karl-Heinz OhligVerlag: Schiler Verlag; Auflage: 1 (Oktober 2005)
ISBN: 3899301285
Meine Meinung: Ein sehr gutes Buch, das sich mit dem Begin des Islams auseinandersetzt. Nicht ganz leicht zu lesen. Einige Beitrage sind in Französisch und Englisch.

 

 mahmood_mamdani Guter Moslem, böser Moslem. Amerika und die Wurzeln des Terrors
Mahmood MamdaniVerlag: Edition Nautilus; Auflage: 1 (März 2006)
ISBN: 389401475X

 

 olivier_roy Der islamische Weg nach Westen. Globalisierung, Entwurzelung und Radikalisierung
Olivier RoyVerlag: Pantheon (Mai 2006)
ISBN: 3570550001
Amazon:

Kurzbeschreibung
Der terroristische Islamismus – eine Gewalt, die aus dem Westen kommt. – Olivier Roys international diskutiertes Buch, endlich auf Deutsch. KURZTEXT Die Radikalisierung des Islam halten viele für eine Antwort traditioneller muslimischer Gesellschaften auf die Moderne. Doch diese Deutung ist falsch. Der renommierte Islamforscher Olivier Roy zeigt, dass der islamische Fundamentalismus selbst ein Produkt der Verwestlichung ist. Nur wer die Krise des globalisierten, kulturell entwurzelten Islam begreift, wird gesellschafts- und sicherheitspolitisch erfolgreich handeln können. ZU DIESEM BUCH Nach den jüngsten Krawallen in Frankreich, den Bombenattentaten in London und der Ermordung des niederländischen Regisseurs Theo van Gogh stellt sich verschärft die Frage nach der Radikalisierung des Islam. Olivier Roy zeigt, dass alle Versuche, den Islam als eine »Gemeinschaft der Gläubigen« staatlich zu verankern, gescheitert sind. Doch der islamische Fundamentalismus findet in Europa täglich neue Anhänger. Von seinen kulturellen und regionalen Ursprüngen hat sich dieser globalisierte Islamismus längst entfernt. Er ist zu einem Phänomen junger Muslime geworden, die in zweiter Generation in Gesellschaften leben, in denen sie sich als Fremde fühlen. Ihre Forderungen nach einem reinen und authentischen Islam, sind jedoch Ausdruck einer westlich inspirierten, individuellen Sinnsuche.
»Olivier Roy zeigt, dass die zentralen Ereignisse in der Welt des Islam nicht in den Regionen stattfinden, die wir üblicherweise als islamisch verstehen, sondern in Europa.«
New York Times Book Review

»Olivier Roy ist wohl der provokanteste und innovativste Kenner des Islamismus, den es heute gibt.«
Middle East Quarterly

»Treffender als Olivier Roy kann man das psychologische Moment, das den einzelnen zum potentiellen Täter macht, nicht beschreiben.«
Welt am Sonntag

Über den Autor
Olivier Roy ist Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) und unterrichtet an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales und an der Sciences Po in Paris. Zahlreiche Bücher und Aufsätze über den politischen Islam, den islamistischen Terrorismus sowie den Mittleren und Nahen Osten. Roy gilt international als führender Experte des Islamismus.

Meine Meinung: Noch ein Versuch den Islamismus zu erklären. Aber man sollte das Buch doch gelesen haben. Der Ansatz den Terrorismus zu erklären ist durchaus lesenwert.

 

 stefanie_agerer Das Recht des Koran. Islamisches Strafrecht in der Gegenwart
Stefanie Agererdm Verlag Dr. Müller; Auflage: 1 (Juli 2006)
ISBN: 3865504183
Kurzbeschreibung (Amazon):
Im Zuge einer breiten (Re-)Islamisierung, die heute beinahe alle muslimischen Gesellschaften erfasst zu haben scheint, rückt immer mehr auch das islamische Recht in den Mittelpunkt der Diskussionen. Selbst liberale muslimische Denker verweisen immer häufiger auf die Schari’a, die den Muslimen bis heute als die ideale Gesellschaftsordnung gilt. Sie wird gegenwärtig als eine Art von Gegenentwurf zu den – nach Ansicht vieler Muslime – gescheiteren westlichen Modellen gesehen. Die Autorin beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit zwei Ländern, die sich für die Einführung bzw. Wiedereinführung der Schari’a entschlossen haben: Pakistan und Saudi-Arabien. Dabei greift die Arbeit den Strafrechtsbereich der Schari’a heraus und geht anhand der beiden Länderbeispiele auf dessen Entwicklung, Umsetzung und Anwendung ein. Im Zentrum der Betrachtungen steht insbesondere die Frage, inwieweit die in den Gesetzbüchern der Länder verankerten Verbrechen und Strafen der Schari’a -! z.B. die Amputation von Gliedmaßen bei Diebstahl – in beiden Ländern tatsächlich angewandt werden. Dabei bewertet die Autorin die jeweilige Rechtssprechung auch anhand von Prinzipien und Verfahren moderner Rechtsstaatlichkeit (z.B. Rechtsschutz des Bürgers, Primat des Rechts, Gewaltenteilung) sowie Menschenrechtsaspekten. Ein Buch für Politikwissenschaftler und Politiker, für Juristen und Unternehmer und alle am Thema Interessierten.Meine Meinung: Gute knappe Einführung in Rechtsgrundlagen, eines Rechtssystems, das in vielen islamischen Ländern immer mehr an Bedeutung gewinnt. Durchaus lesenswert!

 

 allah-und-eva Allah & Eva. Der Islam und die Frauen
Betsy Udink

  • Beck; Auflage: 1 (August 2007)
    ISBN-10: 3406563228
    ISBN-13: 978-3406563225

 

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Sagen wir es frei heraus und ohne Umschweife, was wir aus Betsy Udinks erschütterndem Reportagenbuch Allah & Eva lernen: Für Frauen ist Pakistan die Hölle. Anders kann man wohl kaum nennen, was Männer in der islamischen Republik den Frauen in ihrem Land im Namen Allahs und mit dem Segen der Scharia tagtäglich bereiten — und, gegen die Regeln des Korans und das weltliche Recht gleichermaßen verstoßend, auch manchen Knaben, die schon mal dazu herhalten müssen, die sexuelle Gier alter Männer zu stillen, denen entweder keine Frau zur Hand ist oder die nun einfach mal auf Knaben stehen.Vor allem aber leiden die Frauen, von denen es indes viel zu wenige gibt in Pakistan. Denn oft werden sie schon vor der Geburt aussortiert, oder sie werden Opfer von „Ehrenmorden“. Und schon kleine Mädchen werden gerne einmal als Beigabe zu einem guten Geschäftsabschluss oder als Versöhnungsgeste von ihren Vätern „verschenkt“ oder zur Festigung der Familienbande gegen ihren Willen, der nichts zählt, mit fremden Männern verheiratet, die dann ihrerseits frei über sie verfügen. Das geschieht natürlich nicht tagtäglich und überall, aber es kommt vor.Der bloße Verdacht der „Zina“ (des Ehebruchs oder ganz einfach des „unsittlichen Verhaltens“) genügt, sie ins Gefängnis werfen zu lassen. Oder der Mann vollstreckt sein eigenes oder das Urteil des Familienrates über die Gattin gleich selbst, tötet die Frau und verscharrt sie! So ist Allah & Eva keine „Gute-Nacht-Lektüre“. Aber eine, die größte Aufmerksamkeit verdient. — Hasso Greb, Literaturanzeiger.deKurzbeschreibung
Islamische Gesellschaften haben zwei Gesichter: Nach außen führen die Menschen ein freies und normales Leben. Aber unsichtbar, in den von den Vätern beherrschten Häusern, in den von religiösen Fanatikern kontrollierten Dörfern und in den Gefängnissen der staatlichen Geheimdienste, werden die Menschen – meist Frauen und Mädchen – grausam unterdrückt. Die Journalistin Betsy Udink hat sich in Pakistan, dem „Land der Reinen“, das sich als ideales muslimisches Gemeinwesen versteht, an diese sonst kaum sichtbaren Schauplätze begeben. Sie berichtet von der ständigen Angst von Frauen und Mädchen, von ihren Vätern oder Ehemännern im Namen des Korans und der Familienehre mißhandelt, verstümmelt oder getötet zu werden. Sie erzählt vom sexuellen Mißbrauch kleiner Jungen, den brutalen Folgen der Gesetze gegen Gotteslästerung und von einem Frauengefängnis, in dem selbst kleine Kinder wie Vieh gehalten werden. Das wunderbar lakonisch geschriebene Buch besteht aus Miniaturen über das Leben in Pakistan, die sich zu einer großen Erzählung über das Leben der Frauen im Islam zusammenfügen. An keiner Stelle werden Pakistan oder der Islam pauschal angeklagt. Die Autorin behält immer die Distanz der Beobachterin. Nur so ist es ihr möglich, über die erlebten Schrecken zu berichten. Nur so kann das Buch, das in den Niederlanden für Aufruhr sorgte und zum Bestseller wurde, seine suggestive Wirkung entfalten.Meine Meinung: Man sollte nicht von einem Land, in dem der Islam so extrem und fundamentalistisch ausgeprägt ist, nicht auf alle islamischen Länder schließen. Punktuelle Darstellungen zu pauschalisieren wird einer Kultur / einer Religion nicht gerecht.

 

 saison-in-mekka Saison in Mekka. Geschichte einer Pilgerfahrt
Abdellah HammoudiVerlag: Beck; Auflage: 1 (Januar 2007)ISBN-10: 340655752X
ISBN-13: 978-3406557521

KlappentextBuch
Mekka: die heilige Stadt des Islam, die Stadt, die für Nicht-Muslime verboten ist. Wer dort war, kehrt als ein anderer Mensch zurück. Fromme Berichte aus allen Jahrhunderten legen Zeugnis davon ab. Aber was geht in Mekka wirklich vor? Und wie ist es, wenn ein in den USA lebender Professor, der sich seiner muslimischen Frömmigkeit gar nicht so sicher ist, nach Mekka pilgert? Abdellah Hammoudi ist das Wagnis eingegangen. Mit ethnologischem Blick nimmt er nicht nur die traditionellen Rituale zur Kenntnis, sondern auch die profanen Begleitumstände: von der komplizierten Reiseplanung über den Flug, die Übernachtung im überfüllten Lager bis hin zu der Schwierigkeit, Mekka überhaupt wieder zu verlassen. Aber das Buch ist mehr als eine Reportage. Sein Charme besteht darin, dass die Pilgerfahrt für Hammoudi zur Selbsterkundung wird. Um überhaupt zugelassen zu werden, muss er sein Heimatdorf in Marokko aufsuchen. Wie steht es mit dem eigenen Glauben? Verändert man sich, wenn man das weiße Pilgergewand anzieht? Und wie erlebt man die vielbeschworene islamische Gemeinschaft?
„Herausgekommen ist eine preisgekrönte Reportage die den Zwiespalt eines nicht praktizierenden Muslims spiegelt, der sich in den USA „mehr als Abbild denn als Original“ erlebt und sich nun seinen religiösen und kulturellen Wurzeln zuwendet.“
Helena Sabbagh, Das Parlament, 19. März 2007 „Hammoudi nahm 1999 an der Pilgerfahrt teil die eine der fünf Säulen des Glaubens ist. Jeder Muslim, der es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka reisen. In „Saison in Mekka“ ist der Wissenschaftler, der von sich sagt, dass er eine gewisse Distanz zu seiner Glaubensgemeinschaft habe, Erzähler und Held zugleich und wird allmählich vom Beobachter zum Mitgerissenen.“
Astrid Frefel, Tagesanzeiger, 21. Mai 2007 „Eine informativere und beeindruckendere Geschichte einer Pilgerfahrt nach Mekka als die Adbellah Hammoudis ist kaum vorstellbar. (…) Doch gerade er bezeugt mit seinem Buch auf ebenso unaufdringliche wie eindringliche Weise einem Traum die Treue: dem Traum von einem Glauben, der im der Lage wäre, der westlichen Moderne eine weniger menschen-, tier-, traditions- und sinnfeindliche Moderne entgegenzusetzen, und der weniger Gleichgültigkeit gegen einen höllischen alltäglichen Kontext an den Tag legte.“
Rolf Wiggershaus, Frankfurter Rundschau, 9. Mai 2007 „Abdellah Hammoudis Buch über seine Pilgerreise ist eine Sensation. (…) auf einmal tut sich eine wunderbare publizistische, wissenschaftliche und literarische Brücke in die Welt des Islams auf, gerade auch für deutschsprachigen, nichtmuslimische Leser. Es ist Abdellah Hammoudis soeben auf Deutsch erschienenes Buch „Saison in Mekka“, in dem der renommierte Ethnologieprofessor aus Princeton beschreibt, wie er, der eher lauwarme Muslim, sich anschickt, am Haddsch teilzunehmen. Dieses Buch ist, wie einst von Montaigne gewünscht, wie ein Freund, ein Begleiter, der uns zu seinem Mitreisenden macht. (…) Zwischen Erleben und Verstehen, als Nachvollzug der Vita eines toten Propheten und als Verlebendigung einer der aufregendsten Szenen von Bibel, Talmud und Koran, der Geschichte der wiedergefundenen Familie um Abraham, Hagar und Ismael bewegt sich mit diesem Buch der Islam auch auf den Leser zu, die nicht zu seinen Kenner gehören. Aufklärerische Deutungen der Religion als performativer und diskursiver Ausdruck familiärer und staatlich gezüchteter Zwangsneurosen auf der einen Seite; und auf der anderen Seite die elliptische Botschaft des Glaubens, der Schriften, Reden und Praktiken, sie geraten in diesem Moment auf gemeinsamen Grund: Es ist die Erfahrung von Tod und Lebenswillen, von Beharrung auf der Herkunft und Bereitschaft zum Weitermachen, von kollektiver Evolution und täglicher Neuschöpfung des Lebens durch den Einzelnen und sein Netzwerk von Freunden, Verwandten und Widersachern.“
Thomas Hauschild, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18. Februar 2007„Mit der überscharfen Wachsamkeit des Erschöpften erlebt er bis zum Ende hin immer stärker alle Widersprüche, alle politischen Fragwürdigkeiten und zugleich das Große dieser Reise: Am Himmel kreisen Überwachungshubschrauber, um ihn herum füllt das Gebet einer frohgemuten Menschenmenge die Horizonte aus.“
Michaela Schlagenwerth, Berliner Zeitung, 2. April 2007 „(…) weil er einen Schreibstil beherrscht, der an die schöne Zeit erinnert, als uns auch noch Literaten von fremden Ländern berichteten. (…) Im vergangen Jahr hat Hammoudi den Preis im Ulysses Award, der Auszeichnung der Zeitschrift Lettre Internationale gewonnen – für jene Reportage, die seine Erlebnisse auf dem Hadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka, festhält.
Tilman Spengler, Die Zeit, 15. Februar 2007 „Ein Ethnologie-Professor mit marokkanischen Wurzeln, der an der Universität von Princeton lehrt, begibt sich auf Pilgerfahrt nach Mekka – gespalten zwischen der eigenen Religion, freiem Denken und ethnologischen Blick. Diese Ausgangslage macht die in Buchform erschienene Reportage spannend und erlaubt die Betrachtung der Traditionen und Riten der Pilger und Pilgerinnen aus zwei Blickwinkeln. Für Hammoudi, der seines Glaubens selbst nicht sicher ist, wird die Reise zur Suche nach der eigenen Identität. Das Buch, das am 29. Jänner erscheint, erzählt von den Schwierigkeiten der Reiseplanung bis hin zu den Vorgängen, die sich während des Hadsch in den heiligen Stätten von Mekka abspielen, und bietet „Ungläubigen“ einen Einblick in eine Reise, die Nicht-Moslems auf immer verwehrt ist.“
Martin Staudinger, Profil, 15. Januar 2007 „Mit scharfer Beobachtungsgabe auch noch für das kleinste Detail, mit Sinn für die Komik des Geschehens und mit einem kritischen Blick, der immer respektvoll bleibt, führt Abdellah Hammoudi den westlichen Leser durch das Labyrinth einer unbekannten, beunruhigenden Welt.“
Le Monde „Diese Innenansicht einer Pilgerfahrt ist ein Juwel an Gefühlen und witzigen Einfällen, ein profundes Nachdenken über den Islam und eine Fundgrube an Informationen.“
Le Monde des Religions

Meine Meinung: Muss Frau/Mann gelesen haben ……

 

 kelek Die verlorenen Söhne
Necla Kelek (Autor) Verlag: Goldmann (1. Oktober 2007)
ISBN-10: 3442154367
ISBN-13: 978-3442154364
Aus der Amazon.de-Redaktion
Hätte eine Deutsche dieses Buch verfasst, von „archaischer Stammeskultur“ und dem mangelnden Selbstbewusstein der Deutschen gesprochen, die den Zugewanderten keine klaren Regeln vorgeben, dann hätte es sicherlich einen Aufschrei gegeben — fremdenfeindlich und rassistisch wäre die Autorin genannt worden.Nun ist die Verfasserin des Buches türkischstämmig, kennt die Welt jenseits des Bosporus genauso gut wie die Migrantenmilieus in bundesdeutschen Großstädten und verfügt auch noch über das Handwerkszeug empirischer Sozialforschung. Nachdem ihr Buch Die fremde Braut das System der Zwangsehe anprangerte, nimmt Sie jetzt die Väter, Söhne und Brüder ins Visier. Sie geht einzelnen Biografien nach, die im Osten Anatoliens beginnen und mitunter in einem deutschen Gefängnis enden. Sie erzählt die Geschichte von PKK-Aktivisten, Zuhältern und ganz normalen Familienvätern, von starren Gesetzen und einer vorgegebenen Männerrolle, aus der die meisten türkisch-muslimischen Männer nicht herausfinden. In dieser Welt zählen Respekt, Ehre und Schande; und Kelek hat die Mehmets und Yilmaz‘ interviewt, die für diese Werte töteten, schlugen und zerstörten.Dabei macht Kelek von Anfang an klar, dass die porträtierten Männer nicht nur Täter, sondern ebenso Opfer eines Systems sind, das die Integration in einem Land wie Deutschland verhindert und nach aufgeklärtem Verständnis normale Familienbeziehungen unmöglich macht. Nicht zuletzt hat sie dieses Buch aus der realistischen Einsicht heraus geschrieben, dass die Emanzipation der türkisch-muslimischen Frauen nicht ohne ein Umdenken der Männer möglich ist.Man kann Keleks Eindruck nur bestätigen, dass die deutsche Gesellschaft dem unbekannten Wesen „türkischstämmiger Mann“ hilflos gegenübersteht. Sie gibt hier einen biografischen Einblick, der vieles verständlicher macht, aber nichts entschuldigt. Ihr Ziel, die Unmündigkeit innerhalb einer von Männern definierten, traditionellen Welt zu überwinden, ehrt sie. Man möchte nur hoffen, dass das Buch nicht von denjenigen instrumentalisiert wird, die schon immer „wussten“, wie „rückständig“ die Türken im Grunde sind. –Henrik FlorKurzbeschreibung
Warum sind so viele muslimische und türkische Jungen Schulversager? Warum sitzen so viele Muslime in deutschen Gefängnissen? Sind nur soziale Benachteiligung und mangelnde Bildungschancen die Ursache dafür? Oder auch die türkisch-muslimische Erziehung und die archaischen Stammeskulturen einer sich ausbreitenden Parallelgesellschaft? Mit ihrem Buch »Die fremde Braut« – das lange auf der Bestsellerliste stand und von dem über 75.000 Exemplare verkauft wurden – hat Necla Kelek eine heftige Debatte über Zwangsheirat und die gescheiterte Integration der Türken in Deutschland entfacht. Jetzt wendet sie sich der anderen Hälfte der türkisch-muslimischen Gesellschaft zu: den Vätern, die als Patriarchen das Leben der Familie bestimmen, den Söhnen, die sich von den Müttern vorschreiben lassen, wen sie zu heiraten haben, und den Brüdern, die ihre Schwestern kontrollieren und bestrafen – bis hin zum »Ehrenmord«, dem die junge Türkin Hatan Sürücü zum Opfer fiel. Necla Kelek untersucht anhand von Lebensgeschichten muslimischer Männer – vom Mörder bis zum Vorbeter einer Moschee – das auf Ehre, Schande und Respekt, tatsächlich aber auf Gehorsam und Gewalt aufgebaute System der türkisch-muslimischen Erziehung. Sie schildert die exemplarische Sozialisation türkischer Jungen – von der Wiege über die Beschneidung bis zu den Aufgaben als Vater. Vehement kritisiert die Autorin den mangelnden Willen zur Integration bei vielen Muslimen, deren Vertreter den Dialog mit den Deutschen oft nur als Einladung zur Bekehrung zum Islam verstehen. Sie fordert die Ächtung der Scharia, des islamischen Vergeltungsrechts, das Frauen die Gleichberechtigung verweigert, und appelliert an Anwälte, Lehrer, Politiker, sich nicht zu Komplizen skandalöser Ungleichheit machen zu lassen.Ich persönlich bin immer sehr skeptisch, wenn der sozialwissenschaftliche Ansatz auf eine Aneinanderreihung von Einzelbeispielen besteht, die dann in ihrer Gesamtheit bewertet werden. Ich würde das Buch kein zweites Mal lesen.

 

 

 ahadi Ich habe abgeschworen: Warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe Mina Ahadi, Sina Vogt Heyne (Februar 2008)

ISBN-10: 3453152883
ISBN-13: 978-3453152885

Weiterführende Links zur Authorin und dem Buch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mina_Ahadi

http://Spiegelkritik

 

 courbage Die unaufhaltsame Revolution:
Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern (Gebundene Ausgabe) Youssef Courbage, Emmanuel ToddPiper (Februar 2008)ISBN-10: 3492051316
ISBN-13: 978-3492051316
 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008

Gut gemeint und schwer daneben
Wie Youssef Courbage und Emmanuel Todd die Demographie als prophetische Wissenschaft missverstehen / Von Nils Minkmar

Die Debatte um den Kampf der Kulturen oder, je nach Übersetzung, der Zivilisationen, die wir mit Samuel Huntington einem Herrn verdanken, der schon im Ärger um die Unpünktlichkeit mexikanischer Handwerker einen besorgniserregenden Kampf ums Abendland erkennt, hat etwas zutiefst Ermüdendes, denn mit der Frage, ob es den Kampf gibt oder nicht, ist nichts gewonnen, und die Jahre gehen ins Land.

Der Vorteil dieses Buches ist es nun, einen neuen Standpunkt zum Ausblick auf die weite wilde islamische Welt zu etablieren, den der Demographie. Sein Nachteil ist, diese Erkenntnisse gleich in eine Position in der Debatte um die Frage der Existenz des Kampfs der Kulturen umzuwandeln. Das Argument geht so: Weil, wie im Buch nachgewiesen wird, auch in der islamischen Welt die Alphabetisierung der Frauen voranschreitet und die Geburten zurückgehen, folgt sie mittelfristig dem Muster der westlichen Modernisierung, wie es sich im „Pariser Becken“ herausgebildet hat und irgendwann ist der ganze Orient wie das Quartier Latin.

Nun ist es ein altes Klischee, dass Pariser Intellektuelle als Norm und Idealfall menschlicher Existenz den Pariser Intellektuellen heranziehen, selten aber hat man es in solch erfrischend unverfälschter Form serviert bekommen wie hier. Weil im Pariser Becken seit Mitte des achtzehnten Jahrhunderts die Religiosität zurückging, die Alphabetisierung aber voranging, kam es , so verkürzen es die Autoren, zur Französischen Revolution, die hier zwar nicht explizit die glorreiche genannt wird, es fehlt aber auch nicht viel: „Als im Pariser Becken die liberale, auf Gleichheit pochende, revolutionäre und schließlich friedlich republikanische Ideologie ihren Siegeszug antrat, hatte dort bereits ein halbes Jahrhundert zuvor die Religion ihre Bedeutung verloren.“ Kein Wort von der Terreur, keine Vendée Massaker, nichts über die irren Religionsersatzversuche der Republik. Das ganze tragische Taumeln der Geschichte bis und mit Napoleon wird einfach weggelassen, damit das Verlaufsmuster schöner kommt: Antiklerikalismus, Alphabetisierung und Geburtenkontrolle führen in die Moderne, eigentlich direkt zur milden Regierung eines François Fillon.

Die brutale Kontextualisierung des demographischen Materials in so ein schulbuchjakobinistisches Verlaufsmuster ist einfach nur schade, denn die Daten, die das Buch bietet, sind brisant. Sie zeigen in großer Detailfreude und mit einiger Plausibilität, dass alle islamischen Gesellschaften im tiefen Wandel begriffen sind. Zwei wichtige Indikatoren – die Alphabetisierung der Frauen und der einsetzende Geburtenrückgang – werden besonders beachtet. Und es liegt in der Tat nahe, diesen beiden Phänomen eine große soziale Wirkmächtigkeit zuzuschreiben. Sie bleiben aber bloße Indikatoren und ersetzen keine historischen Analysen und Erzählungen. Sicher mag aus einem kurzfristigen Zusammentreffen beider Faktoren in einer traditionalen Gesellschaft eine Desorientierung und Krisenanfälligkeit resultieren, was dann aber daraus wird, kann man mit dem Vorhandensein beider Indizes allein nicht ableiten. Es kommt ja beispielsweise auch darauf an, was die Frauen lesen, und ein Geburtenrückgang kann ja auch bedeuten, dass pränataltechnologische Erkenntnisse genutzt werden, um die Mädchen abzutreiben.

Aus demographischen Erkenntnissen allein lässt sich eben nicht ableiten, ob wir einen Kampf der Kulturen haben oder wie die Geschichte weitergeht. Es gibt, wie wir wohl wissen, moderne, bürgerlich geprägte Gesellschaften, in denen Frauenbildung und Familienplanung in hoher Blüte standen, die eine nie dagewesene Barbarei entfalteten.

Das Buch ist gut gemeint und schwer daneben. Besonders verstörend liest sich die Deutschland betreffende Passage, nach der „das“ deutsche Erbrecht die ältesten Söhne begünstigt, so dass „die“ deutsche Familie durch Autorität geprägt sei, was dann zu Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus führe: „Wenn die Brüder (beim Erben) ungleich sind, so sind es auch die Menschen und Völker.“ War Schillers „Alle Menschen werden Brüder“ eine Hymne an den Familienkrach? Im Ernst: Das deutsche Erbrecht war so vielfältig wie die Herrschaftsstrukturen des Alten Reiches. Daraus eine Fundamentalerklärung der deutschen Psyche und Geschichte abzuleiten ist wissenschaftlicher Leicht-, nein: Schwachsinn. Nach solchen Hämmern traut man leider auch den anderen Thesen nicht über den Weg.

Youssef Courbage, Emmanuel Todd: „Die unaufhaltsame Revolution“. Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern. Aus dem

Französischen von Enrico Heinemann. Piper

Verlag, München 2008. 218 S., 8 Grafiken, 9 Tafeln, 1 Karte, geb., 16,90 [Euro].

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Meine Meinung: Auch hier kann ich es mir relativ leicht machen, denn die Besprechung der FAZ trifft meine Meinung recht gut.

 

 mekhennet Die Kinder des Dschihad: Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa Souad Mekhennet Claudia Sautter , Michael Hanfeld Piper (Februar 2008) ISBN-10: 3492251129 ISBN-13: 978-3492251129

 

 

 rados1 Zwei Atombomben dankend erhalten:
Alltag im Iran des Ahmadinedschad Antonia Rados (Autor) Heyne (10. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453143027
ISBN-13: 978-3453143029
Aic hier mache ich es mir mit meiner Besprechung leicht und verweise auf ein Intervies mith der Authorin unter http://www.andrea-tholl.de/interview_rados.html – nur soviel sei gesagt, daß ich die Bücher von Antonia Rados sehr gerne lese, da sie nicht übertrieben sind und die Wirklichkeit versuchen abzubilden.

 

 senfft Zwischen Antisemitismus und Islamophobie:
Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost John Bunzl (Herausgeber), Alexandra Senfft (Herausgeber) Vsa; Auflage: 1 (April 2008)ISBN-10: 3899652819
ISBN-13: 978-3899652819
Während sich bisher die meisten Veröffentlichungen entweder dem „Neuen Antisemitismus“ oder dem „Islam“ bzw. der „Islamophobie“ – der Angst vor dem Islam – gewidmet haben, setzen dVerfasser beide Phänomene zueinander in Beziehung, zeigen ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede auf.John Bunzl ist Politologe an der Universität Wien und Nahost-Spezialist des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (OIIP).

Alexandra Senfft, geb. 1961, freie Journalistin und Autorin, war 1988 Nahostreferentin der Grünen-Fraktion im Bundestag, dann UN-Beobachterin in der Westbank und bis 1991 UN-Pressesprecherin im Gazastreifen. Anschließend war sie als Reporterin und Redakteurin tätig, heute schreibt sie für namhafte Zeitungen und Zeitschriften

Lesenswert, da zwei Erscheinungsformen den Intoleranz in Verbindung zueinander gesetzt werden.

 

 

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